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Erst Einbruch, dann zündeln im Keller

Großbrand Erst Einbruch, dann zündeln im Keller

Mit den Folgen des Brandes vom 24. März kämpft die Marburger Tapetenfabrik in Kirchhain nach wie vor: Das Tochterunternehmen Druckerei Schröder wird nicht neu entstehen, wohl aber ein Neubau mit Platz für Logistik.

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Seit einigen Wochen laufen auf dem Gelände der Marburger Tapetenfabrik die Abbrucharbeiten des zerstörten Druckereigebäudes.

Quelle: Constance Wingender (Marburger Tapetenfabrik)

Kirchhain. Der Abriss des nördlichen und südlichen Teiles der früheren Druckerei Schröder auf dem Gelände der Marburger Tapetenfabrik (MT) läuft nach wie vor. Den mittleren Gebäudeabschnitt, der die wichtige logistische Verbindungsbrücke zu Hochregallager und Versand trägt, lässt das Unternehmen mit großem Aufwand sanieren.

Das Material aus der Brandruine muss nach vorheriger Untersuchung durch ein Spezialunternehmen weitgehend auf Sondermülldeponien entsorgt werden. Parallel dazu treibe das Unternehmen die Planungen für einen Neubau anstelle der abgebrannten Gebäudeteile voran, erläuterte Ullrich Eitel, geschäftsführender Gesellschafter der MT gegenüber dieser Zeitung. „Wir brauchen diesen Neubau so schnell wie möglich“, betont Eitel.

Druckerei ist Geschichte

Doch wird dort nicht mehr die frühere Druckerei Schröder, eine Tochtergesellschaft der MT, einziehen. Die Druckerei kann entgegen erster Hoffnungen nicht wiederbelebt werden. „Wenn sie irgendwann wieder in Betrieb ginge, hätten wir für sie keine Kunden mehr“, erläutert Eitel die Gründe für diese Entscheidung. Durch den Großbrand seien bei der Druckerei die Arbeitsplätze von 10 bis 15 Familien vernichtet worden. Im Neubau will die MT künftig Logistik, die beim Brand mitzerstörte Buchbinderei und neue Digitaldrucktechnik für Tapeten unterbringen. Zu Abriss- und Neubaukosten kommen die Vermögensschäden und die laut Eitel immensen Ausgaben für Reinigungsarbeiten in verschiedenen Abteilungen. In der Druckerei verbrannte unter anderem eine erst wenige Jahre alte moderne Druckmaschine.

Nach Abschluss ihrer Ermittlungen ist die Marburger Staatsanwaltschaft davon überzeugt, dass ein 21-jähriger Gießener für das verheerende Feuer an jenem 24. März verantwortlich ist. Der Beschuldigte ist seit seiner Festnahme auf Anordnung eines Richters in einer psychiatrischen Klinik untergebracht.

Fotos vom Feuer im März:

Ein Gutachten hat die erheblichen Zweifel an seiner Schuldfähigkeit bestätigt. Deshalb hat die Staatsanwaltschaft eine sogenannte Antragsschrift beim Landgericht in Marburg eingereicht, mit der die langfristige Unterbringung des Gießeners in der Psychiatrie eingeleitet wird. Die Entscheidung liegt bei der 1. Strafkammer beim Landgericht Marburg, die zuerst über die Zulassung der Antragsschrift entscheiden wird.

Ermittlungen von Polizei und Staatsanwaltschaft haben weitere Details der Ereignisse vom 24. März zutage gebracht: Wie Annemarie Wied, Sprecherin der Marburger Staatsanwaltschaft mitteilte, brach der 21-Jährige gegen 2 Uhr nachts zunächst in den Keller des Druckereigebäudes ein. Dazu trat er ein Fenster ein. Warum er die MT auswählte, wird wohl ungeklärt bleiben. „Möglicherweise hängt das mit einer dunklen Phase seiner Erkrankung zusammen. Es gibt keinerlei Anhaltspunkte für irgendeinen persönlichen Bezug des Mannes zum Unternehmen“, betont Wied. Am Morgen hat der 21-Jährige dann mit dem Feuerlegen begonnen, zunächst im Keller des Druckereigebäudes, wo er große Mengen von Tapeten und Kartonagen anzündete. Nach den Ermittlungen der Brandexperten der Polizei hat er aber wohl auf Brandbeschleuniger verzichtet, sondern nur mit einem Feuerzeug hantiert. Im Bereich von Vertrieb und Hochregallager habe der Mann allein an fünf Stellen Feuer gelegt, sagt Wied.

Polizeilich gesehen war der Mann kein Unbekannter. So gab es gegen ihn unter anderem Ermittlungen wegen Körperverletzung. Als Brandstifter ist er aber bis zu den Ereignissen in der MT nicht in Erscheinung getreten.

Auch die Allgemeinheit wird für den durch den Brand verursachten Schaden mitaufkommen müssen. Bei der Stadt Kirchhain sind bisher Rechnungen von rund 31000 Euro für Löschmittel, die Reinigung von Schläuchen und Kleidung oder das Befüllen von Pressluftflaschen eingegangen.

Allein das Löschmittel, das für die Produktion von Löschschaum nötig ist, kostete rund 20000 Euro. Insgesamt rechnet Gordon Schneider, Fachbereichsleiter und Sprecher der Kirchhainer Feuerwehren, mit Einsatzkosten von rund 100000 Euro. „Sie werden dem mutmaßlichen Brandstifter in Rechnung gestellt“, sagt Schneider. Für die Betroffenen von Bränden sind Löscheinsätze in Hessen hingegen kostenlos.

Der Großbrand vom 24. März 2013:

Rund 250 Feuerwehrleute aus dem Kreis, unterstützt von weiteren Einsatzkräften, bekämpften den Großbrand am 24. März. Dabei gelang es, die weitere Ausbreitung des Feuers auf das Hochregallager zu stoppen. Wegen der Rauchentwicklungen mussten angrenzende Häuser für mehrere Stunden evakuiert werden. Zeitweise drohte die Situation am Brandort zu eskalieren, weil das Gebäude akut einsturzgefährdet war.

von Michael Rinde

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Kirchhain
Großbrand in der Marburger Tapetenfabrik in Kirchhain.

Das Feuer in der Marburger Tapetenfabrik in Kirchhain ist seit 15.15 Uhr unter Kontrolle. Ein Feuerwehrmann verletzte sich bei den Löscharbeiten. Der Gebäudeteil des Druckereibereichs, wo das Feuer um 11.38 Uhr offenbar ausgebrochen war, gilt als akut einsturzgefährdet.

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