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Erschoss Gastjäger Hund aus Frust?

Tagödie Erschoss Gastjäger Hund aus Frust?

Schlimmeres als das, was Martin Holland-Letz im Wald bei Neustadt widerfuhr, kann ein Hundebesitzer eigentlich nicht erleben. Ein Fall aus Ruhlkirchen zeigt mal wieder: Schlimmer geht immer.

Neustadt. Martin Holland-Letz ist schockiert: Erst erschoss ein Jäger aus Holland im Neustädter Wald seinen Hund. Nun ereignete sich ein ähnlicher Vorfall im benachbarten Ruhlkirchen. Der Neustädter will da nicht an Zufall glauben.

Doch der Reihe nach: Anfang des Jahres ging Holland-Letz mit seiner fünfjährigen Tochter und dem Familienhund im Wald spazieren. Einen kurzen Moment der Unaufmerksamkeit nutzte das Tier, um sich aus dem Staub zu machen - was bei Hunden ja nichts Ungewöhnliches ist. „Kurz danach hörten wir zwei Schüsse“, berichtet der Neustädter, der sich daraufhin auf die Suche machte: „Wir trafen einen Herrn in Jagdmontur, der gerade am Wegfahren war“, erinnert er sich. Sie sprachen ihn an und erfuhren, dass dieser gerade ihren Hund erschossen habe.

Kritik übt Holland-Letz nicht nur an dem holländischen Gastjäger, der seinen Hund erschossen hat, sondern auch am hessischen Jagdgesetz. Dieses besagt, dass Jäger auf Hunde schießen dürfen - wenn diese am Wildern sind. „Da Jäger meistens alleine unterwegs sind, können sie das also immer sagen, weil es ja keine Zeugen gibt“, ärgert sich der Neustädter - in dessen Fall es natürlich die gleiche Begründung gibt, die aber allem Anschein nach nur eine Ausrede ist: Der Hund habe ein Reh am Hals gepackt, soll der Gastjäger erklärt haben. Eine tierärztliche Untersuchung des Leichnams habe jedoch gezeigt, dass sich keine Rehhaare am Hund befanden, sagt Holland-Letz und betont: „Mein Hund ging mit Katzen und anderen Tieren. Er war ausgebildet und alles andere als ein Problemhund.“

Jagdrechtlich sei dem Jäger wohl nicht beizukommen. Die Sachbeschädigung, um die es sich laut Gesetzen beim Verletzen eines Tieres handelt, übernehme wohl die Jagdhaftpflicht, weiß der Neustädter und ergänzt: „Mit Geld ist aber in keinster Weise etwas wiedergutzumachen. Der Hund war schließlich ein Familienmitglied.“

Ähnlich sieht es bei einem Fall aus, der sich im Wald beim nur wenige Kilometer entfernten Ruhlkirchen am Wochenende ereignete. Auch dort erschoss ein Jäger einen Hund - der sogar nur wenige Meter von seinem Herrchen gestanden haben soll. Auch dort war der Täter ein Gastjäger aus Holland - was Holland-Letz die Zornes­röte ins Gesicht treibt.

Ermittlungen wegen Verstoßes gegen Tierschutz

Die meisten Jäger handelten sehr verantwortungsvoll, betont er und nimmt diese von seiner Kritik aus. Allerdings sei es untragbar, dass Gastjäger nach Deutschland kämen und schlicht machten, was sie wollen. Es sei kein Zufall, dass sich innerhalb weniger Wochen zwei solcher Fälle ereigneten: „Es waren wahrscheinlich ,Frustreaktionen‘ von Jägern, die 400 Kilometer Anfahrt haben und viel Geld für ihr Jagdrecht bezahlen“ - und die dann, wenn sie nach ihrer Meinung nicht auf ihre Kosten gekommen seien, lieber Haustiere töteten, als mit „blanken Rohren“ zurück nach Holland zu fahren. „In vielen Bundesländern dürfen Hunde nur nach vorherigem Einholen einer Genehmigung bei den Behörden - also bei besonders auffälligen Hunden, denen nicht anders beizukommen ist - geschossen werden. Das schließt ein Frustschießen aus“, fasst der Neustädter zusammen und hofft, dass Hessen striktere Regeln bekommt - vor allem im Bezug auf Gastjäger.

Polizeisprecher Jürgen Schlick berichtet auf Nachfrage dieser Zeitung, dass ihm im Landkreis Marburg-Biedenkopf in seiner langen Zeit als Polizist ein solcher Fall noch nicht untergekommen sei. Die Ermittlungen zu der Tat von Anfang Februar laufen gegen einen 36 Jahre alten Mann. Vorgeworfen werden ihm Zuwiderhandlung gegen das Tierschutzgesetz.

Neustadts Bürgermeister Thomas Groll nimmt zunächst die Neustädter Jäger in Schutz, die stets verantwortungsvoll handelten. Die Kommune ist in den Fall zwar nicht involviert. Dennoch nimmt der Rathauschef Anteil und betont, dass die Parallelen der Fälle dringend zu überprüfen seien. „Sollte es tatsächlich Parallelen geben, müsste man sich fragen, was da eigentlich schiefläuft.“

von Florian Lerchbacher

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