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Erinnerungen an schreckliche Tage

Kirchhainer Kriegstagebuch veröffentlicht Erinnerungen an schreckliche Tage

2014 erinnerte der Kirchhainer Heimat- und Geschichtsverein mit einer grandiosen Ausstellung an den Ausbruch des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren. Jetzt gibt es eine Fortsetzung der Ausstellung: Zwischen Buchdeckeln zum Mitnehmen.

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Drei Personen, drei wichtige Exponate: Dieter Pelda zeigt Johann Heinrich Grüns Kirchhainer Kriegstagebuch im Original, die Vereinsvorsitzende Kerstin Ebert hält das fertige Buch in den Händen, und ihr Stellvertreter Klaus Hesse öffnet das Original-Kästchen mit den Gras-Losen, das in dem Buch eine wichtige Rolle spielt.

Quelle: Matthias Mayer

Kirchhain. So formulierte das die Vereinsvorsitzende Kerstin Ebert bei der Präsentation des neuesten vom HGV herausgegeben Buchs mit dem Titel „Kriegstagebuch des Bürgermeisters Heinrich Grün“.

Das Buch beruht auf einem Zufallsfund. Der langjährige HGV-Vorsitzende Wolfgang W. Müller bewahrte in seinem Haus einen großen Teil des HGV-Archivbestands auf; lange vor der Zeit, als der Verein die Räume im Hause Biegenstraße 7 bezog. Nach dem Tod des Ehrenvorsitzenden wurde dieser Archivbestand gesichtet. Und in diesem tauchte irgendwann mal ein in hellem Leinen gebundenes und mit Prägebuchstaben auf dem Einband versehenes Buch des Johann Heinrich Grün zuoberst auf.

Dieter Pelda, der als Diplom-Archivar der Sütterlin-Handschrift mächtig ist, entschlüsselte als Erster, was für eine unschätzbar wertvolle Quelle da ans Tageslicht gekommen war. Grün habe über die komplette Zeit des Ersten Weltkriegs, über dessen Auswirkungen auf die Menschen in Kirchhain und Umgebung detailliert und faktenreich berichtet - immer monatsweise und mit verlässlicher Kontinuität. „Grün schreibt authentisch aus dem eigenen Erleben. Das ist alles echt - nicht so wie bei den Hitler-Tagebüchern“, sagte Dieter Pelda.

Der Diplom-Archivar hatte sich bereit erklärt, den handschriftlichen Text in ein Computersystem zu übertragen. Dabei erwies sich die moderne Technik als kuriose Fehlerquelle. Das Wort-Erkennungsprogramm des Systems habe einige heute nicht mehr üblichen Begriffe in sonderbare Wortschöpfungen übersetzt. Dabei seien die tollsten Sachen passiert, berichtete der 2. HGV-Vorsitzende Klaus Hesse. Immer wieder seien neue Korrekturdurchläufe notwendig geworden, erklärte Klaus Hesse. So zog sich die Arbeit an dem 160 Seiten starken Buch über zwei Jahre hin. Ergänzt werden Grüns Aufzeichnungen durch das von Harald Pausch aufgearbeitete Ehrenbuch der Kirchhainer Kriegsteilnehmer.

Vier Bürgermeister stellen das Buch vor

Für Klaus Hesse sind es gleich mehrere Punkte, die Grüns Aufzeichnungen so faszinierend machen. Er nennt die lebensnahen Schilderungen zu den Folgen des Kriegsgeschehens auf die Menschen. Das Petroleum wird knapp, die Kartoffelernte ist schlecht und bei der Verlosung der städtischen Parzellen für den zweiten Grasschnitt werden Rekordpreise ­fällig, berichtete Klaus Hesse und holte das damalige Lose-Kästchen hervor. Auf den Papierstreifen im Inneren des Kästchens finden sich Namen, die heute noch in Kirchhain gegenwärtig sind. Die jüdischen Familien sind nicht vertreten; die wurden von der Verlosung ausgeschlossen. Handwerker und Lebensmittelhändler haben eine schlechte Zeit. Dazu kommen die heute noch bekannten Namen und Orte sowie der Wandel, den der Bürgermeister während des Kriegs vollzog. Die anfängliche Kriegseuphorie wich einer großen Ernüchterung und letztlich einer Verbitterung, die sich in den Aufzeichnungen auch mal in deftigen Schilderungen der Verhältnisse Bahn bricht.

Das Buch wird am Donnerstag, 1. September, ab 19.30 Uhr im Bürgersaal des Rathauses mit einer besonderen Lesung vorgestellt. Die Bürgermeister Heinrich Röder, Klaus Hesse, ­Jochen Kirchner und Olaf ­Hausmann werden einige ­Kapitel ihres Amtsvorgängers vorlesen.

Damit erfolgt der Verkaufsstart des Buches, das zum Preis von 14,90 Euro im Buchhandel in Kirchhain und Umgebung sowie bei Harald Pausch erhältlich ist.

von Matthias Mayer

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