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Erhalten die Bürger das letzte Wort?

Verwaltungsgemeinschaft Erhalten die Bürger das letzte Wort?

Ein erster Schritt auf dem Weg zur Entscheidung ist getan: Parlamentarier aus Rauschenberg und Wohratal informierten sich gemeinsam über eine Verwaltungsgemeinschaft.

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Die Bürgermeister Claus Junghenn aus Allendorf (Eder), Karl-Friedrich Frese (Bromskirchen), Peter Hartmann (Wohratal) und Michael Emmerich (Rauschenberg) informierten Parlamentarier und Verwaltungsmitarbeiter. Foto: Michael Rinde

Quelle: Rinde

Wohratal. Eine kleine „Bombe“ ließ Wohratals Bürgermeister Peter Hartmann (parteilos) gleich bei der Begrüßung platzen: Möglicherweise fällt die Entscheidung, ob sich Wohratal an einer Verwaltungsgemeinschaft mit Rauschenberg beteiligt, bei einem Bürgerentscheid.

Darüber sei im Ältestenrat am Dienstagabend bereits gesprochen worden, seit Mittwoch liegt ein entsprechender Antrag der SPD-Fraktion vor. Die Beratung folgt Mitte März im Gemeindeparlament. Laut Gemeindeordnung müssten zwei Drittel der Parlamentarier für einen Bürgerentscheid stimmen.

Seit November ist bekannt, dass die Bürgermeister von Rauschenberg und Wohratal - Michael Emmerich (CDU) und Hartmann - Überlegungen für eine Verwaltungsgemeinschaft hegen und das im Zusammenhang mit einer Umwandlung der Wohrataler Bürgermeisterstelle von einer hauptamtlichen mit vollen Bezügen zu einer ehrenamtlichen mit Aufwandsentschädigung (bei vollständig gleichen Rechten und Pflichten).

Seit zwei Jahren an zwei Standorten

Am Mittwochabend informierten die Bürgermeister von Allendorf (Eder) und Bromskirchen, Claus Junghenn und Karl-Friedrich Frese, über ihre Erfahrungen mit der Verwaltungsgemeinschaft Allendorf (Eder)/Bromskirchen. Diese Verwaltungsgemeinschaft arbeitet seit zwei Jahren an zwei Standorten, keine Gemeinde ist verwaltungslos.

Und es ging Junghenn und Frese sowie Hartmann und Emmerich bei ihrem Vorgehen definitiv nicht um eine Fusion beider Gemeinden. Etwa 20 Minuten referierte Frese über die Erfahrungen mit dem Verwaltungsverbund. Die sind bei ihm und seinem Kollegen durchweg positiv.

Zuhörer waren rund 45 Parlamentarier und Ortsbeiratsmitglieder ebenso wie zahlreiche Verwaltungsmitarbeiter aus Wohratal und Rauschenberg. Eines machte Frese, nicht zuletzt aufgrund einer Frage von Harald Homberger (OLW), deutlich klar: Die einzelnen Parlamente verlieren keinerlei Macht, die Verwaltungsgemeinschaft „ist ein Dienstleister, der die Beschlüsse ausführt. Die Verbandsversammlung habe keine politische Funktion.

Eine „Herkulesaufgabe“ war es, den Gemeindemitarbeitern im Verbund ihren Fähigkeiten entsprechende Aufgaben zu geben, sprich, sie effizient wie auch an geeigneten Stellen einzusetzen. All das sei „im gegenseitigen Vertrauen“ angegangen worden. „Vertrauen“ beschworen Junghenn und Frese auch als generelle Voraussetzung für die Entwicklung eines solchen Projekts.

Kein „Frühstücksdirektor“

Seit 1. Januar ist Frese ehrenamtlicher Bürgermeister von Bromskirchen. An seinen Aufgaben hat sich nichts geändert. „Das ist kein Frühstücksdirektor-Posten“, unterstrich er gegenüber der OP. In Allendorf (Eder) und Bromskirchen habe ein Hauptamtlicher ausgereicht, aber auch ein Start mit zwei hauptamtlichen Bürgermeistern habe sich bereits gerechnet, sagt Junghenn.

Allerdings hat sich nach der Stellenumwandlung der Spareffekt um zwei Drittel der vorherigen Summe erhöht. Im Falle von Wohratal und Rauschenberg hielte Hartmann einen Verwaltungsverbund mit zwei hauptamtlichen Rathauschefs finanziell für „einen Fall für den Bund der Steuerzahler“.

Hartmann selbst machte für seine Person klar, dass er keinesfalls entschieden hat, ob er im nächsten Jahr noch einmal für das Wohrataler Bürgermeisteramt kandidiert - gleichgültig ob haupt- oder ehrenamtlich. Diese Entscheidung soll Anfang 2018 fallen. Hartmann wie Emmerich kündigten in den nächsten Monaten Informationsveranstaltungen, auch auf Ebene der Ortsbeiräte, an. Bis dahin sollen die Überlegungen aber zunächst in konkretere Pläne überführt werden. Klar ist: In Wohratal bliebe in jedem Falle eine Verwaltungs-Außenstelle, ein Bürgerbüro.

von Michael Rinde

Stichwort: Verwaltungsgemeinschaft Allendorf/Bromskirchen
Allendorf (Eder) und Bromskirchen mit zusammen rund 7500 Einwohnern arbeiteten bereits vor der Verwaltungsgemeinschaftsgründung intensiv zusammen. Der Gründung mit einer Verbandsversammlung und einem Verbandsvorstand zum 1. Januar 2015 gingen intensive Debatten und Gespräche voraus. Unter dem Strich wurden durch die Zusammenführung der Verwaltungen 2,7 Stellen eingespart – freiwerdende Stellen wurden nicht wiederbesetzt, zugleich ergaben sich Einsparungen bei Sachkosten von knapp 237000 in zwei Jahren (zum Beispiel durch gemeinsame EDV, gemeinsame Wartungsverträge). Seit 2016 existiert ein gemeinsamer Bauhof mit zwei Standorten, ein Thema, das in Wohratal und Rauschenberg ebenfalls in einem weiteren Schritt anstehen könnte. Auf verschiedenen Etappen gab es Zuschüsse vom Land: 200000 Euro für die Verwaltungsgemeinschaft, weitere 50000 Euro für die Bauhofszusammenlegung und 200000 Euro für die Umwandlung der Bürgermeisterstelle in Bromskirchen in eine ehrenamtliche Stelle.
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