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Erfurtshäuser packen selbst mit an

Kirchensanierung Erfurtshäuser packen selbst mit an

Mit enormen Einsatz haben Gemeindemitglieder aus Erfurtshausen an der Renovierung ihrer Kirche mitgearbeitet. Die Helfer kamen auf 1600 Arbeitsstunden.

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Erfurtshausen. Drei Jahre lang verbrachten sie ihre Wochenenden mit Arbeit - das große Ziel dabei immer vor Augen. Was manchem vielleicht unerreichbar schien, schufen sie mit ihren eigenen Händen. Das, was nicht zu finanzieren war, erreichten sie mit eigenem Einsatz.

400000 Euro sollte die Renovierung der Pfarrkirche St. Michael in Erfurtshausen kosten, das hatte ein Kostenvoranschlag 2013 ergeben. 100000 Euro übernahm das Denkmalamt, 150000 Euro das Bistum Fulda. Doch auch die restlichen 150000 Euro waren für die kleine Gemeinde eigentlich zu viel.

„Es war klar: So viel Geld haben wir nicht. Wenn, dann können wir das nur mit Eigenleistung abarbeiten“, erinnert sich Norbert Baumgarten, Vorsitzender des Verwaltungsrates der katholischen Gemeinde. Die historischen Fenster, Heizungsanlage, Gewölbedecke, Glockenturm - all das sollte saniert werden. Zudem wünschte sich die Gemeinde einen barrierefreien Zugang zu der Kirche.

Rentner arbeiteten sogar vormittags auf der Baustelle

Der Roßdorfer Architekt Willi Krähling erarbeitete einen Plan mit drei Bauabschnitten, der den Erfurtshäusern von Krähling sowie dem damaligen Pfarrer Günter Wondrak auf einer Informationsveranstaltung im Bürgerhaus vorgestellt wurde. Viele Bürger meldeten sich dort freiwillig, bei den Arbeiten zu helfen - „und alle haben sich dann später auch tatsächlich daran gehalten“, berichtet Baumgarten.

Mit meist zwischen 30 und 40 Helfern wurde an den Wochenenden freitagabends und samstags gewerkelt, einige Rentner halfen auch vormittags an den Wochentagen. In Eigenregie hoben die Erfurtshäuser beispielsweise Schächte aus, in denen sie die neue Heizanlage der Kirche installierten.

Sie sicherten den Glockenturm im Inneren gegen herabfallende Steine, bauten Laufstege hin zu den Glocken und überprüften die dortige Holzfachwerk-Konstruktion auf ihre Standfestigkeit. Auch einige Arbeiten an der Gewölbedecke der Kirche führten die Helfer selbst durch.

An einer seitlichen Wand nahmen die Erfurtshäuser einen Durchbruch vor und bauten selbstständig einen barrierefreien Eingang mit Zufahrtsrampe an. Vor dem neuen Eingang ­wurde von der Frauengemeinschaft ein Kräutergarten angelegt.

„Wollten Gemeinde keinen Schuldenberg hinterlassen“

Die einzelnen Bauabschnitte - die jeweils in etwa ein Jahr ausmachten - wurden so eingeteilt, dass sie auch für sich hätten stehen können. „Man sieht ja zum Beispiel am Berliner Flughafen oder an der Elbphilharmonie in Hamburg, dass solche Projekte auch plötzlich teurer werden können.

Wir wollten aber nicht riskieren, dass wir der Gemeinde einen Schuldenberg hinterlassen“, erklärt Baumgarten. Dank Krähling und Rendant Klaus Schraub, der einen zusätzlichen Haushaltsplan aufstellte, sei es aber gelungen, im Kostenrahmen zu bleiben.

Um den Gemeindeanteil an den Baukosten aufzubringen wurde außer den Arbeitsstunden ein Kredit über 45000 Euro aufgenommen, hinzu kamen 20000 Euro Rücklagen und bisher 42000 Euro an Spenden. Viele Bürger spendeten, wie auf der Informationsveranstaltung beschlossen, 500 Euro pro Haushalt.

Gottesdienste finden in der Gastwirtschaft statt

Auch die örtliche Vereinsgemeinschaft und weggezogene Erfurtshäuser beteiligten sich. Vor einer Woche gab es ein Pfarrfest, dessen Erlöse ebenfalls für die Baumaßnahmen verwendet werden. Spenden sind zudem weiterhin willkommen. Die Gottesdienste wurden während der Renovierung in der Gastwirtschaft Schick abgehalten - zu einer besonderen Messe ging es jedoch stets in die Kirche.

„Wir haben es bei jedem Bauabschnitt geschafft, immer so fertig zu werden, dass wir Weihnachten hier feiern konnten“, berichtet Norbert Fritsch, ebenfalls aus dem Verwaltungsrat. Einmal seien die letzten Elektro-Arbeiten noch zwei Stunden vorher erledigt worden. „Es ist ein erhebendes Gefühl, jetzt die Kirche zu betreten und das Ergebnis zu sehen“, sagt Fritsch.

Baumgarten würdigte unter anderem Krähling, Schraub, Heinrich Linne, Gerhard Linne, Andreas Schick und Pfarrer Wilhelm Gerlach stellvertretend für alle Helfer. Geschafft habe man es aber nur aufgrund des großen Zusammenhalts in der Dorfgemeinschaft - „wir waren keine Einzelkämpfer“, so Baumgarten.

von Peter Gassner

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