Volltextsuche über das Angebot:

4 ° / 1 ° Sprühregen

Navigation:
Erfreulich und bedrückend zugleich

Die Kindertafel erfüllt Wünsche Erfreulich und bedrückend zugleich

Für die rund 100 Kinder, die sich jeden Freitag eine Kiste mit gesunden Nahrungsmitteln bei der Stadtallendorfer Kindertafel abholen dürfen, war der gestrige Ausgabetag ein ganz besonderer.

Voriger Artikel
Stiftsschüler unterhalten mit ihrer Musik 200 Gäste
Nächster Artikel
In 75 Minuten bis nach Frankfurt

Waltraud Dorn (oberes Foto, rechts) und ihr Team hatten die Ausgabestelle der Kindertafel standesgemäß weihnachtlich gestaltet. Cornelia (kleines Bild, von links) und Luisa Reinhardt überbrachten die Geschenke gemeinsam mit Birgit Amrhein.Fotos: Florian Lerchbacher

Stadtallendorf. Liebevoll haben Waltraud Dorn und ihre Mitstreiterinnen die Räume der Stadtallendorfer Kindertafel - eine Ausgabestelle der Marburger Tafel - weihnachtlich dekoriert. Rund 100 Kisten voller Lebensmittel warten auf bedürftige Kinder. Zwei Schoko-Weihnachtsmänner lassen bereits erahnen, dass die letzte Ausgabe vor den Feiertagen eine ganz besondere wird. Die eigentliche Überraschung wartet jedoch hinter einer kleinen Trennwand: Dort stehen fast 100 Geschenke, mit denen Wünsche in Erfüllung gehen sollen.

Wünsche, die die Kinder vor einigen Wochen niedergeschrieben hatten. „Farben Reinhardt“ hängte die kleinen Zettel daraufhin in seinen Geschäftsräumen in Stadtallendorf aus, und hilfsbereite Kunden nahmen sich ihrer an. Den etwa 20 Zetteln, die hängenblieben, widmete sich die Familie Reinhardt höchstselbst - und musste so manches mal schlucken, zum Beispiel beim Wunsch nach Hausschuhen oder weißen Blusen: „Das sind Dinge, die für viele Menschen selbstverständlich sind - und die sich deren Kinder niemals wünschen würden“, sagt Cornelia Reinhardt. Dorn verweist darauf, dass die Verhältnisse in den Familien eben ganz andere seien: Ein Mädchen habe beispielsweise einmal einen Ausgabetag der Kindertafel nicht wahrnehmen können, weil die Sohlen ihrer Schuhe durchgelaufen waren - und sie eben nur ein Paar besitzt.

Manch ein Wunsch sei nicht erfüllbar gewesen, gib Reinhardt zu und berichtet, dann eben einen angemessenen Ersatz gesucht oder einen Gutschein besorgt zu haben.

Einige Wünsche lassen sich eben nicht erfüllen - das wissen die Helfer der Tafel nur zu gut. Sie sind von Geschäften abhängig, die ihnen Produkte, die sonst aufgrund des Verfallsdatums im Müll landen würden, zur Verfügung stellen. Traditionell fehlt es bei der Zusammenstellung der Lebensmittelkisten an Milchprodukten. Die Stadtallendorfer lösen das Problem, indem sie diese Nahrungsmittel dazukaufen - dafür dürfen sie allerdings nur Spenden nutzen, die ihnen speziell für diesen Zweck übergeben wurden.

Der Mangel an Milchprodukten werde immer größer, sagt Dorn. Dies hänge mit den Fortschritten bei der Technik zusammen, die den Geschäften einen immer genaueren Überblick über den Bestand an Waren gibt. Bleibt zu viel von einem Produkt übrig, reduzierten die Inhaber die Bestellmenge - entsprechend fällt im Laufe der Zeit immer weniger für die Kindertafel ab.

Ansonsten gebe es keinen Grund zur Klage, fasst die Leiterin der inzwischen seit sieben Jahren bestehenden Kindertafel zusammen. Die Spendenbereitschaft sei groß und sorge dafür, dass die kostenintensivste Ausgabestelle der Marburger Tafel weiter existieren und für die Kinder dasein könne. „Ich bin sehr dankbar“, betont Dorn und freut sich, dass die Einrichtung auch für die Kinder sei, als ein Ort, an dem sie Essen holen können: Eine Hausaufgabenbetreuung, ein kürzlich gespendeter Computer, verschiedene Spiele, ein Tischkicker und natürlich die Herzlichkeit der Helfer tragen dazu bei, dass sich die Jungen und Mädchen bei der Tafel wohlfühlen. Sie nähmen das Angebot gerne an, seien auch öfters länger da und würden mit den Ehrenämtlern auch ihre Freuden teilen - oder mit ihnen über Sorgen sprechen: „Wir werden involviert und sind Teil ihres Lebens“, erklärt Dorn voller Freude.

von Florian Lerchbacher

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Ostkreis
Von Redakteur Florian Lerchbacher

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr