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Er ist immer seinen Weg gegangen

Mitmensch: Horst Vaupel Er ist immer seinen Weg gegangen

Im Jahr 1928 geboren. Die Kindheit und Jugend in Karlsruhe verbracht. Mit 16 Jahren wird er eingezogen. Nach dem Krieg landet er mit seiner Familie (der Vater war Jurist) bei der Großmutter in Kirchhain, weil sie in Karlsruhe ausgebombt worden sind.

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Zwei Fotografen, zwei Motive

Er hat als Fotograf gearbeitet. War Antiquar und Buchhändler. Und er ist Maler. Bis heute. Mit 87 Jahren steht Horst Vaupel noch immer jeden Tag in seinem Atelier.

Quelle: Nadja Schwarzwäller

Kirchhain. Zunächst will Horst Vaupel Architekt werden. Dann entscheidet er sich aber für die Buchhändlerschule in Köln. Über Stuttgart und Kassel kommt er nach Hamburg und wird Fotograf. Seit 1961 lebt Horst Vaupel in Marburg und ist als Maler und Grafiker tätig. Der Buchhandel war sein zweites Standbein. „Ich bin immer meinen eigenen Weg gegangen“, sagt der heute 87-Jährige über sich selbst.

Auf seinem künstlerischen Weg sind über die Jahrzehnte mehr als 2000 Tuschzeichnungen und 600 Gemälde entstanden, schätzt Vaupel. Schon in seiner Jugend begann er zu malen. Obwohl in seiner Familie vor ihm niemand ein Künstler gewesen sei.

Dann aber holt er Fotografien hervor, die seine Mutter gemacht hat. Also gab es doch schon jemanden mit einem Auge für Bilder. Für Horst Vaupel wurde zunächst die Fotografie zum Beruf. In seinem Haus in der Marbach lagern noch viele großformatige Abzüge. Aufnahmen von Reisen nach Ibiza aus den 1970er Jahren, in einem verblüffend guten Zustand.

Abstraktion in Fotografie und der Malerei

Oft sind es Motive, Details, an denen andere achtlos vorbeigehen, erklärt Vaupel. Die Fotografien sind nicht nachbearbeitet und wirken abstrakt. So wie es auch viele seiner gemalten Bilder sind. Egal ob Porträt oder Landschaft – bei Horst Vaupel sind Farbe und Farbigkeit der Dreh- und Angelpunkt.

Schon in einem Katalog zu einer Ausstellung 1973 in Kassel ist von seinem „expressiven Farberleben“ die Rede – in der abstrakten wie auch der gegenständlichen Malerei gleichermaßen. Vor allem Rot und Blau dominieren in seinen Bildern. Vaupel fertigt keine Vorstudien an, er malt unmittelbar. Anfangs arbeitete er mit Ölfarben, jetzt verwendet er nur noch Acryl.

In der Fotografie hat er sich mit der Digitaltechnik nicht recht anfreunden können, sagt der Künstler. Heute fotografiert seine Frau mit einer modernen kleinen Kamera. Malen – das gehört jedoch weiterhin zu seinem Leben. Jeden Tag steht er in seinem Atelier, zu dem ein Weg über einige Stufen durch den Garten führt.

Ein idyllisches Waldgrundstück in der Marbach – „inzwischen bereue ich das“, sagt er. Wie groß die Bäume einmal werden würden, hatte er vor 50 Jahren nicht geahnt. Doch er ist ein leidenschaftlicher Holzhacker. Auch den kleinen Pool im Garten nutzt er im Sommer täglich.

Tochter arbeitet für Denkmalschutz

Wenn man ihn arbeiten sieht oder von seiner Arbeit reden hört, dann ist da kein Gedanke an einen 87-Jährigen. Dass es ihn ausgerechnet nach Marburg verschlagen hat, bezeichnet er als Zufall – eigentlich sei er kein Mensch gewesen, der sesshaft wird. Nun lebt er aber schon seit 1961 in der Universitätsstadt.

Seine Tochter Bettina ist promovierte Kunsthistorikerin und arbeitet bei der Stiftung Denkmalschutz in Bonn. Enkel Max ist sechs Jahre alt, in diesem Sommer in die Schule gekommen – und hatte schon früh seine ganz eigene Meinung zu Opas Kunst. Dass auf den jüngeren Bildern die Figuren keine Gesichter haben, ist nicht Max‘ Sache. Er hat sich mit gerade mal drei Jahren einen Pinsel geschnappt und so getan, als würde er nachbessern, erzählen Horst und Annegret Vaupel lachend.

Horst Vaupel ist Mitglied im Marburger Kunstverein und war von 1972 bis 1974 Vorsitzender des Bundesverbands Bildender Künstlerinnen und Künstler. Seine künstlerische Ausbildung hat er am Institut für Grafik und Malerei der Philipps-Universität absolviert.

Die Expressionisten und Willy Brandt

Zahlreiche seiner Bilder befinden sich in privaten und öffentlichen Kunstsammlungen. Ausstellungen haben ihn auch in Marburgs Partnerstädte Poitiers und Maribor geführt. In Marburg selbst hat er im Kunstverein, im Universitätsmuseum und zuletzt 2013 in der Lorraine Ogilvie Galerie ausgestellt. Seine Privatgalerie öffnet er jederzeit gern für interessierte Besucher.

Was ihn zu Beginn seines Schaffens besonders inspiriert habe, seien die Expressionisten gewesen, die im Dritten Reich verboten gewesen sind. Picasso, Kokoschka, Nolde und vor allem Kirchner. Inspiriert wird er immer noch von den verschiedensten Dingen.

Zu Willy Brandt, von dem es viele Portraits gibt, hat er eine besondere Verbindung: „Er stand mir sehr nahe, obwohl wir uns nicht kannten“, sagt Horst Vaupel. Auch religiöse Motive beschäftigen ihn, ebenso wie die Flüchtlingsthematik. In der Galerie in seinem Haus lagern großformatige Gemälde, die Schubladen im Atelier sind voller Zeichenbögen. Er kennt jedes Bild, jede Geschichte dazu. Malen will er, solange er kann.

von Nadja Schwarzwäller

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