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Entmündigt, entrechtet und vollgeschwafelt

Klub der Beigefreiten Entmündigt, entrechtet und vollgeschwafelt

Der jetzt 50 Jahre alte "Klub der Beigefreiten" ist eine einmalige Einrichtung weit und breit - und das nicht nur, weil es der einzige Club ist, der sich mit "K" schreibt.

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Ehrenmitglied Arnulf Hummel (linkes Bild) hielt eine witzige Rede. Vorsitzender Jens Feldmann (von links) ehrte die Gründungsmitglieder Hans Postert, Heinz Schmölzer, Helmut Reiche, Werner Sack, Erhard Kosche, Eberhard Stock und Alois Schmitt. Es fehlen Elmar Ebel und Siegfried Stock.Fotos: Klaus Böttcher

Momberg. Der „Klub der Beigefreiten“ hat 62 Mitglieder aus drei Generationen und ist trotz ihres sehr unterschiedlichen Alters aktiv wie eh und je. Höhepunkte im Jahreskalender sind die Kirmes und die Teichfeste.

Mitglied wird jeder, der in das Haus seiner Gattin einheiratet (diese Zeitung berichtete). Die Beigefreiten nehmen sich gerne selbst auf die Schippe. Ein gutes Beispiel gab Ortsvorsteher Jörg Grasse, selbst seit 34 Jahren Beigefreiter ist: „Wir sind entrechtet und entmündigt, von den heimischen Schweinen bekommen wir nur die schwarze Wurst zu essen.“ Doch dann betonte er: „Wir haben uns im Laufe der Jahrzehnte Rechte erkämpft, wir dürfen Rasen mähen, die Straße fegen und das Auto der Herrin waschen.“

Unter den Rednern schoss der ehemalige Momberger Pfarrer und Ehrenmitglied des Klubs Arnulf Hummel den Vogel ab. Seine Ansprache in Reimform glich einer Büttenrede, in der er auf die Gründung und das armselige Leben der Beigefreiten einging und damit für Riesenbeifall und beste Stimmung beim Kommerspublikum im Momberger Dorfgemeinschaftshaus sorgte.

„Hallo Pantoffelhelden“, begrüßte indes Vorsitzender Jens Feldmann seine „Leidensgenossen“. In seiner Rede, die er selbst als Geschwafel bezeichnete, berichtete er witzig von der Gründung des Klubs und der Motivation der Mitglieder. Er hatte sich von den älteren Beigefreiten einiges erzählen lassen und gab so manche Anekdote aus der Geschichte des Klubs zum Besten.

So ist es seit vielen Jahren Tradition, zu besonderen Anlässen Ehrenmitglieder zu ernennen. So zählen zu diesem Kreis beispielsweise die Pfarrer Wilhelm Gerlach und Arnulf Hummel oder die Ex-Landräte Siegfried Sorge, Kurt Kliem und Dr. Christean Wagner. Nun kam Neustadts Bürgermeister Thomas Groll dazu. „Er steht unter der strengen Hand von gleich drei Frauen: seiner Mutter, seiner Ehefrau Tanja und nicht zuletzt und maßgebend unter der Herrschaft seiner Tochter Leonie“, erklärte Feldmann und betonte: „Auch sein Taschengeld für eine ganze Gemeinde wird ihm vorgeschrieben. Da er weiterhin als Biber sowieso ein recht spärliches Dasein fristet, hat der Vorstand ihn als geeignet angesehen.“ Nachdem Groll die Fahne, auf der die Frau mit dem Nudelholz zu sehen ist, geküsst hatte sangen alle Beigefreiten stehend ihr Hymne: „Junge komm bald wieder.“

Gemeinsam mit Vertretern anderer Vereine sangen die Begefreiten das Momberger Lied. Abgerundet wurde die Feier zum 50-jährigen Bestehen mit einer großen Fotoausstellung im Foyer des Dorfgemeinschaftshauses und dem großen Teichfest am Sonntag.

von Klaus Böttcher

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Von Redakteur Florian Lerchbacher

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