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Engagiert, erfolgreich, eindrucksvoll

Mengsberg auf dem Weg zum Bundesentscheid Engagiert, erfolgreich, eindrucksvoll

Von einem intakten Vereinsleben wie in Mengsberg und einem nahezu perfekten Gelände wie am Engelhain können viele Ortschaften inzwischen nur noch träumen.

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Hans-Georg Schäfer (vorne, von links), Helmut Zieße, Sabine Juretzki, Michael Zein, Charlotte Zein, Sandra Happel, Elfi Printz, Klaus Schwalm und Thomas Dingel sprachen mit der OP über das Vereinsleben. Für das Bild kamen (von rechts) Lorena Winkler sowie

Mengsberg. Als der TSV Mengsberg im vergangenen Jahr in der Verbandsliga Nord kickte, waren zahlreiche Teams aus Städten wie Bad Hersfeld oder Kassel zu Gast. Die Punkte nahmen sie zwar meist mit, dafür ließen sie Komplimente zurück: „Viele waren von der Infrastruktur mit zwei Plätzen und unserem riesigen Vereinsheim total beeindruckt“, erinnert sich Vorsitzender Michael Zein mit Freude zurück – dabei ist es fast schon überflüssig zu erwähnen, dass die Vereinsmitglieder die Anlage nahezu in Eigenleistung errichteten. Das Gleiche gilt natürlich auch für die angrenzende Reitanlage mit je zwei Plätzen für Dressur- und Springreiter und selbstverständlich einer Halle, in der es an nichts mangelt. Für dieses Jahr ist unabhängig von der Teilnahme am Bundeswettbewerb eine Erweiterung geplant, die die Vereinsmitglieder selbstverständlich selbst erledigen – und zwar genau so, wie sie einst mit den TSVlern die alten, stillgelegten Wasserleitungen reaktivierten, um für die Bewässerung ihrer Plätze auf teures Frischwasser verzichten und stattdessen kostenloses Quellwasser nutzen zu können.

Kurzum: Das Sportgelände am Engelhain sucht seinesgleichen, lässt so manchen Gast vor Neid erblassen und fungiert ob der Nähe zu Schule, Kindergarten und Naturlehrpfad auch als eine Art Treffpunkt für Generationen.

Auf dem Reitplatz amüsieren sich zum Beispiel Lorena Winkler und Lena Spannknebel auf zwei Pferden, während Ehrenmitglied Hans-Georg Schäfer (73) sich als Futtermeister um die Versorgung der Tiere kümmert. Er sei inzwischen zu alt für das Reiten, erklärt er – bei Arbeitseinsätzen ist er aber immer voll dabei. Er war es beim Bau der Reithalle – und auch bei der geplanten Erweiterung des Geländes oder dem traditionellen Arbeitseinsatz an Himmelfahrt will er wieder dabei ein. Dann gilt es unter anderem, das dreitägige Pfingstturnier vorzubereiten, bei dem rund 400 Pferde etwa 1200 Starts absolvieren: „Die Reiter kommen von weit her“, freut sich Schäfer und ergänzt: „Vor allem für Dressurreiter sind Turniere in Mengsberg etwas Besonderes. Eine Halle wie hier gibt es nur selten.“

Noch dazu setzt der RuF Mengsberg auf Kontinuität: Seit 30 Jahren fungiert Erwin Gabriel als Vorsitzender.

Den TSV Mengsberg gibt es seit dem Jahr 1926 und bietet den Bürgern die Möglichkeit, sich in den Abteilungen Fußball, Lauftreff, Alte Herren, Schiedsrichter Turnen und Tanzen (bei einigen Kindergruppen kooperiert der Verein mit Schule und Landessportbund) zu engagieren. Alleine in den Jugendfußballteams spielen mehr als 50 Kinder, die teilweise auch aus den Nachbarorten kommen und die gute Jugendarbeit des TSV nutzen. Insgesamt hat der Verein rund 360 Mitglieder. An seiner Spitze steht seit vier Jahren Michael Zein, der zwar mit 37 Jahren noch relativ jung ist, damit aber keine Probleme hat: „Ich übernehme gerne Verantwortung und entwickele Themen weiter. Ich lebe ungern von den Taten anderer und will dazu beitragen, den Verein und das Dorf weiterzuentwickeln.“ Allerdings vergisst der Mitarbeiter einer amerikanischen Software-Firma dabei nicht, dass er als Einzelkämpfer verloren wäre. „Mein Vorstandsteam unterstützt mich sehr gut und bringt viel Fachwissen ein“, betont Zein, der mit Frank Bertram als DJ-Duo „Die Zwei“ auch noch für die „Ortsbeschallung“ zuständig ist – zum Beispiel bei TSV-Veranstaltungen wie dem Kartoffelfest oder dem Maifeuer.

Engagierte Mitglieder gibt es beim TSV laut Zein mehr als genug. Und sollte doch mal jemand fehlen, springen die anderen Vereine ein. „Die Vereine kooperieren und unterstützen einander. Das ist ein großer Vorteil“, wirft Klaus Schwalm (58) ein, der zum einen Sprecher der Wettbewerbs-Arbeitsgruppe „Bürgerschaftliche Aktivitäten und Selbsthilfeleistungen“ ist, zum anderen zum Beispiel seit 1980 ununterbrochen Feuerwehrvorsitzender ist. Die Wehr hat rund 150 Mitglieder und 40 Aktive sowie einen „sehr engagierten Förderverein“, wie Schwalm betont: Dieser habe zum Beispiel dafür gesorgt, dass die Mengsberger wieder mit neun Personen selbständig an Einsatzorten tätig sein könne. „Das Tragkraftspritzenfahrzeug hat nur sechs Sitzplätze – also kaufte der Förderverein uns ein zusätzliches Auto“, freut sich Schwalm.

Rund fünf bis zehn Einsätze hat die Wehr jährlich – allerdings nur zwei oder drei vor Ort. Ansonsten rücken die Kameraden auch zu Einsätzen im Neustädter Großgemeindegebiet aus und stehen auch im Einsatzplan der Gemeinde Gilserberg. „Wir sollen wohl auch noch für Schwalmstadt in Florshain und Wiera unterstützend tätig werden“, sagt Schwalm, der auch noch ein gutes Beispiel für das Vereinsleben insgesamt ist: „Kaum ein Mengsberger gehört nur einem Verein an“, erklärt Elfi Printz (50) von den „Heißen Häschen“, und erinnert daran, dass der 58-Jährige auch noch im Vorstand des Männergesangvereins ist und erklärt so, wie 25 Vereine und Vereinigungen in dem rund 900 Einwohner zählenden Dorf mehr als 1200 Mitglieder haben können.

Ihre „Häschen“ sind derweil ein Verein, dem 27 Mengsbergerinnen und eine Lischeiderin (die aber geborene Mengsbergerin ist) angehören. „Ziel ist die gute Laune“, berichtet Sandra Happel und lädt gleich einmal für jeden ersten Mittwoch des Monats in die Hegeholzklause ein. Der Name rührt von einem alkoholischen Getränk her: „Wir suchten einen Namen für unsere Mannschaft bei einem Fußballturnier“, erinnert sich Gründungsmitglied Sabine Juretzki (45) und ergänzt zur Vereinsgründung: „Außerdem spielten die Männer in der Gastwirtschaft immer Karten – da mussten wir doch eine Protestveranstaltung ins Leben rufen.“

Wer nun allerdings an eine reine Partygruppe denkt, liegt falsch: Die Häschen sorgten für zahlreiche Verzierungen wie das Mengsberg-Wappen an der Grillhütte oder das Hallenbad-Logo und organisieren den Kinder-Karneval, zudem putzen sie einmal im Jahr das Dorfmuseum. Des Weiteren übernahmen sie die Patenschaft für den Feuerlöschteich: „Dort treffen wir uns gerne und schmücken die Umgebung, zum Beispiel an Ostern oder Weihnachten.“ Warum sich die Frauen gerade als Paten für dieses Projekt fanden, ist für Sandra Happel leicht erklärt: „Der liegt mitten im Ort. Da bekommt man alles mit.“

Es muss also Leben in der Bude sein – und Feiern gehört einfach dazu: „Die Häschen sind ganz verlässliche Gäste auf den Festen der anderen Vereine“, freut sich Schwalm. Das hat auch Thomas Dingel beobachtet, der mit einer zehnköpfigen Gruppe von Wintersportlern nun bereits zum dritten Mal eine Aprés-Ski-Party veranstaltet hat. Der Erlös von 1500 Euro floss jeweils in die Dorfverschönerung. „Die Resonanz auf unsere Feste wird immer besser“, lobt er und ergänzt, die Stimmung im Dorf werde mit jedem Erfolg bei den Zukunfts-Wettbewerben besser: „Der Zusammenhalt kommt immer mehr zum Ausdruck. Die Menschen fühlen sich mit ihrer Heimat verbunden.“

von Florian Lerchbacher

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Von Redakteur Florian Lerchbacher

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