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Engagement für Flüchtlinge ist groß

Unterkünfte Engagement für Flüchtlinge ist groß

Das Engagement der Stadt spielt Bürgermeister Michael Richter-Plettenberg als "nichts Besonderes" herunter. Beim Einsatz, den einige Bürger für Flüchtlinge zeigen, sieht das ganz anders aus.

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Daumen hoch für das Engagement der Amöneburger für die Flüchtlinge.

Quelle: Florian Lerchbacher

Amöneburg. „Es ist großartig“, freut sich Michael Richter-Plettenberg insbesondere über den Einsatz einiger Frauen, die derzeit zwei von der Stadt angemietete Häuser für Flüchtlingsfamilien vorbereiten. Die Ehrenamtlerinnen sorgen dafür, dass die Unterkünfte wohnlich werden, geben aus hauswirtschaftlicher Sicht Tipps rund um Bedürfnisse, kümmern sich um die Einrichtung und weisen manchmal sogar Mitarbeiter des Bauhofs an, wo was hinzukommen habe. „Die Bürger haben unheimlich viel gespendet“, betont Burkhard Wachtel, der Leiter des Amtes für Ordnung, Soziales und Nachbarschaftshilfe, der gemeinsam mit Christina Diehl im Rathaus für die Flüchtlingsthematik zuständig ist. Die Stadt habe in Mardorf sogar ein Lager einrichten können, in dem sie die Spendengüter aufbewahrt - und natürlich beteiligten sich die engagierten Freiwilligen am Einsortieren.

Rund 50 Bürger waren zum runden Tisch gekommen, den die Stadt im September organisiert hatte. Die Stimmung sei sehr positiv gewesen, und viele Teilnehmer hätten betont, dass sie sich einbringen wollen, berichtet der Bürgermeister. Es sei eine Art Netzwerk entstanden, um sich zunächst um die Vorbereitungen zu kümmern. Inzwischen leben die ersten 17 Flüchtlinge aus Tschetschenien, Albanien und Syrien in der Kommune - allerdings in einer Unterkunft, die ein Privatmann zur Verfügung gestellt hat. Die Häuser in Roßdorf und Rüdigheim, welche die Stadt angemietet hat, seien auch bald so weit, betont Richter-Plettenberg und ergänzt: eins sei bezugsfertig, das andere werde - wie geplant - Anfang November fertig sein. Dann steht noch einmal Wohnraum für insgesamt 20 Flüchtlinge zur Verfügung. Des Weiteren hat die Stadt inzwischen eine Genehmigung vorliegen, dass sie ihre Wohnung über der Sternstube in Roßdorf als Unterkunft für Flüchtlinge nutzen kann. Eine weitere Unterkunft ist in Planung.

Bürokratie steht in der Kritik

In diesem Zusammenhang erklärt der Bürgermeister, dass dies keine Luxuswohnungen beziehungsweise -häuser seien: „Wir wollen aber, dass die Menschen normal leben können und sich bei uns zuhause fühlen können. Das bedeutet auch, dass sie die Unterstützung kriegen, die sie in Anspruch nehmen wollen.“ Zum Beispiel gebe es eine Lehrerfamilie, die Sprachförderung anbieten möchte. Denn Sprache sei eminent wichtig, um sich in die Gesellschaft zu integrieren, sagt Richter-Plettenberg und freut sich, dass die Flüchtlingskinder wenige Tage nach ihrer Ankunft bereits in Kindergarten und Grundschule gingen. Probleme gebe es allerdings beim Besuch der weiterführenden Schule. Diese Einrichtung habe eine weitere ärztliche Untersuchung gefordert - erst danach stehe der Aufnahme nichts im Weg: „Was soll das? Die Jugendlichen wurden bereits nach ihrer Ankunft im Erstaufnahmelager in Gießen untersucht. Das ist unnötige Bürokratie und Zeitverschwendung.“

Ansonsten freut er sich, dass durch die Neuankömmlinge etwas Leben auf den Marktplatz komme. Insgesamt würden die Bürger die Flüchtlinge gut und offen empfangen: „Klar gibt es auch Widerstände und manch einer fällt mit markigen Sprüchen auf - aber darauf werden wir ein Auge haben.“

In Richtung Regierungspräsidium Darmstadt wünscht er sich, dass die Mitarbeiter bei der Verteilung der Flüchtlinge offen seien für Anregungen aus den Gemeinden. „Wenn es hier so eine Willkommenskultur gibt, wäre ein bisschen Gegenseitigkeit gut.“ Es sei wichtig, darauf zu achten, dass die Flüchtlinge, die künftig zusammenwohnten, auch zusammenpassten.

In Richtung seiner Mitbürger sagt Richter-Plettenberg „Danke“ für die Spendenbereitschaft. Noch immer würden Decken benötigt, die sauber und in gutem Zustand sein sollten. Ansonsten betont er, dass die Stadt nicht alle Spenden annehmen könne: Manche Dinge würden schlicht nicht benötigt - zum Beispiel Kleidung, da nicht bekannt sei, welche Größen die künftigen Mitmenschen benötigten: „Es kann also sein, dass gutgemeinte Dinge wenig hilfreich sind.“ Entsprechend sei es sinnvoll, vor Spenden Kontakt zu Wachtel aufzunehmen.

Zum finanziellen Aspekt und mit Blick auf den Haushalt 2015 sagt er: „Unser Engagement fällt uns wirtschaftlich aller Voraussicht nach nicht zum Nachteil aus.“

Burkhard Wachtel ist erreichbar unter Telefon 06422/929518.

von Florian Lerchbacher

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