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Emsdorfer dürfen Linde jetzt retten

Schlechter Zustand Emsdorfer dürfen Linde jetzt retten

Die Emsdorfer Tanzlinde bietet ein Bild des Jammers. Die Hälfte des morschen äußeren Stützrings ist zusammengebrochen. Mit ihm ist die halbe Baumkrone verschwunden.

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Der halbe äußere Stützring ist weg, die halbe Baumkrone auch. So zeigte sich die Emsdorfer Tanzlinde gestern. Im Juni 2012 waren Baumkrone und Stützgerüst noch nahezu vollständig.

Quelle: Matthias Mayer

Emsdorf. Die der Dorfmitte zugewandte Seite des Natur- und Kulturdenkmals zeigt nur noch den kahlen Baumstamm. Das war 2012 noch ganz anders. Die Linde zeigte sich mit geschlossener Baumkrone; der äußere Stützring stand noch und trug die Last des weit abstehenden Astwerks. Gleichwohl ging es dem Baumriesen damals schon schlecht, was den Emsdorfer Stadtverordneten Hartmut Pfeiffer (CDU) zu einem Notruf im Kirchhainer Bauausschuss veranlasste.

„Ich bin es leid. Ich bin kurz vor einer Dienstaufsichtsbeschwerde“, klagte er vor drei Jahren. Ein Ast nach dem anderen sterbe ab, das Gerüst drohe einzustürzen. Alle Anfragen und Eingaben bei der für den Erhalt des Baumes zuständigen Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises würden ignoriert. Er habe sogar schon ein Angebot zur Erneuerung des Holzgerüsts eingereicht — ohne Ergebnis, sagte der Inhaber eines Emsdorfer Holzbau-Unternehmens damals.

Dorflinde wird durch einen Baum-Fachmann untersucht

Wegen der Einsturzgefahr des Stützgerüstes sah sich die Stadt Kirchhain damals veranlasst, die Linde komplett mit einem Bauzaun abzusperren. Der stählerne Käfig steht noch immer wie eine Eins - die Linde dagegen nicht. Und dies, obwohl der Landkreis damals durch seine Pressestelle hatte mitteilen lassen, dass die Behörde um den schlechten Zustand der Linde wisse und diese erhalten wolle. Wie alle Naturdenkmäler werde die Dorflinde zeitnah durch einen Baum-Fachmann untersucht. Dann werde über notwendige Schritte entschieden.

Über das Ergebnis dieser „notwendigen Schritte“ reportierte Hartmut Pfeiffer am Dienstagabend vor dem Kirchhainer Ausschuss für Umwelt und Soziales. „Zum Missfallen der Emsdorfer Bürger ist nichts passiert, der Zustand der Linde hat sich deutlich verschlechtert“, stellte der Emsdorfer fest. Seit 2009 habe sich an der Linde nichts getan. Der Baum habe wild wachsen können, was die Bildung neuer Faulstellen begünstigt habe. Mit einer geleiteten Linde hätten man so nicht umgehen dürfen, sagte Pfeiffer. Geleitete Tanzlinden wurden durch Eingriffe so geformt, dass die über Treppen erreichbare Podeste trugen, auf denen in der Baumkrone getanzt wurde. Eine Variante der geleiteten Tanzlinde wurde so geformt, dass am Boden um sie herum getanzt werden konnte. Die Linde sei nicht nur ein Baum, sondern auch ein Kulturgut, dem keine sachgemäße Achtung gewährt worden sei, betonte Hartmut Pfeiffer und ergänzte erbost: „Man hat uns unterstellt, dass wir die Linde weg haben wollen. Das ist eine völlige Verkehrung der Tatsachen.“

Landkreis finanziertneues Stützgerüst

Bürgermeister Jochen Kirchner erklärte, dass er die Verärgerung der Emsdorfer verstehe. „Ohne Eure Initiative hätte sich nichts getan“, sagte er an die Adresse von Hartmut Pfeiffer und Emsdorfs Ortsvorsteher Winfried Fritsch. Hinter der Initiative steckt die lange geäußerte Bitte des Ortsbeirats, gemeinsam mit dem Verschönerungsverein Emsdorf in Eigenleistung die Pflege der Tanzlinde übernehmen zu dürfen.

Dieser Bitte wird nun offenbar durch den Landkreis entsprochen, wie Meike Bonsa für die Stadtverwaltung mitteilte. Der Kreis sei im Grundsatz bereit, einen Fixbetrag für den Neubau eines Stützgerüstes zur Verfügung zu stellen und dem Ortsbeirat sowie Verschönerungsverein die ehrenamtliche Pflege der Tanzlinde unter der fachlichen Aufsicht durch die Stadt Kirchhain zu übertragen, sagte die in der Stadtverwaltung für Fragen des Umwelt- und Naturschutzes zuständige Mitarbeiterin. Der Vertrag zwischen Landkreis, Ortsbeirat Emsdorf und der Stadt Kirchhain solle demnächst unterschrieben werden.

Ob dieser Rettungsversuch für die Linde noch rechtzeitig kommt? Ortsvorsteher Winfried Fritsch baut vor: „Wir wollen zusätzlich eine neue Linde pflanzen, nachdem wir zehn Jahre lang untätig dem Sterben des alten Baumes zugucken mussten“, sagte er vor dem Ausschuss.

von Matthias Mayer

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Von Redakteur Florian Lerchbacher

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