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Emmerich hat den Rathausschlüssel

Amtswechsel in Rauschenberg Emmerich hat den Rathausschlüssel

Großer Abend für Rauschenberg: Im Rahmen einer festlichen Stadtverordnetensitzung wurde am Montagabend der Wechsel im Amt des Bürgermeisters vollzogen.

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Volles Haus: Rund 300 Gäste verfolgten die außerordentliche Stadtverordnetensitzung in der Brachter Mehrzweckhalle.

Bracht. Etwa 300 Gäste waren zu der außerordentlichen Sitzung in die Mehrzweckhalle Bracht gekommen, um Bürgermeister Manfred Barth (parteilos) nach 18 Dienstjahren zu verabschieden und dessen Amtsnachfolger Michael Emmerich (CDU) willkommen zu heißen. Dabei wurde aus vielen Wortbeiträgen deutlich, welch große Wertschätzung sowohl Manfred Barth als auch Michael Emmerich genießen.

Mit einer seiner letzten Amtshandlungen überreichte der erst zum 31. März aus dem Amt scheidende Bürgermeister seinem Nachfolger Ernennungsurkunde und Rathausschlüssel. Vor Stadtverordnetenvorsteher Norbert Ruhl leistete Michael Emmerich seinen Amtseid ab.

Als Hauptamtsleiter der Gemeinde Münchhausen kenne er die Abläufe in einer Kommunalverwaltung ebenso gut wie als langjähriger Fraktionsvorsitzender der CDU die Arbeit des Parlaments, sagte Norbert Ruhl. „Wir wir Sie kennen, werden Sie Ihre Aufgaben gut lösen“, gab Ruhl Michael Emmerich mit auf den Weg.

Neuer Bürgermeister setzt auf die Bürger

Der frühere Ortsvorsteher von Josbach und amtierende Vorstandsvorsitzende der Bioenergiedorf-Genossenschaft Josbach nutzte seine Antrittsrede zu einer Art Regierungserklärung. Er begreife sein Mandat als Herausforderung, für seine Heimatstadt Rauschenberg in schwierigen Zeiten etwas Positives zu bewirken. Dies schaffe er nicht allein, sondern nur in vertrauensvoller Zusammenarbeit mit dem Parlament, mit der Stadtverwaltung und mit den Bürgern. Bürgerschaftliches Engagement habe in Rauschenberg immer wieder Großes bewegt, sagte er unter Hinweis auf den Bau bzw. die Sanierung von Gemeinschaftshäusern und weiteren Großprojekten wie die Dorferneuerung in Ernsthausen und Josbach sowie das Werden der Bioenergiedörfer in Schwabendorf und Josbach.

„Rauschenberg ist reich an bürgerschaftlichen Engagement; das gilt es zu erhalten, sagte Emmerich, und warb für die anstehenden Vorhaben: Erhalt der Grundschule Bracht, Ausweisung städtischer Bauplätze, Reduzierung der Leerstandsproblematik, Sicherung der Wasserversorgung, Förderung der Feuerwehren, Ausbau der Erneuerbaren Energien mit zeitnaher Umsetzung des zweiten Rauschenberger Windparks.

Norbert Ruhl bescheinigte Manfred Barth, nie den bequemen Weg des geringsten Widerstandes gegangen zu sein. Der Stadtverordnetenvorsteher würdigte zugleich die Fairness des scheidenden Bürgermeisters und dessen kollegiales Verhalten gegenüber Magistrat und Parlament.

Manfred Barth verabschiedete sich von seinen Rauschenbergern mit einer großen Rede, die seine große Nähe zu den Bürgern der Stadt, zu den Vereinen, den Kirchen, den übrigen Institutionen sowie zu seinen Mitarbeitern in der Stadtverwaltung zum Ausdruck brachte.

Der Bürgermeister berichtete von seinem ersten Arbeitstag am 2. April 1995, als er um 6.30 Uhr zunächst vergeblich versuchte, die Tür zum Rathaus-Turm aufzuschließen. Der Schlüssel passte nicht in den Schließzylinder, der Jungbürgermeister witterte die erste Blamage vor seinem ersten Handschlag für die Stadt. Doch dann fand sich ein zweiter Schließzylinder - und der Schlüssel passte.

Für die Zusammenarbeit mit den politischen Gremien fand er dagegen gleich den richtigen Schlüssel. „Mehr als 90 Prozent unserer Beschlüsse im Stadtparlament wurden einstimmig gefasst“, blickte Barth auf die 18 Jahre zurück. Dabei richtete er den Fokus auf zwei zentrale Themen: Den Bau und den Erhalt von Gemeinschaftshäusern und den Ausbau der Kinderbetreuung.

Die Stadt habe in die Hardware - die soziale Infrastruktur - investiert, um der Software - den Menschen - Raum zum gemeinsamen Leben und Erleben zu geben. Wie sehr sich die Investitionen in die Gemeinschaftshäuser gelohnt haben, zeigte die Entwicklung des den Abend gestaltenden Brachter Posaunenchors, die ohne den Bau der Mehrzweckhalle mit dem Bühnentrakt nicht vorstellbar gewesen sei.

Auf der Insel der Glückseligkeit

Die Kinderbetreuung bezeichnete der Bürgermeister als Lieblingsthema der gesamten Rauschenberger Kommunalpolitik. Wie bei den Erneuerbaren Energien habe die Stadt hier mit der Qualität der Kitas in der Kernstadt und in Bracht und der Vorschule in Ernsthausen kreisweit eine Spitzenposition erreicht. Rauschenberg lebe diesbezüglich auf einer Insel der Glückseligkeit. „Das ist ein harter Standortfaktor“, sagte Barth und mahnte zugleich: „Familienfreundlichkeit ist ein Prozess und kein Zustand.“

Und dann startete Barth den Streifzug durch die Stadt, deren bürgerschaftliches Engagement den Bürgermeister nachts gut schlafen lasse. Die Arbeit der Feuerwehren bezeichnete er als gelebte Nächstenliebe. Die Kirchen gehörten zu den großen Bändern, die die Gesellschaft zusammenhielten; die Zusammenarbeit zwischen kirchlicher und politischer Gemeinde habe die Stadt voran gebracht. Die Tatkraft der Vereine und der Bürger habe das Stadtbild positiv verändert. Die Zusammenarbeit im Kollegialorgan Magistrat und im Parlament sei von guter Sacharbeit und vorbildlicher politischer Kultur geprägt.

Die Stadtverwaltung bewältige heute mit einem deutlich kleineren Team deutlich mehr Aufgaben als vor 18 Jahren. Trotzdem sei es Rauschenberg als einer der ersten Kommunen deutschlandweit gelungen, die Doppik einzuführen, stellte Barth zufrieden fest. Sein Abschiedsgruß: „Glück auf, Rauschenberg!“

von Matthias Mayer

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