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Elterninitiative lässt nicht locker

Muttersprachlicher Unterricht Elterninitiative lässt nicht locker

Seit längerer Zeit bemüht sich die „Elterninitiative herkunftssprachlicher ­Unterricht Italienisch“ um eine dauerhafte Finanzierung des Angebots. Jetzt erhält sie Unterstützung.

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Die Unterstützer des Angebots präsentierten sich gemeinsam mit Kindern, die den Unterricht besuchen.

Quelle: Karin Waldhüter

Stadtallendorf. Im Jahre 2002 beschloss die damalige Landesregierung, dass der herkunftssprachliche Unterricht (HU) nicht weiter finanziert wird, bestehende Lehrerstellen auslaufen sollen und keine Anschlussfinanzierung mehr stattfinden wird. Mit der Pensionierung der früheren Lehrkraft vor acht Jahren musste die Georg-Büchner-Schule (GBS) das Angebot ersatzlos streichen.

Dank des enormen Einsatzes einer Elterninitiative konnte der Unterricht im November vergangenen Jahres wieder aufgenommen werden. Seither wird er durch Spenden und Zuschüsse finanziert (die OP berichtete). Zusätzlich müssen die Eltern pro Kind einen Betrag von monatlich 12 Euro leisten. Organisiert wird der Unterricht über den Förderverein der Schule. Derzeit nehmen 24 Kinder, unterteilt nach Alter- und Kenntnissen, daran teil. Lehrbeauftragte ist Valentina Reggio. Die Elterninitiative bemüht sich weiterhin sehr darum, eine dauerhafte und verlässliche Finanzierung zu bekommen. Sie hatte sich mehrfach an das Kultusministerium gewandt, war aber an die für solche Fragen zuständige italienische Botschaft verwiesen worden. Um auf die nicht zufriedenstellende Situation aufmerksam zu machen, hatte die Elterninitiative politische Amtsträger aus Stadtallendorf und Kirchhain eingeladen.

Unterricht ist Bereicherung und öffnet neue Wege

Etwa zwei Drittel der Kinder, die den Italienischunterricht an der GBS besuchen, kommen aus Stadtallendorf und Umgebung, ein Drittel aus Kirchhain. Aus Kirchhain kam wegen gleichzeitig stattfindender Termine kein Amtsträger. Neben Stadtallendorfs Bürgermeister Christian Somogyi besuchte Handan Özgüven den Unterricht. Sie ist seit vergangenen Dezember Landtagsabgeordnete. „Der herkunftssprachliche Unterricht ist für mich eine Herzensangelegenheit, weil Potenziale verschwendet werden“, betonte die Stadtallendorfer Rechtsanwältin. Selbst türkischsprachig erzogen hatte sie die Möglichkeit, Türkischkenntnisse auch in der Schule zu erwerben. Deshalb sei es für sie möglich geworden, als Rechtsanwältin Fuß zu fassen und heute mit türkischen Behörden in Wort und Schrift zu kommunizieren, betonte sie. Weiter berichtete sie von einem Schreiben an das zuständige Ministerium, das bisher aber unbeantwortet geblieben sei, so Özgüven. Derzeit würden die Herkunftsländer für die Finanzierung verantwortlich gemacht. Von der SPD-Fraktion habe es mehrere Anträge gegeben, den muttersprachlichen Unterricht in die Verantwortung des Landes Hessen zu legen. Derzeit führt die Elterninitiative eine Unterschriftensammlung - und parallel dazu, eine Bedarfsermittlung durch. Demnach besteht auch Interesse seitens Schülern, die keinen italienischen Hintergrund haben, wie Dr. Salvatore Venneri von der Elterninitiative berichtete.

„Der muttersprachliche Unterricht ist eine Bereicherung für die Persönlichkeit und öffnet neue Wege“, betonte Venneri. Bisher habe es mehrere Anläufe mehrerer Elterninitiativen gegeben, die alle im Sand verlaufen seien. Seit 2008 gebe es einen stärkeren Zuzug aus Italien nach Stadtallendorf, berichtete Dr. Venneri.

Land soll Finanzierung übernehmen

Die stellvertretende Schulleiterin und Mitglied im Förderverein Barbara Voeht formulierte klare Ziele: „Ziel ist es, fest und verbindlich sagen zu können, hier findet herkunftssprachlicher Unterricht statt“, so Voeth. Ein weiteres Ziel sei die Aufnahme Valentina Reggio ins Kollegium und die Übernahme der Finanzierung durch das Land Hessen. Valentina Reggio mache eine tolle Arbeit, lobte Voeth. Sie sagte vonseiten der Schule jede Unterstützung zu. Bürgermeister Somogyi verwies darauf, dass der Schulbetrieb nicht in die Zuständigkeit der Stadt falle und eine Finanzierung aus Haushaltsmitteln nicht möglich sei.

Ungeachtet der Situation sei es wichtig und von Vorteil, wenn Kinder zweisprachig aufwüchsen, betonte er mit Blick auf die globale Arbeitswelt. Der Vorschlag Somogyis, eine Vorlage für das Stadtparlament zu erarbeiten, also eine Art Resolution, und Vertreter des Kultusministeriums einzuladen, stieß auf breite Zustimmung. Özgüven regte an, im Kirchhainer Parlament ebenfalls eine solche Resolution auf den Weg zu bringen. Für Kinder und Eltern sei es wichtig, ein verlässliches Schulangebot zu haben, betonte Schulleiter Urban Sersch, der das Land Hessen in der Pflicht sieht.

von Karin Waldhüter

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