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Eltern kämpfen für "ihre" Schulleiterin

Konflikte Eltern kämpfen für "ihre" Schulleiterin

Der Schulfrieden scheint an der Grundschule Niederwald/Anzefahr/Betziesdorf zumindest teilweise gestört. Eltern haben sich inzwischen mehrfach massiv ans Staatliche Schulamt gewandt und drängen auf Antworten.

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Die Schule in Niederwald ist einer der drei Standorte, die zu der Grundschule unter der Leitung von Lisa Wiemer gehören. Foto: Silke Pfeifer-Sternke

Niederwald. Lisa Wiemer kam am 1. Februar vergangenen Jahres als kommissarische Schulleiterin an die Grundschule mit drei Standorten, eine Schule, die sie schon aus Kinderzeiten gut kennt. Doch wie lange sie nun noch Schulleiterin bleibt, weiß im Moment keiner, sie selbst offenbar auch nicht.

Besorgte Eltern berichteten der OP glaubhaft davon, dass Lisa Wiemer vor der Ablösung stünde. Bestätigen will das von offizieller Seite niemand. Auch die Schulleiterin selbst will zu diesem Thema nichts sagen. Doch nach Recherchen der OP gibt es im Staatlichen Schulamt in Marburg zumindest mal „Gedankenspiele“ in dieser Richtung.

Mittlerweile 41 Eltern aus den Grundschul-Standorten haben einen Brief an Gerhard Müller, den Leiter des Staatlichen Schulamtes in Marburg, gerichtet. Der Brief liegt dem Schulamtsleiter seit vergangenem Montag vor. Weitere Unterschriftensammlungen laufen noch.

Bei Müller dürfte letztlich die Entscheidung darüber liegen, ob Lisa Wiemer an der Grundschule Rektorin bleibt. Momentan ist sie, das ist der übliche formale Weg, nur kommissarisch eingesetzt. Lisa Wiemer ist angestellte Lehrerin.

In ihrem Schreiben an Müller treibt die Eltern „Sorge um die Entwicklung unserer Schule und das Wohlergehen unserer Kinder“ um. Sie verweisen auf die Tatsache, dass es innerhalb vergleichsweise kurzer Zeit schon zwei Wechsel in der Schulleitung gegeben hatte - und auf ihr Mitbestimmungsrecht bei der Gestaltung des Unterrichtswesens. Die klare Forderung der Eltern: Lisa Wiemer soll Schulleiterin bleiben.

Was genau im Hintergrund dazu geführt hat, dass Lisa Wiemer möglicherweise abgelöst werden soll, lässt sich nicht ergründen. Denn auch Gerhard Müller will sich derzeit inhaltlich nicht äußern. Er betont jedoch nachdrücklich im Gespräch mit dieser Zeitung, dass seitens des Schulamtes noch keinerlei Entscheidungen gefallen sind. Er bezeichnet die gesamten Vorgänge als durchaus komplex. „Wir recherchieren an der Sache. Dann werden wir Entscheidungen treffen, die wir dann auch bei Nachfragen öffentlich begründen werden“, sagt Müller auf Anfrage dieser Zeitung. Lisa Wiemer selbst möchte sehr gerne an der Grundschule bleiben, die sie selbst als Kind besucht hatte. „Es war für mich wie ein Nachhausekommen, als ich wieder an die Schule kam. Ich habe ein Jahr lang für diese Schule gelebt“, sagt Wiemer. Mehr will sie zur aktuellen Situation nicht sagen.

Für einige Eltern ist die berufliche Zukunft von Lisa Wiemer von zusätzlicher Bedeutung: Sie hatten sich ursprünglich mit einem ganz anderen Problem an die Schulamts-Leitung in Marburg gewandt.

Die Eltern von Schülern einer zweiten Klasse beklagen sehr massive Probleme ihrer Kinder mit deren Klassenlehrerin. In ausführlichen Briefen an Elternbeirat und Schulamt schildern sie erhebliche Lerndefizite der Kinder. Bei der Rechtschreibung und in Mathematik, so haben es die Eltern registriert, seien die Kleinen auf dem Stand der ersten Klasse stehengeblieben. Außerdem haben die Kinder offenbar massive Angst vor der bisherigen Klassenlehrerin. Auch Eltern, deren Kinder in der Vergangenheit von der betreffenden Lehrerin unterrichtet wurden, erheben im Nachhinein Vorwürfe gegen die Pädagogin. „Was die Eltern der jetzigen Klasse mit der Lehrerin erleben, war in der Vergangenheit auch schon so“, erklärt zum Beispiel Monika Seip. Bei Eltern der jetzigen Klasse ist der Eindruck entstanden, dass das Schulamt auf frühere Vorwürfe nicht reagiert habe und die Lehrerin „gedeckt“ haben soll. Diesen Vorwurf will Müller allerdings nicht im Raum stehen lassen: „Wir haben nichts vertuscht. Das stimmt nicht.“

Die betroffene Lehrerin möchte sich nicht gegenüber der OP zu den Vorgängen äußern.

Mehrere Eltern, darunter zum Beispiel auch Frank und Stephanie Burkert, sind deshalb im Februar beim Schulamtsleiter gewesen. Und fühlten sich dort nicht ernstgenommen. In einem Schreiben an das Ehepaar Burkert hat Müller aber zugesagt, die Vorwürfe zu prüfen. Das Schreiben datiert vom 28. Februar. Müller hatte dort allerdings auch angekündigt, dass es krankheitsbedingt noch nicht möglich war, von allen Betroffenen Stellungnahmen einzuholen.

Was den gesamten Fall zusätzlich kompliziert macht: Derzeit unterrichtet die kommissarische Schulleiterin Lisa Wiemer die Klasse vertretungsweise, aller Voraussicht nach bis zu den Osterferien. „Seitdem geht es unserer Tochter viel besser, wenn sie zur Schule geht. Die Kinder blühen richtig auf“, sagt zum Beispiel Stephanie Burkert, eine von sechs Eltern, die das direkte Gespräch mit der OP gesucht haben. Die aktuelle Ungewissheit macht den Eltern große Angst: „Was passiert nach den Osterferien, wenn die bisherige Klassenlehrerin wiederkommen sollte und Frau Wiemer wirklich nicht mehr da ist?“, fragt Frank Burkert stellvertretend für die Eltern.

von Michael Rinde

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