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Einstieg ins Reizthema Glück

"Lesezeit" Einstieg ins Reizthema Glück

Mit der Aufbereitung "alter Legenden" aus ihrer Heimat Böhmen eröffnete die Autorin Gerti Brabetz die Lesezeit der Stadtbücherei.

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Gerti Brabetz las in Rauschenberg Geschichten aus ihrer böhmischen Heimat. Foto: Yanik Schick

Rauschenberg. Seit 1996 findet mittlerweile jährlich im November die etablierte Veranstaltung statt - immer unter einem anderen Motto. In diesem Herbst liegt dem gesamten Programm der Lesezeit das Thema „Glück“ zugrunde. Damit beschäftigte sich bereits am Sonntag die Autorin Gerti Brabetz in der Stadtbücherei am Marktplatz. „Glück ist ein Reizthema, weil man sich selten darüber Gedanken macht. Für jeden Menschen bedeutetet es etwas anderes“, schilderte die Autorin ihre Vorstellung des vielschichtigen Begriffs.

Den Gästen las Brabetz einige ihrer Werke vor, in denen Glück beziehungsweise die Definition davon jeweils eine wichtige Rolle spielte. So zum Beispiel in der Geschichte „Unter der Traufe“, die auf einer wahren Begebenheit in Brabetz‘ Heimatstadt Krumau in Südböhmen beruht.

Im Jahre 1605 hatte der Kaiser des Heiligen Römischen Reichs, Rudolf II., das Krumauer Schloss seinem unehelichen Sohn Don Julius Caesar D’Austria als dessen Residenz vermacht. Zwei Jahre später war Don Julius mit der Krumauer Baderstochter Margarette Pichler liiert. Er misshandelte sie allerdings auf brutale Art und Weise. Am Rosenmontag 1608 schließlich packte den schizophrenen Don Julius ein weiterer Wutanfall: Er ermordete Margarette und zerstückelte ihren Leichnam.

„Mich hat an dieser Geschichte der Seelenzustand der Mutter Margarettes, Lucie Pichlerová, gefesselt“, betonte Gerti Brabetz. Sie las einen von ihr verfassten Monolog der bereits verstorbenen Mutter vor. Darin bezeichnet Pichlerová Don Julius als „tyrannischen Herrscher“ und „Bastard“. Vor Kummer und Rachedurst fände ihre Seele keine Ruhe. Oft sei sie noch traurig und weine ihrer Tochter nach, „aber manches Mal hören die Leute auch mein Gelächter. Immer dann, wenn ich im Regen unter der Traufe im Paradiesgarten stehe“. Mit dieser intensiven Beschreibung der wechselnden Gefühlslagen von Pichlerová zog Gerti Brabetz die Zuhörer in ihren Bann.

Schon zum dritten Mal las die Autorin in Rauschenberg. „Es bestehen inzwischen gute Beziehungen“, freute sich die gebürtige Tschechin, ein Teil der Lesezeit sein zu dürfen. Seit 13 Jahren veröffentlicht Brabetz in einer Wochenzeitschrift Kurzgeschichten und Essays. Zudem widmet sie sich auch der großen Prosa-Form: vier Romane hat sie geschrieben.

Die Stadtbücherei hat noch bis Freitag täglich geöffnet und dabei vor allem für Kinder ein beachtliches Programm vorbereitet. „In diesem Jahr ist es wirklich ein Selbstläufer“ berichtete Regina Vorig vom Organisationsteam mit Blick auf die hohen Anmeldezahlen.

von Yanik Schick

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