Volltextsuche über das Angebot:

14 ° / 6 ° Regenschauer

Navigation:
Einst verschenkten die Mädchen Eier

Ostereiermarkt Einst verschenkten die Mädchen Eier

Am Freitagmittag öffnet der 38. Erfurtshäuser Ostereiermarkt im Mardorfer Bürgerhaus. Im Zentrum steht die 200 Jahre alte Kunst der Ostereier-Malerei.

Voriger Artikel
Sandro stören nur noch die Brüste
Nächster Artikel
Kinder dürfen über Schulnamen entscheiden

Die kunstvoll verzierten Ostereier stehen am Wochenende im Mittelpunkt des Marktes im Mar­dorfer Bürgerhaus. Foto: Brauchtumskreis

Mardorf. Von jeher fasziniert die Kunst der Eiermalerei, bei der mit spitzer Feder filigrane Muster auf die Eierschale gezaubert werden. In Erfurtshausen und Mardorf hat das Bemalen der Ostereier eine lange Tradition, die im Brauchtum verwurzelt ist. Die filigranen Kunstwerke wurden früher an Ostern von den Mädchen an die Burschen verschenkt.

Mit heißem Bienenwachs werden Symbole und Sinnsprüche aufgetragen und anschließend in Batikfarbe gefärbt. So entstehen kleine Gaben, die dem Beschenkten Glück und Segen zum Osterfest überbringen. Am Ursprungsort dieser mehr als 200 Jahre alten Kunst findet am kommenden Wochenende der 38. Erfurtshäuser Ostereiermarkt statt. Vier heimische Ostereiermalerinnen werden dort ihre besonders akkurat und sorgfältig beschriebenen Wachsbatikeier präsentieren und sich über die Schulter schauen lassen.

Wagentuch zählt zu den Höhepunkten

Aber nicht nur dem Traditions­ei hat sich der Erfurtshäuser Ostereiermarkt verschrieben. Insgesamt zeigen etwa 30 Ausstellerinnen und Aussteller die ganze Vielfalt der Verzierungstechniken. Schlesische Kratzeier, sorbische Bossiertechnik und Wendländische Ostereier erweitern die auf langer Tradition basierende Volkskunst. Was man sonst noch alles mit einem Ei machen kann, zeigen Künstler und Künstlerinnen, die Eier mit Aquarell- und Federzeichnungen versehen, bohren und fräsen, vergolden oder umklöppeln. Dabei gleicht kein Ei dem anderen, denn jedes Osterei ist in sorgfältiger Handarbeit entstanden.

Neben dem künstlerischen Schwerpunkt gehört zum Erfurtshäuser Ostereiermarkt eine Sonderausstellung, die dem heimischen Brauchtum gewidmet ist: In diesem Jahr steht „das Tuch in Tracht und Brauchtum“ im Blickpunkt (die OP berichtete ausführlich). Zu den Höhepunkten zählt das größte Tuch der Tracht, ein Wagentuch, das in seiner originalen Verwendung im Leiterwagen gezeigt wird. Besonders eindrucksvoll in Farbgebung und Verwendung sind die sogenannten „Freud- und Leidtücher“, die man ­beidseitig verwenden konnte: die bunte Seite mit roten Rosen für freudige Anlässe, die dunkle Seite mit violetten Blumen für Beerdigungen, wie der Brauchtumskreis erläutert. Das Besticken von Tüchern zeigen Mitglieder des Brauchtumskreises Loshausen in der Schwalm. Sie werden unter den Augen der Besucher die beeindruckende Kunst der Weißstickerei demonstrieren.

Wie in jedem Jahr bietet der Brauchtumskreis ein liebevoll zusammengestelltes Sortiment an Büchern, Tischwäsche und anderen Gegenständen mit österlichem Bezug an. Wer selbst kreativ werden möchte, findet eine reiche Auswahl an Natur­eiern - vom kleinen Wachtel- bis zum großen Straußenei.

Für junge Besucher wird eine Stick- und Malecke eingerichtet, in der erste Versuche der Ei-Verzierung unternommen und Kreuz- und Langstiche unter Anleitung erprobt werden können.

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr