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Einsichtig und geständig

Taxifahrer verursachte Unfall Einsichtig und geständig

Ein Augenblicksversagen führte einen 53-jährigen Kirchhainer vor die Schranken der Gerichtsbarkeit. Die Verhandlung ging für den verheirateten Vater dreier Kinder glimpflich aus.

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Kirchhain. Der Mann arbeitet nicht nur in seinem erlernten Beruf, sondern fährt auch nebenbei Taxi. Als Taxifahrer war er auch am 6. März 2015 gegen 1.10 Uhr auf der Landesstraße zwischen Kirchhain und Marburg unterwegs und zwar in Richtung Marburg. Laut Anklagesatz leitete er an der unteren Zufahrt nach Kleinseelheim ein Wendemanöver ein und geriet auf die Gegenfahrbahn. Eine aus Richtung Marburg kommende Autofahrerin musste nach links ausweichen, verlor die Kontrolle über ihr Auto, das - auf dem Dach liegend - im Straßengraben landete.

Junge Autofahrerinwurde verletzt

Bei dem Unfall zog sich die junge Fahrerin unter anderem eine Handfraktur und ein Schleudertrauma zu. Sie litt lange Zeit an einer posttraumatischen Belastungsstörung. Gegen den Unfallverursacher hatte das Amtsgericht Kirchhain auf Antrag der Staatsanwaltschaft einen Strafbefehl in Höhe von 800 Euro erlassen. Gegen diesen hatte der Angeklagte Einspruch eingelegt.

So kam es zur Hauptverhandlung vor dem Kirchhainer Amtsgericht, die dank der Einsicht und des vorbehaltlosen Geständnisses des Angeklagten ohne aufwendige Beweisaufnahme auskam.

„Die Sache tut mir unendlich leid. Ich habe eine Wendemöglichkeit gesucht, um nach Kirchhain zurückzufahren. Deshalb bin ich extrem langsam gefahren“, schilderte der Taxifahrer das Geschehen zu nächtlicher Stunde. Beim Abzweig nach Kleinseelheim habe er diese Möglichkeit gesehen, sagte der Mann, der angab, auf den Weg zur Gegenfahrbahn gewesen zu sein, als sich die junge Frau in ihrem Auto näherte. Den roten Golf habe er erst bemerkt, als es schon zu spät gewesen sei, sagte er.

Aussage stärktRechtsposition des Opfers

Juristen sprechen bei solchen Situationen von einem Augenblicksversagen, vor dem kein Mensch gefeit ist. Liegt dieses vor, wirkt sich das auf das Strafmaß aus. Das liegt dann deutlich unter einem fahrlässigen oder gar vorsätzlichen gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr.

Richter Joachim Filmer reichte das umfassende Geständnis, um eine Einstellung des Verfahrens anzuregen. Für den Richter mitentscheidend: Die Aussage des Angeklagten reiche für eine zivilrechtliche Haftung aus.

Wie wichtig diese für seine Mandantin sei, führte Rechtsanwalt Gerhard Bretthauer aus, der das als Nebenklägerin auftretende Unfallopfer vertrat. Die Versicherung der Gegenseite sehe eine 25-Prozent-Mithaftung seiner Mandantin an dem Unfallschaden. Die Nebenklage habe keinerlei Interesse an einer Verurteilung des Angeklagten. Sie verzichte auf einen Strafantrag, wenn der Angeklagte die Kosten der Nebenklage übernehme. Rechtsanwalt Heinrich Immel, der den Angeklagten verteidigte, gab keine Erklärung zur Kostenübernahme ab.

Vor dem Zivilgerichtgeht es weiter

Schließlich stimmten alle Prozessbeteiligten einer vorläufigen Einstellung des Verfahrens zu. Die Auflagen des Gerichts: Der Angeklagte muss für die Kosten der Nebenklage aufkommen und an die Geschädigte bis zum 30. Mai eine Geldzahlung in Höhe von 400 Euro leisten. Diese Zahlung kann nicht auf die Schmerzensgeld- und Schadenersatzansprüche des Unfallopfers angerechnet werden.

Diese Ansprüche muss die inzwischen vollständig genesene junge Frau in einem Zivilprozess durchsetzen.

von Matthias Mayer

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