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Einige schwarze Schafe schaden einer guten Sache

Respektlos Einige schwarze Schafe schaden einer guten Sache

Eigentlich ist die Bücherbörse des Sozialen Netzwerkes in Kirchhain ein voller Erfolg. Einige schwarze Schafe sorgen allerdings für Probleme und Verärgerung.

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Fehlende Ordnung: Eigentlich sollten die Bücher nicht kistenweise abgegeben werden – aber das ist noch das kleinste Problem der Bücherbörse.Privatfoto

Kirchhain. Mehr als 4000 Bücher wechselten im vergangenen Jahr über die Bücherbörse im Kirchhainer Herkules-Markt den Besitzer. Das vom Sozialen Netzwerk betreute Angebot erfreut sich also großer Beliebtheit: Die Menschen nutzen die Gelegenheit, um gelesene Bücher ihren Mitbürgern zur Verfügung zu stellen und selbst unentgeltlich in den Genuss anderer Werke zu kommen. Das Prinzip lautet „Gib eins, nimm eins“ (oder zwei), basiert auf einem respektvollen Miteinander und auf Vertrauen.

Es gibt nur wenige Regeln - doch die sind für einige Menschen scheinbar zu viel. Ein wichtiger Grundsatz lautet, dass Bücher aus der Tauschbörse nicht in den Einkaufsbereich des Marktes mitgenommen werden dürfen - schließlich gibt es dort auch Bücher zu kaufen. Es sei schon mehrfach vorkommen, dass diese Regel ignoriert wurde, berichtet Organisatorin Birgit Jacobsen und betont, dass dies die Herkules-Angestellten vor Probleme stelle. Mehrfach sei es auch schon vorgekommen, dass Kunden mit Büchern erwischt wurden und behaupteten, sie stammten aus der Tauschbörse. Eigentlich sollten diese dann mit einer Markierung versehen sein - was aber aufgrund des ständigen Wechsels nicht immer der Fall ist: Es gebe Tage, an denen bis zu 200 Bücher abgestellt würden, erklärt Jacobsen. Der Markt sei also auch auf die Zuverlässigkeit der Börsennutzer angewiesen.

Ein weiteres, großes Problem ist, dass Bürger auch Bücher abstellen, die eigentlich niemandem mehr zumutbar seien. „Sie sind zerfleddert, schmutzig oder stinken. Ich verstehen nicht, dass die Leute Müll abstellen - den ich dann entsorgen muss“, ärgert sich die 67-Jährige, die beim Abtransport neben dem Ekelfaktor noch ganz andere Probleme hat: zum einen macht ihr das Gewicht der Bücher zu schaffen, zum anderen tauchen in ihrer blauen Tonne Platzprobleme auf. Vor allem dann, wenn Menschen ganze Kisten voll Büchern abstellen - was eigentlich auch verboten ist, da das Netzwerk verhindern will, dass die Börse als „Müllablageplatz“ missbraucht wird.

Das letzte Problem ist, dass Bücher aus dem eigentlich sortierten Regal genommen und, bei Nichtgefallen, einfach wieder hingeworfen werden. Ein bisschen Ordnung könne doch jeder halten, appelliert Jacobsen an ihre Mitmenschen, ärgert sich aber gleichzeitig: „So wird Ehrenamt mit den Füßen getreten. Das tut weh - und ich bin so verzweifelt, dass ich schon darüber nachdenke, aufzugeben.“ Ihre letzte Hoffnung: soziale Kontrolle. Börsennutzer sollten darauf achten, dass ihre Mitmenschen die wenigen Regeln befolgen.

von Florian Lerchbacher

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