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Eine stetige Mahnung für die Lebenden

Volkstrauertag Eine stetige Mahnung für die Lebenden

Trotz miserablen Novemberwetters besuchten rund 60 Teilnehmer am Sonntag die Stadtallendorfer Gedenkveranstaltung zum Volkstrauertag. Es sprach Generalmajor Eberhard Zorn.

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Bürgermeister Christian Somogyi und Generalmajor Eberhard Zorn legen Kränze zur Erinnerung an die Toten nieder. Foto: Michael Rinde

Stadtallendorf. Es war eine Gedenkstunde in einem besonderen Jahr: Vor 100 Jahren begann der Erste Weltkrieg, die Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts, wie Bürgermeister Christian Somogyi erinnerte. 75 Jahre liegt der Ausbruch des Zweiten Weltkrieges zurück.

Am Sonntagmorgen hatte zunächst Pfarrer Michael Fenner das Gedenken an die Opfer von Krieg, Gewalt und Terror mit einem Gottesdienst in der Stadtkirche eröffnet. Fenner war dabei auf eine Bibelstelle aus dem Buch Samuel im Alten Testament eingegangen.

Im Mittelpunkt der Gedenkveranstaltung am Ehrenmal neben der Stadthalle stand die kurze Ansprache vom Kommandeur der Division Schnelle Kräfte, Generalmajor Eberhard Zorn. Er erinnerte daran, dass die „Friedensdividende nach Ende des Zweiten Weltkriegs eigentlich nur in Europa ausgeschüttet wurde.“ 230 Kriege hätte es seit 1945 weltweit gegeben. Zorn schlug den Boden in die Gegenwart, berührte in seiner Ansprache die Konflikte in der Ostukraine, im Irak und in Syrien oder in Israel und dem Gazastreifen. An diesem Wochenende hatte die Bundeswehr auch ihren „Wald des Gedenkens“ in der Henning-von-Tresckow-Kaserne in Berlin eingeweiht. Dort wird der Gefallenen und im Einsatz verstorbenen Soldaten und Zivilangehörigen der Bundeswehr gedacht, 104 sind es laut Zorn seit 1992. Zu den Gefallenen zählt auch Hauptmann Markus Matthes, der am 25. Mai 2011 im Afghanistan-Einsatz gefallen ist. Matthes gehörte zum Stadtallendorfer Divisionsstab. Zorns Gedanken ergänzten sich mit einem Satz aus der Begrüßung von Bürgermeister Christian Somogyi: „Krieg ist scheinbar weit weg, doch manchmal ist er näher als wir denken.“ Divisionskommandeur Zorn betonte, dass die Bundesrepublik in der Gegenwart nur noch von Freunden umgeben sei.

Der Männergesangverein Stadtallendorf umrahmte die Gedenkveranstaltung gewohnt würdig und angemessen mit seinen Liedbeiträgen. Soldaten der Division Schnelle Kräfte bildeten die Ehrenwache am Mahnmal. Bürgermeister Somogyi und Generalmajor Zorn legten dort zum Abschluss Kränze zum Gedenken an die Kriegsopfer nieder.

Rund 60 Besucher verfolgten die Gedenkveranstaltung unter Regenschirmen. Unter ihnen befanden sich auch zahlreiche ältere Stadtallendorfer, die im Zweiten Weltkrieg selbst Angehörige verloren haben. „So lange ich kann, will ich hierher kommen und damit an meinen in Russland gefallenen Mann erinnern“, sagte eine 78-Jährige gegenüber der OP.

von Michael Rinde

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