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Eine "gutgemeinte Fehleinschätzung"

Geschwindigkeits-Überwachung Eine "gutgemeinte Fehleinschätzung"

Der Abbau der ersten Blitzersäule war für Bürgermeister Peter Hartmann Anlass zur Bilanz der Geschwindigkeitsmessungen in seiner Gemeinde, eine Bilanz, die vor allem durch Protestreaktionen geprägt ist.

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Wohratals Bürgermeister Peter Hartmann senkt vor einer noch verbliebenen Blitzersäule symbolisch den Daumen. Foto: Rinde

Wohratal. Das Aufstellen von vier Geschwindigkeitsmessanlagen bezeichnet Wohratals Bürgermeister Peter Hartmann (parteilos) inzwischen als die „größte gutgemeinte Fehleinschätzung“ in seiner Zeit als Gemeindeoberhaupt. Die Gemeinde Wohratal hat die Aufstellung seinerzeit keinen Cent gekostet, alle Kosten übernahm das Unternehmen German Radar. Auch der Betrieb ist kostenfrei für Wohratal. Das Unternehmen investierte nach früheren Angaben hingegen einen "Millionenbetrag".

Mit dem Begriff Fehleinschätzung spielt Hartmann die Reaktionen von Wohrataler Bürgern, die es auf die Aufstellung im August vergangenen Jahres gab. Hartmann spricht gegenüber dieser Zeitung von einer gewaltigen negativen Welle, „die teilweise auch gewaltig unter die Gürtellinie ging“. Betroffen waren nach seinen Angaben er selbst, Verwaltungsmitarbeiter und auch ehrenamtliche Mandatsträger. Im Rückblick als „völlig überzogen“ bewertet der Verwaltungschef dabei Klagen über Lärmbelästigungen durch Lüfter der Blitzeranlagen, die sogar noch mit zusätzlichen Thermostaten ausgestattet worden seien. Bemerkenswert sei auch eine umfassende Bürgeranfrage gewesen, ob jetzt auch eine Audio- und Videoüberwachung durch die Anlagen erfolge. „Da wurde es schon etwa albern“, meint Hartmann. Gleich im Anschluss daran merkt Wohratals Bürgermeister sarkastisch an, dass es hoffentlich nicht zu neuen vermeintlichen Lärmbelästigungen komme, wenn die Schaltkästen der Telekom für den Breitbandausbau aufgestellt werden. „Die verfügen nämlich auch über Lüfter“, sagt er.

Am häufigsten ist der Gemeinde bei den Geschwindigkeitsmessungen Wegelagerei unterstellt worden. Dabei standen die Blitzersäulen an Gefahrenpunkten: einem Kindergarten, einer Grundschule und an einer Querungshilfe auf der Landesstraße in Halsdorf. Am Kindergarten ist die Säule bereits abgebaut worden.

Auch mobile Radarmessung steht jetzt auf der Kippe

In Halsdorf habe es in den vergangenen Monaten kaum mehr Geschwindigkeitsüberschreitungen gegeben, in Wohra hingegen schon. „Das waren weitgehend Ortskundige, wie sich an der Auswertung erkennen lässt. Das kann ich nicht verstehen“, sagt Hartmann. Im gemeinsamen Ordnungsbehörden-Bezirk Kirchhain-Rauschenberg-Wohratal gibt es weiterhin eine mobile Geschwindigkeitsmessung. Einmal pro Monat steht das Fahrzeug in Wohratal. Betrieben wird das Fahrzeug vom Unternehmen Radarrent, immer ist eine entsprechend geschulte Verwaltungsmitarbeiterin mit dabei. Ob in Wohratal in Zukunft aber überhaupt noch geblitzt wird, entscheidet das Gemeindeparlament in seiner Sitzung am Dienstag, 21. Mai. Der Gemeindevorstand möchte eine „ergebnisoffene Diskussion“, wie Hartmann betont - und macht darum auch keinen Beschlussvorschlag.

In Rauschenberg soll die Blitzersäule in den nächsten vier Wochen verschwinden. Das erklärte Gordon Schneider, Fachbereichsleiter in Kirchhains Stadtverwaltung, auf OP-Anfrage. Die Stadt Rauschenberg will beim Thema Geschwindigkeitsmessung andere Wege gehen (diese Zeitung berichtete).

Kirchhain behält aber bis auf weiteres seine vier Blitzerstandorte. „Das haben wir mit German Radar, die den Vertrag eigentlich komplett gekündigt hatten, aushandeln können“, sagt Schneider. Er lobt die Erfolge im Kampf gegen Temposünder noch einmal mit Nachdruck. Blitzer stehen in der Röthe- und der Dresdner Straße.

Zukünftig gibt es aber eine Änderung: Statt bisher vier Kameras für jede Säule soll es künftig nur noch drei in Kirchhain geben. Eine wird festinstalliert bleiben, die beiden anderen werden „rotieren“, also von Säule zu Säule wechseln.

An den Vertragsbedingungen ändert sich für Kirchhain ebenfalls nichts. Das Unternehmen erhält einen prozentualen Anteil der Einnahmen je geblitztem Temposünder, die Stadt zahlt nichts. Schneider will in der nächsten Haupt- und Finanzausschuss ausführlicher informieren.

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