Volltextsuche über das Angebot:

16 ° / 10 ° wolkig

Navigation:
Eine deutliche Geste an die Soldaten

Rückkehrer-Empfang Eine deutliche Geste an die Soldaten

Generalmajor Jörg Vollmer war ein Jahr lang Regionalkommdeur Nord in Afghanistan. Er sieht das Land auf sehr positvem Weg, weist aber auch auf die nach wie vor bestehenden Risiken hin.

Voriger Artikel
Schotter macht Bahn zumindest ansehnlich
Nächster Artikel
Badeaufsicht verzweifelt gesucht
Quelle: Nadine Weigel

Stadtallendorf. Die Stadt Stadtallendorf hatte den 70 Rückkehrern vom Bundeswehr-Standort Stadtallendorf einen besonderen Termin gewidmet - um Verbundenheit zu zeigen und ihnen für ihren Einsatz zu danken. Unter diesen Soldaten war am Donnerstag auch Generalmajor Jörg Vollmer, der Kommandeur der Division Schnelle Kräfte. Ein Jahr lang war Vollmer Regionalkommandeur im Norden Afghanistans, von Februar 2013 bis Februar dieses Jahres. Nach 2009 hatte er dieses Kommando zum zweiten Mal übernommen.

 

Am Donnerstag gab er den Besuchern des Rückkehrer-Empfangs einige exklusive Einblicke in diese Zeit. In sie fiel die Vorbereitung der Präsidentenwahl, die beginnende Rückführung der Bundeswehr-Einheiten, aber auch Ereignisse, von denen Deutschland kaum einer Notiz nahm. Ein markanter Satz, mit dem Vollmer die Situation in Afghanistan zusammenfasste: „Das Glas ist mehr als halbvoll.“

Bewusstseinswandel in der Bevölkerung

Vollmer sieht die afghanischen Sicherheitskräfte als die Gewinner der Präsidentenwahlen vom 5. April. Denn sie hätten die Sicherheit der Wahl in eigener Regie gewährleisten können. Zwar gab es Terror im Umfeld der Wahl. Doch dieser Terror hat aus Vollmers Sicht seinen Zweck, Menschen im großen Stil von der Wahl abzuhalten, verfehlt. Als markantes Beispiel für die Fortschritte im Land nennt Vollmer die Eröffnung des internationalen Flughafens in Masar-i-Sharif und die Landung der ersten Maschine von Turkish Airlines. Damit war dieser Teil des Landes mit 240 Orten weltweit verbunden, wenn natürlich auch über Anschlussflüge via Istanbul. Vollmer registriert auch einen Bewusstseinswandel in der afghanischen Bevölkerung: Ging bei seinem ersten Einsatz als Regionalkommandeur Nord noch Sicherheit vor alles andere, so habe der Wunsch nach Arbeitsplätzen heute die höchste Priorität. Das zeigten Umfragen klar. Stichwort Sicherheit im Norden: Nur wenige der 133 Distrikte im Norden gelten aus Vollmers Sicht noch als problematisch. Generalmajor Vollmer verweist allerdings darauf, dass sich die Aufständischen mehr und mehr auf das Mittel des Terrors verlegt haben, um gezielt Angst zu schüren. Dass es immer wieder zu Anschlägen durch afghanische Sicherheitskräfte kommt, bezeichnet er selbst „als eines der großen Probleme, die wir noch haben.“ Vollmer sieht in den jungen Generationen Afghanistans, Menschen, die noch keine 20 Jahre alt sind, gute Perspektiven in dem Land am Hindukusch. Noch fehlt es an der letzten Entscheidung, ob es eine weitere Bundeswehrmission, die sich auf die Ausbildung von Sicherheitskräften konzentriert, in Afghanistan geben wird. Die große Ratsversammlung (Loia Dschirga) mit rund 2500 Stammesvertretern will diese Mission, Generalmajor Vollmer hält sie auch für notwendig und sinnvoll. Alleine schon, um Expertenwissen an die afghanischen Sicherheitskräfte weiterhin zu vermitteln. Vollmer sprach gestern von einem Wunsch aus der afghanischen Bevölkerung an den Westen: „Lasst uns nicht alleine.“

Erinnerung an gefallene Kameraden

Am Donnerstag standen alle zurückgekehrten Soldaten vom Bundeswehr-Standort Stadtallendorf, auch wenn Generalmajor Vollmer unter ihnen die herausragende Stellung inne hatte. Bürgermeister Christian Somogyi würdigte ebenso wie Landrätin Kirsten Fründt den Einsatz der Bundeswehr-Angehörigen. „Wir können die Belastungen, die sie getragen haben, nur erahnen“, sagte Somogyi in Richtung der Soldaten. Er erwähnte dabei auch die Belastungen, denen die Angehörigen während der Zeit des Einsatzes der Männer und Frauen ausgesetzt waren. Dass Stadtallendorf eine besondere Verbundenheit zu „seinen“ Soldaten hat, zeigte sich vor dem ersten Auftritt des Männergesangvereins Stadtallendorf. Ein Sänger trat vor: „Wir sind schon fast ein Soldatenchor“, merkte er an. Sie horchten alle bei jedem Bericht über Afghanistan auf. Und auch Kinder aus dem Kindergarten Liebigstraße untermalten den Empfang. Auf Initiative des Fördervereins der Division Schnelle Kräfte hatten sie in der Adventszeit Plätzchen gebacken und an die Stadtallendorfer Soldaten geschickt. Diese Geste war dort hervorragend angekommen. Bürgermeister Somogyi nutzte seine Rede auch dazu, an die 54 in Afghanistan gefallenen Soldaten zu erinnern. Er machte das an Hauptmann Markus Matthes vom Standort Stadtallendorf fest. Matthes wurde am 25. Mai 2011 durch eine Sprengfalle der Taliban getötet.

von Michael Rinde

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr