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Eine Zeugin entscheidet

Aus dem Amtsgericht Eine Zeugin entscheidet

Ein rüder Angriff auf einen Gast kommt eine Service-Kraft einer Kirchhainer Gaststätte teuer zu stehen: acht Monate Freiheitsstrafe zur Bewährung und 1000 Euro Schmerzensgeld.

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Kirchhain. Zwei gegensätzliche Tatversionen, ein diskutierfreudiges Publikum, ein fragwürdiger Zeuge, dem möglicherweise ein Strafverfahren wegen uneidlicher Falschaussage droht und ein mit Schwarzem Gürtel dekorierter Karatemeister, der schwer k. o. ging - das waren die Zutaten eines turbulenten Strafprozesses vor dem Kirchhainer Amtsgericht.

Die Wahrheitsfindung gestaltete sich zunächst schwierig, denn die objektive Faktenlage erwies sich als dünn:

n Am 24. Juli 2012 gab es gegen 4 Uhr in der Frühe zwischen einem 44-jährigen Kellner und einem 20-jährigen Gast eine Auseinandersetzung. Dabei zog sich der Gast laut Attest eine kleine Schnittwunde am Hals, eine Platzwunde und ein Hämatom am Auge sowie den Bruch eines Fingers zu. Vorgeschichte und Tatablauf gingen bei den Schilderungen des angeklagten Kellners und des Opfers weit auseinander. Der Kellner gab an, von dem Gast wiederholt provoziert und schließlich übel beleidigt worden zu sein. Er habe mit seinem Unterarm einen Fausthieb des 20-Jährigen abgewehrt und diesem umgehend seinen Faustschlag ins Gesicht verpasst. Dann habe er den tobenden Mann aus der Gaststätte geworfen.Das Opfer erklärte, dass es vorher weder Streit noch Provokationen gegen habe. Im Laufe eines Gesprächs habe er zu dem Kellner gesagt, „das Wichtigste für Dich sind doch sicherlich Deine Kinder.“ Darauf habe der Kellner - für ihn völlig überraschend - gedroht, er werde ihm die Zunge abschneiden, wenn er noch einmal über die Kinder rede. „War das wirklich so schlimm?“, habe er geantwortet und sich wieder seinem Drink zugewandt. Unvermittelt habe der Kellner ihm von hinten den Kopf zurückgerissen und ihm einen Gegenstand an den Hals gedrückt. Dann sei es um ihn schwarz geworden. Als er wieder aufgewacht sei, habe er am Boden gelegen. Der Strafantrag von Amtsanwalt Peter Heinisch und das Urteil von Richter Joachim Filmer stützten sich schließlich auf die Aussagen einer 19-jährigen Zeugin. Die erwies sich nach der Beweisaufnahme als einzige Zeugin des Tatgeschehens an der Theke. Ein weiterer Gast habe schlafend an der Theke gekauert, die übrigen Gäste seien zur Tatzeit draußen gewesen, um sich um einen maladen Zechkumpanen zu kümmern. Sie selbst sei als Autofahrerin nüchtern gewesen, sagte die junge Frau, die die Tatversion des Opfers bestätigte. Der Kellner habe das Messer genommen, das zum Schneiden der Zitronen hinter der Theke lag und habe es dem arglosen Gast an den Hals gesetzt. Dann habe er den Kopf des Gastes auf zwei auf der Theke stehende Gläser geknallt und den bewusstlosen 20-Jährigen schließlich vom Barhocker gestoßen. Gericht wie Anklage sahen weder Belastungstendenzen noch Belastungsmotive bei der jungen Frau und folgten ihrer Darstellung. Über den seltsamen Auftritt eines Enlastungszeugen sagte Filmer, er habe Zweifel, ob der Mann überhaupt zur Tatzeit am Tatort gewesen sei.

von Matthias Mayer

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