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Eine Straße löst sich langsam auf

Spätfolge der Nahwärme Eine Straße löst sich langsam auf

Als im Frühjahr 2015 die Bauarbeiten für das Rauschenberger Nahwärmenetz begannen, wurde die Westender Straße als erste aufgerissen. Bis ­heute haben die Bauleute sie nicht in ihren Ur-Zustand zurückversetzt.

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Achtung, Stolperfalle! So wie hier sieht es an mehreren Stellen der Westender Straße aus. Der Graben der Nahwärmeleitung wurde provisorisch mit Schotter geschlossen (rechts). Das Provisorium hat
15 Monate nach Baubeginn noch Bestand. Foto: Matthias Mayer

Rauschenberg. Alt-Bürgermeister Manfred Barth lebt mit seiner Familie an der steilen Anliegerstraße und hat die Genese der dieser Langzeit-Baustelle aus nächster Nähe verfolgt.

„Zuerst wurde der Graben für die Nahwärmeleitung ausgehoben. Der lag dann ein Vierteljahr lang leer, bis die Rohre kamen. Wochen vergingen, bis diese verschweißt wurden. Wochen dauerte es, bis die Isolierer die Verbindungsstücke einpackten. Das ging über den ganzen Sommer“, sagte der energische Fürsprecher der Nahwärme beim OP-Ortstermin.

Ursächlich für den heutigen Zustand der Straße ist nach seiner Wahrnehmung die lange Offenlage des Grabens. „Der Graben lief nach Unwettern mehrmals voll“, sagte Barth. Dabei seien gerade die Bruchkante am Straßenrand weggebrochen und der Untergrund der Baustraße weggespült worden. Nach seiner Kenntnis sei es auch wegen der mangelnden Tragfähigkeit der Schotterschicht, die den Nahwärmegraben verschließe, nicht mehr möglich, die Baustraße in ihren ursprünglichen Zustand zu versetzen.

Fahrbahn misst zum Teilnur noch zwei Meter

An der Straße befindet sich ein Baulager, das täglich von schweren Baumaschinen angefahren wird. Nach Feststellungen des Genossenschaftsmitglieds Barth trägt dies zu einer kontinuierlichen Verschlechterung des Straßenzustands bei. Der ist in der Tat bedenklich. Auf einem Teilstück ist der Fahrbahnbelag nur noch zwei Meter breit. Die Abbrüche am Straßenrand sind ebenso gefährliche Stolperfallen wie die Löcher in der Fahrbahn und die sogenannten Querschläge - Rinnen, die sich auf der Fahrbahn über den dort verlegten abzweigenden Leitungen gebildet haben. Und die zahlreichen Schottersteine auf der verbliebenen Asphalt­fläche sind eine stetige Gefahr für Zweiradfahrer.

Wie geht es nun weiter? Manfred Barth berichtet von Gesprächen mit der Stadt, die bereit sei, den grundhaften Ausbau der Straße voranzubringen. Eine entsprechende Anwohner-Versammlung sei geplant. Manfred Barth unterstützte im Gespräch mit dieser Zeitung diesen Gedanken, auch wenn die Anwohner für den Endausbau veranlagt würden. Sein Problem: Der Ausbau kann frühestens im kommenden Jahr erfolgen. Damit bleibt die Situation über den Winter. „Der Zustand der Straße erlaubt es nicht, dort mit dem Räumschild den Schnee beiseite zu schieben. Und das auf einer der steilsten Straßen der Stadt“, erinnert der Alt-Bürgermeister an die Verkehrssicherungspflicht.

Es ist Aufgabe des Bau­herren, der Nahwärme-Genossenschaft Rauschenberg, die Mängel zu beseitigen. Dazu ist diese laut Vorstandssprecher Helmut Schmid auch bereit. Er wolle das Ergebnis der Anwohner-Versammlung abwarten, sagte er auf Anfrage dieser Zeitung. Die Genossenschaft müsse die durch ihr Bauvorhaben entstandenen Schäden beseitigen und sei bereit, einen Anteil für den Grundausbau der Straße zu leisten, sagte Helmut Schmid.

Nahwärmenetzwächst weiter

Der hatte zudem eine frohe Kunde zu vermelden. Der Nahwärmestrang unter der Straße Auf dem Flur ist inzwischen voll geflutet. „Es kann mit Nahwärme geheizt werden“, stellte Helmut Schmid zufrieden fest. Das gilt auch für das Haus Rauschenberg, das zu den Großabnehmern der Genossenschaft gehört. 90 Prozent des zum ersten Bauabschnitt gehörenden Netzes seien damit betriebsbereit. Die einzige größere Lücke klaffe in der Straße Im Sand, die derzeit Bestandteil einer Umleitung sei und deshalb derzeit nicht aufgerissen werden könne. Wie diese Zeitung berichtete, sollen die Nahwärme-Arbeiten Im Sand ab dem 1. Oktober beginnen.

Unterdessen kommen die ehrenamtlichen Protagonisten für das ehrgeizige und wahrscheinlich einzigartige Projekt Bioenergiestadt Rauschenberg bei der Akquise für den zweiten Bauabschnitt gut voran. Die Abnahme von jährlich 900000 ­Kilowattstunden entlang des zweiten Bauabschnitts seien bereits sicher. Das sei ein sehr schönes Ergebnis, der zweite Bauabschnitt werde sich rechnen, erläuterte Helmut Schmid.

Selbst Anlieger des zum ersten Bauabschnitt gehörenden Netzes haben sich gemeldet, und nachträglich ihr Interesse an der Genossenschaft bekundet. Für Helmut Schmid ist das ein Indiz für die Zufriedenheit der Nahwärme-Abnehmer, die ihren Nachbarn berichteten, dass die Nahwärme tatsächlich so unkompliziert und komfortabel ihre Häuser aufheize. Er rechne im Endausbau mit einem 15 bis 16 Kilometer langem Netz und einem Absatz von jährlich 10 Millionen Kilowattstunden Nahwärme, verdeutlichte Helmut Schmid die Dimensionen des Projekts.

n Die Rauschenberger Genossenschaft bietet am Mittwoch, 24. August, eine weitere Informationsveranstaltung zur Nahwärme in der Alten Schule an. Beginn ist um 18 Uhr. Die Veranstaltung richtet sich an Bewohner der oberen Altstadt und interessierte Anlieger des bereits bestehenden Netzes im übrigen Stadtgebiet.

von Matthias Mayer

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