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Eine Stiftung für die Brücker Mühle

Pläne Eine Stiftung für die Brücker Mühle

Weil sie die Sanierung des Mühlentraktes nicht aus dem laufenden Geschäft finanzieren können, wollen Thomas Kleinschmidt und Sabine Walter eine Stiftung für diesen Teil des Kultur- und Industriedenkmals gründen.

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Sabine Walter und Thomas Kleinschmidt schwärmen von der „Einfachheit der komplexen Maschinerie“ der Mühle.

Quelle: Florian Lerchbacher

Amöneburg. Seit rund zwei Jahren basteln Müllermeister Thomas Kleinschmidt und Sabine Walter, Dipl.-Ing. agr., mit einem Steuerberater, einem Architekten, einem Rechtsanwalt und einem Denkmal-Fundraiser an einem Konzept, um den Mühlentrakt des Kultur- und Industriedenkmals Brücker Mühle in eine Stiftung zu überführen. Vorderstes Ziel ist es, den Mühlentrakt zu sanieren und zu erhalten. Zudem wollen die Betreiber das Bildungsangebot ausbauen und die Einrichtung für Gäste noch attraktiver gestalten.

„Es handelt sich um ein hochrangiges Denkmal, das wichtig für die Allgemeinheit ist“, sagt Kleinschmidt. Die Mühlentechnik sei einzigartig in der Region: „Nirgendwo anders ist sie so anschaubar wie bei uns.“ Entsprechend kommen immer wieder Schulen, Touristen und andere Gäste, um Führungen zu genießen - es sei allerdings notwendig, sich attraktiver zu präsentieren.

Ziel: Einen Erlebnisort schaffen

Schon als er im Jahr 2006 die Brücker Mühle kaufte, sei klar gewesen, dass sich die Sanierung nicht aus dem laufenden Betrieb finanzieren lasse, sagt Kleinschmidt, der gemeinsam mit seiner Frau einen Bioladen und eine kleine Gaststätte in dem Gebäude unterhält. Im Mühlentrakt seien beispielsweise der Fußboden marode und die Renovierung der Fassade bereits seit 1997 überfällig, berichtet er und beziffert die Kosten für die Sanierung des Kultur- und Industriedenkmals inklusive der Maschinen auf 300000 Euro. Gleichzeitig ist angedacht, einen Tagungsort mit Küche und Sanitärräumen, Mediathek und vielem mehr einzurichten. Um das Gebäude barrierefrei zu gestalten, sei auch ein Aufzug vonnöten, sagt der Müllermeister und schätzt die Kosten für diese Erweiterung auf rund 600000 Euro.

Die Mühle soll laut Kleinschmidt und Walter kein „staubiges Museum“ werden, sondern ein „lebendiger Erfahrungs- und Erlebnisort“. Bisher besteht die von ihnen angebotene Bildungsarbeit aus Führungen durch die vier Stockwerke - natürlich bei laufendem Betrieb. „Mühlen sind die ältesten technischen Maschinen, die es gibt“, sagt Walter und schwärmt von Schwungrädern, Riemen und der „Einfachheit der komplexen Maschinerie“. Das Paar erläutert seinen Gästen die Maschinen und ihre Funktion und gibt Informationen zur Historie, aber auch zu Ernährung, Landwirtschaft, Energie aus Wasserkraft und vielem mehr. Um die Bildungsarbeit auszubauen sei eine „zeitgemäße Museumsdidaktik“ mit schriftlichen Informationen zur Technik angedacht.

„Mühlen-App“

Ein Mühlendiorama könne die Komplexität veranschaulichen. Digitale Medien sollen ebenfalls zum Einsatz kommen - zum Beispiel eine „Mühlen-App“. Gleichzeitig soll es eine kindgerechte Führung geben, die mit einem selbstgemachten „Mühlenfrühstück“ abschließt.

Alleine könnten sie dieses Großprojekt nicht stemmen, sagen Walter und Kleinschmidt. Wirtschaftsgebäude und Wohnbereich sollen Privatbesitz bleiben, in die Stiftung würde der Mühlentrakt fließen - für den auch die Investitionen geplant sind. Rein rechtlich besteht bereits eine Trennung. Eine Stiftung sei das Nachhaltigste, um die Mühle zu sichern, sagt der Müllermeister - daher habe sich das Paar auch gegen die Gründung eines Fördervereins entschieden. „Zudem ist eine Stiftung steuerrechtlich interessanter für Anleger“, wirft Walter ein. „Etwas Gutes für die Region und das eigene Portemonnaie tun“, könnte laut Kleinschmidt eine Motivation für Anleger sein.

Erste Investoren bereits im Gespräch

Die Hoffnung der beiden ist, dass 900000 Euro zusammenkommen und ein Wert hergestellt wird, der dann die Stiftung erhält. Sprich: Ist der Trakt saniert, sollen sich Ausgaben und Einnahmen in etwa die Waage halten.

Ein erstes Gespräch mit möglichen Investoren haben sie bereits geführt. In den Reihen der Stadtverordnetenversammlung kam bei älteren Mitgliedern leichte Kritik an den Plänen auf. „Wir machen das nicht für uns, sondern für den Erhalt eines Amöneburger Aushängeschildes“, sagt Walter, während Kleinschmidt hinzufügt: „Seit Jahren öffne ich meinen Besitz für die Besucher. Eigentlich praktiziere ich die Stiftung schon.“ Sein Ziel ist es, die tatsächliche Stiftung bis Ende dieses Jahres zu gründen.

Weitere Informationen erteilen Thomas Kleinschmidt und Sabine Walter direkt in der Mühle oder unter Telefon 06422/850864.

Geschichtliches

Die Mühle wurde 1248 erstmals urkundlich erwähnt. Bis 1858 war sie Eigentum des Bistums Mainz, danach der Stadt Amöneburg. Diese verpachtete sie: als Letztes von 1929 bis 2001 an die Familie Kleinschmidt. Seit Ende der 1980er Jahre ist die Mühle Kultur- und Industriedenkmal. 1994 wurde sie mit dem Deutschen Mühlenpreis ausgezeichnet und zudem bis 1995 mit einem Seminar- und Gastraum und einem Mühlenladen ausgestattet. Ein Höhepunkt war 1997 der Besuch von Prinz Charles.

Nachdem der Pachtvertrag im Jahr 2001 aufgelöst worden war, stand die Mühle bis 2006 leer. Danach verkaufte die Stadt sie an die Familie Kleinschmidt – die zwar nicht Meistbietender war, aber, so die Auffassung der Stadtverordneten, das bessere Konzept für die Weiternutzung hatte.

Danach gab es drei Auszeichnungen: 2007 den „Umweltpreis“ der Stiftung Arbeit und Umwelt sowie die Ehrung als „Gründer des Jahres“ durch die Handelsakademie Hessen/Thüringen. Im Jahr 2008 überreichte der Arbeitskreis dörfliche Kultur die „Jakobsmuschel“.

von Florian Lerchbacher

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Von Redakteur Florian Lerchbacher

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