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Eine Schule sagt Nein zum Rassismus

Eigeninitiative von Schülern Eine Schule sagt Nein zum Rassismus

Die Martin-von-Tours-Schule ist eine „Schule ohne Rassismus. Schule mit Courage“. Elf damalige Neuntklässler hatten monatelang auf diese Auszeichnung hingearbeitet.

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Die Mitglieder der Arbeitsgruppe, Lehrerin Monika Holzhausen (zweite Reihe, dritte von links) Schulleiter Volker Schmidt (zweite Reihe, fünfter von rechts) Bürgermeister Thomas Groll (links), Roland und Barbara Schade (erste Reihe, dritte und vierter von rechts) Manfred Völzke (hintere Reihe Mitte) freuten sich gemeinsam mit zahlreichen Flüchtlingen und Schulsozialarbeiter Lars Kietz (rechts) über die Auszeichnung.

Quelle: Karin Waldhüter

Neustadt. Damit ist die Martin-von-Tours-Schule die 66. Schule in Hessen, die diesen Titel trägt. In Deutschland sind mittlerweile 1900 Schulen ausgezeichnet worden.

„Schule ohne Rassismus“ ist ein Projekt des Vereins „Aktion Courage“. Die Verleihung des Titels ist der Abschluss der Bemühungen von elf ehemaligen Neuntklässlern, von denen zwei inzwischen die Schule verlassen haben, die sich mit ihrer Lehrerin Monika Holzhausen mit dem Thema Rassismus im Bereich „Freies Lernen“ intensiv auseinandergesetzt hatten.

Während der Anfangsphase des Projektes machten zwei Nachrichten in Neustadt die Runde: Die ersten Flüchtlinge sind in das Übergangswohnheim in der Bismarckstraße eingezogen und in der ehemaligen Ernst-Moritz-Arndt-Kaserne soll eine Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge entstehen. Schnell war den Schülern klar, dass der Schwerpunkt ihrer Arbeiten in diesem Bereich liegen soll.

Besonders wichtig war den Schülern, die Lebensumstände der Flüchtlinge kennen zu lernen, für den Abbau von Ängsten und Vorurteilen zu wirken und damit möglichst die ganze Schule zu erreichen sowie allen Schülerinnen und Schülern durch gemeinsame Aktivitäten mit den Flüchtlingen die Scheu zu nehmen. Unterstützung erhielten die Schüler von den pensionierten Lehrern Roland und Barbara Schade, Manfred Völzke und Schulsozialarbeiter Lars Kietz.

Gemeinsam stellten die Schüler mit Flüchtlingen einen Sporttag auf die Beine, trommelten und kochten gemeinsam, zeigten den Flüchtlingen die Schule und berichteten vor den Kameras des Hessischen Rundfunks von ihrem Projekt, und sie stellten ihre Arbeit in den einzelnen Klassen vor.

Bürgermeister übernahm die Patenschaft

Um den Titel „Schule ohne Rassismus. Schule mit Courage“ zu erhalten, mussten mindestens 70 Prozent der Schülerschaft, inklusive Lehrern und Angestellten, sich mit ihrer Unterschrift gegen alle Formen von Diskriminierung und Rassismus aussprechen. Dies taten 85 Prozent der 517 Schüler. Zudem benötigten die Schüler einen Paten. Diese Aufgabe übernahm Bürgermeister Thomas Groll. Um den Titel weiterhin tragen zu können, muss das Projekt auch in Zukunft weitergeführt werden. „Mit euren Unterschriften setzt ihr ein Zeichen gegen alle Formen von Diskriminierung und Rassismus, für ein respektvolles Miteinander, das über die Schule hinaus in die Stadt Neustadt hineinwirkt“, hieß es auf der Urkunde des Vereins „Aktion Courage“, die von Schülerin Lea Schneider, Sprecherin und „Motor“ der Arbeitsgruppe, während einer Feierstunde vorgelesen wurde.

An der Feierstunde nahmen, neben allen Klassensprechern, auch zahlreiche Flüchtlinge teil. Eine Tanzgruppe und die Trommelgruppe, unter der Leitung von Ursula Lembach, umrahmten die Veranstaltung in der Cafeteria. „Ihr habt mit der Aktion einen kleinen Leuchtturm gesetzt“, betonte Schulleiter Volker Schmidt und sprach den Schülern ein großes Lob aus. „Ihr habt zu einem super Bild unserer Schule beigetragen“. Es brauche junge Menschen, die ganz nach dem Leitbild der Schule das Problem angingen, sagte er.

Carolin Kuhn, Schulsprecherin und Mitglied der Arbeitsgruppe, stellte anschließend das Projekt vor. „Es macht mich stolz, dass unsere Martin-von-Tours-Schule eine Schule ohne Rassismus ist“, erklärte Monika Holzhausen. Sie wünschte sich, dass das Projekt in Zukunft weitergeführt wird. „Dann können wir mit Stolz von uns sagen, wir sind eine Schule ohne Rassismus“, so Holzhausen. „Ihr habt euch mit dem Thema Politik und Geschichte hier vor Ort beschäftigt und wart mit dem Herzen voll dabei. Da kann man nur ‚danke‘ sagen“, erklärte Bürgermeister Thomas Groll. Es sei wichtig, dass sich viele mit dem Thema beschäftigen und in Kontakt mit den Flüchtlingen treten, auch um Gerüchten entgegen zu wirken.

Neue Klasse führt das Projekt weiter

„Es gibt viele, die wissen genau, was in der Bismarckstraße abgeht - und waren nie da, ihr wart da“, sagte er. Hauptaufgabe werde in Zukunft die Integration der Flüchtlinge und der nachgezogenen Familienmitglieder werden. Eine Aufgabe, die schwer werde und die Menschen noch 30 Jahre beschäftigen werde, wie Ministerpräsident Volker Bouffier bei einem Treffen in Friedberg erklärt habe. Es passe gut ins Bild der Martin-von-Tours-Schule, dass sie solche positiven Nachrichten setze, hob Groll hervor. Die ersten Begegnungen mit den Flüchtlingen seien noch etwas steif gewesen, doch dann habe man gemerkt, es entwickele sich etwas und aus der Begegnung sei Freundschaft entstanden, berichtete Roland Schade. „Es ist gut, wenn Leute wie Ihr einen Kontrapunkt setzen gegen das, was in Neustadt zu hören ist“, erklärte er. „#Ihr habt das prima gemacht“, sagte er in Twitterform in Richtung Arbeitsgruppe.

Er habe etwas erlebt, was er in 40 Jahren in der Schule in Deutschland nie erlebt habe, erklärte Wolfgang Völzke. „Dass Flüchtlinge kommen und ‚danke, mein Lehrer‘ sagen“. Er beglückwünschte die Schüler zu der Entscheidung, Ängste beiseite zu schieben, um erkennen zu können: „Das sind ja ganz normale Leute.“

Eine neue Gruppe Neuntklässler wird in Zukunft das Projekt an der Martin-von-Tours-Schule weiterführen.

von Karin Waldhüter

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