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Eine Rückkehr mit Hindernissen

Die "fünf Tugenden" sind wieder da Eine Rückkehr mit Hindernissen

Gestern um Punkt 11.05 Uhr war es so weit. Die Skulptur „Die Liebe“ setzte, von einem Kranführer sanft abgesenkt, im Mörtelbett auf ihrem Postament auf. Sie ist Mittelpunkt einer Skulpturengruppe, die bis März 2011 in Hatzbach stand.

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Abgewandte Welten: Die „Gerechtigkeit“ schaut die „Liebe“ von ihrem vorgesehenen Platz aus nicht an. Reinhard von Knoblauch (kleines Foto rechts) und Horst Erdel versuchen mit Hilfe eines Kunstbandes, die ursprüngliche Anordnung der fünf Skulpturen zu re

Hatzbach. Damals wurden die fast 300 Jahre alten fünf Sandstein-Skulpturen, die 150 Jahre lang im Garten der Familie von Knoblauch standen, abgeholt, um grundlegend restauriert zu werden. Die von Knoblauchs sind Eigentümer der Kunstwerke, und sie einigten sich zusammen mit dem Verein „Barock in Marburg“ darauf, dass die „fünf Tugenden“ genannten Skulpturen wieder in die Nähe ihres ursprünglichen Aufstellungsortes am Marburger Firmaneiplatz als Dauerleihgabe zurückkehren.

Die tugendhaften Hatzbacher sollten nicht ohne ihre Tugend enbleiben, und so entstanden in der Werkstatt des Restaurators Eckehardt Schaper Abgüsse der fünf überlebensgroßen Figuren für den Stadtallendorfer Stadtteil - finanziert von der Familie von Knoblauch, der Stadt Stadtallendorf und dem Verein „Barock in Marburg“. Diese Kopien wurden gestern auf einem eigens dafür gebauten und öffentlich zugänglichen Platz aufgestellt - direkt am Anwesen der Familie von Knoblauch und im Schatten der Hatzbacher Kirche.

Viele Hatzbacherverfolgten die Arbeiten

Viele Hatzbacher verfolgten das Schauspiel - vom Kindergartenkind bis zum ältesten Einwohner, dem 94-jährigen Heinrich Naß. Doch die Arbeiten sollten alsbald ins Stocken geraten. Die zweite Statue, die „Gerechtigkeit“, hatte kaum auf ihrem Postament rechts neben der „Liebe“ Platz genommen, da fiel Horst Erdel vom Hatzbacher Dorferneuerungsausschuss ein Mangel auf: Die „Gerechtigkeit“ zeigte der „Liebe“ die kalte Schulter, blickte gelangweilt von dieser weg. Durch ein Versetzen der Figur auf das Postament ganz links von der „Liebe“ wäre das Problem zu lösen gewesen. Also wurde die Figur flugs aus dem Mörtelbett herausgehoben, der Mörtel abgekratzt und sorgfältig abgewaschen.

Doch was nun? Restaurator Eckehardt Schaper hatte die klare Anweisung vom Verein „Barock in Marburg“, die Figuren in einer bestimmten Reihenfolge aufzustellen. Und auf dem Platz fand sich niemand mit Prokura. Die Stadtverwaltung Stadtallendorf war ebenso wenig vertreten wie der Verein „Barock in Marburg“.

Letzterer war von der Stadtverwaltung weder über den Aufstellungstermin informiert, noch zu diesem eingeladen worden, wie ein Anruf bei Dr. Margarete Lemberg ergab. Zwangsläufig gingen die Bauleute vorzeitig in eine sehr lange Mittagspause. Am Ende blieb es dabei: Die zwischen 900 und 1000 Kilo schweren Figuren Glaube, Liebe, Hoffnung, Gerechtigkeit und Mäßigkeit wurden nach der vorher festgelegten Reihenfolge aufgestellt - unabhängig von der Blickrichtung.

Trotz dieser Panne war die Freude im Ort über die Rückkehr der „Tugenden“ im Dorf groß. „Wir hätten natürlich lieber die Originale behalten, aber die Kopien sind sehr gelungen, vom Material her wohl noch dichter als die Sandstein-Originale“, sagte Horst Erdel, der der barocken Gruppe in der Hatzbacher Chronik ein eigenes Kapitel gewidmet hat. Ein besonderes Lob fand Erdel für den Platz, der es erlaube, die Figuren von allen Seiten und aus der Nähe zu bewundern.

von Matthias Mayer

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