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Eine Renaturierung mit Zugabe

Die Wirft ist wieder ein Bach Eine Renaturierung mit Zugabe

Das weitläufige Ohmrückhaltebecken besitzt eine neue Attraktion. Die Wirft wurde auf einer Länge von 1,6 Kilometer renaturiert und ist nicht wiederzuerkennen.

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Der Einbau von Kiesbarren und Steinen verleiht der Wirft eine ganz neue Dynamik.

Quelle: Matthias Mayer

Großseelheim. Ingo Pfeiffer vom Aßlarer Planungsbüro Koch hat die Umgestaltung des Wirft-Unterlaufs geplant. Er beschreibt die alte Wirft als eintöniges Grabengewässer mit Tiefenerosion, Sohlenabstürzen und partiellen Sohlenbefestigungen und nur sehr eingeschränkter Fischfauna.

Ingo Pfeiffer muss es wissen, denn er ist ehrenamtlicher Gewässerwart des Fischereivereins Kirchhain, zu dessen Pachtgewässern auch die Wirft gehört. Die Beseitigung der Sohlenabstürze sei ein wichtiges Ziel der vom Land Hessen mit 60000 Euro voll finanzierten Renaturierung gewesen. Denn diese Abstürze seien ein erhebliches Wanderhindernis für die Limnofauna (alle Wasserlebewesen, die Red.), wie Ingo Pfeiffer gegenüber der OP berichtete.Bei der Bauabnahme durch den Bauträger Wasserverband Lahn-Ohm und das Regierungspräsidium Gießen zeigte sich auf ganzer Länge ein großartiges Ergebnis.

Die Wirft hat richtig Platz bekommen, schlängelt sich in stolzer Breite durchs Ohmtal und bietet immer wieder ein anderes Erscheinungsbild. Es gibt eingebaute Inseln, kleine Altarme, Kiesbarren, Totholz- und Steineinbauten. Diese sehen nicht nur gut aus, sondern haben auch einen Zweck. So lassen die Altarme eine Vegetation hochkommen, die zum Laichen ideal ist. Und bei Hochwasser sind die Altarme ein Schutzraum für die weniger schwimmstarken Fischarten, wie Ingo Pfeiffer erklärte. Die meist sanft abfallenden Uferböschungen bieten sich als Brut-Refugium für Wasservögel an.

Großes Lob für die Arbeit der Baufirma

Für die perfekte Modellierung des Bachlaufes durch die Bad Berleburger Baufirma HBB gab es Lob von allen Seiten. „Das ist ein Vorzeigemodell. Diese Arbeit muss man loben“, sagte Heinz Kurt Müller, der das Projekt für den Wasserverband Lahn-Ohm betreute. Großseelheims Ortslandwirt Heinrich Tobelander würdigte den reibungslosen Ablauf, die bodenschonende Arbeitsweise des Bauvorhaben und das Ergebnis. Die jetzige Ausdehnung der Wirft habe ihn überrascht, sagte Tobelander, der von einem gelungenen Einklang von Ökologie und Landwirtschaft sprach.

Marcus l‘Hiver, Bauleiter bei HBB, vernahm es mit Freude. Die Arbeiten seien von zwei erfahrenen Wasserbauern ausgeführt worden, die schon vorher wüssten, welche Auswirkungen ihre Eingriffe am Oberlauf des Gewässers für den Unterlauf haben werden, sagte L‘Hiver der OP. Das Duo arbeitete nicht nur kenntnisreich, sondern auch so zügig, dass Budget am geplanten Renaturierungsende an der Wirft-Brücke noch nicht aufgebraucht wurde. So wurde die Wirft als Zugabe auf weiteren 300 Metern renaturiert - bis dicht an die Landesstraße Marburg - Kirchhain. Mit einer speziellen Saatgut-Ufermischung aus der Region werden die Uferzonen noch begrünt. Die Wirft mündet direkt am Großseelheimer Rasensportplatz in die Ohm. Spaziergänger können vom Sportplatz aus dem Bachlauf Richtung Süden bis zur Landesstraße folgen.

von Matthias Mayer

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