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Eine Qualifizierung fürs Leben

Absolventen einer SchuBklasse zeigen ihr Können Eine Qualifizierung fürs Leben

Über der Klassenzimmertür der SchuBklasse 9 der Alfred-Wegener-Schule hängt ein Plakat. „Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren“ ist darauf zu lesen.

Kirchhain. Moritz Klappert will kämpfen. Und er will auch nicht verlieren. Deshalb ist ihm eine leise Anspannung anzumerken. Auf dem Flur vor dem Klassenraum geht er auf und ab. Nervös ist er nicht - schließlich wartet auf ihn schon die vierte Projektprüfung. Bisher hat er alle problemlos bestanden. Und einen unterschriebenen Ausbildungsvertrag hat er auch schon in der Tasche. Am 1. August beginnt für ihn beim Cölber Unternehmen Gutkauf mit der zweijährigen Ausbildung zum Fachlageristen der Einstieg ins Erwerbsleben. Dort hat er ein Praktikum gemacht, das ihm den Weg zum Lehrvertrag ebnete. Ehrensache, dass der Schüler bei einer Prüfung zu seinem künftigen Berufsfeld gut abschneiden und zeigen will, was er bei der beruflichen Qualifizierung gelernt hat.

Sein Prüfungsobjekt steht unübersehbar auf dem Schulhof: Ein 18-Tonner der Firma Gutkauf, den dessen Fahrer bereits vollständig entladen hat. Moritz‘ Auftrag: Die auf Trolleys geladene Ware transportsicher zu machen und sie entsprechend den Vorgaben des Tourenplans auf dem Lkw zu verladen. Der Prüfling sichtet die Reihenfolge der Entladestellen. Der Kunde Paul in Frankenau wird als Letzter beliefert. Deshalb muss dessen nur spärlich beladener Trolley als Erster auf den Lkw.

Die Ladeliste ist schnell erstellt; viel aufwändiger ist die Sicherung der Ware. Moritz Klappert stellt dafür die Hilfsmittel vor: Spreizbretter, die die Trolley-Wangen auseinanderhalten und Gummibänder, die ein seitliches Rausrutschen der Ware verhindern. Da die Milchtüten auch bei einer Vollbremsung nicht zerquetscht werden dürfen, geht der Schüler entsprechend großzügig mit den Gummibändern um.

Es läuft wie geschmiert, doch dann beginnen die Kraftakte. Wer weiß, welch störrisches Fahrverhalten ein einfacher Einkaufswagen haben kann, bekommt eine Ahnung davon, was man beim Schieben eines bis zu 300 Kilo schweren Trolleys alles falsch machen kann. Der Profi hilft dem Prüfling mit ein paar Kniffen weiter. Dann ist das Werk vollbracht.

Gestern wurden neben Moritz Klappert geprüft: Jacqueline Becker (Zubereitung von Schlemmerzungen), Daniel Herrmann (Setzen einer Hohlwandsteckdose), Simon Bast (Autoteile einstellen im Internet-Shop), Tülin Kildan (Aufbau des Supermarktes), Yasemin Fichtner (Zubereitung eines Käsesalats und einer Pfirsichquarkspeise). Heute werden geprüft: Nathalie Bunde (Aufbau eines Bäckerei-Verkaufsraumes; Bedienung der dortigen Maschinen), Paul Steinbrecher (Rohrleitungsbau) und Lena Nau (Trage- und Wickeltechnik eines gesunden Neugeborenen, Fersenblutabnahme).

Übrigens hat nicht nur Moritz Klappert erfolgreich für den Einstieg ins Berufsleben gekämpft- Sieben der neun Schülerinnen und Schüler der SchuBklasse, in der schulische Bildung mit praktischer beruflicher Qualifizierung verbunden wird, haben mit ihren Fähigkeiten derart überzeugt, dass sie schon lange vor Beginn des Ausbildungsjahres eine Lehrstelle haben. Und ihre noch ohne Vertrag ausgestatteten beiden Mitschüler haben noch genügend Zeit, eine Lehrstelle zu finden. Das ist ein gutes Zeichen für das Engagement der Schülerinnen und Schüler und ein großer Erfolg für SchuBklassen-Kollegiums an der Alfred-Wegener-Schule.

von Matthias Mayer

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