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Eine Prügelattacke zu viel

26-Jähriger muss in Strafhaft Eine Prügelattacke zu viel

Gleich zweimal schlug ein wegen einer einschlägigen Vorstrafe unter Bewährung stehender Kirchhainer grundlos auf arglose Mitmenschen ein. Das muss er nun teuer bezahlen.

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Durch diese Pforte flohen am 6. Juni 2012 zwei junge Frauen vor einem Angreifer aus dem Annapark. Archivfoto: Matthias Mayer

Kirchhain. Der berufslose Mann muss für fünf Monate in Strafhaft. Vor der 8. Strafkammer zog der 26-Jährige am Freitag auf Anraten des Vorsitzenden Richters Hans-Werner Lange seine Berufung gegen ein Urteil des Kirchhainer Amtsgerichts vom 15. Januar 2013 zurück. Damit erlangte das Kirchhainer Urteil Rechtskraft.

Strafrichter Joachim Filmer hatte den zweifachen Bewährungsversager zu einer fünfmonatigen Freiheitsstrafe ohne Bewährung verurteilt. Dieser hatte wenige Monate nach seiner letzten Verurteilung wegen einer ebenfalls in Kirchhain begangenen Körperverletzung am Abend des 6. Juni 2012 im Annapark zwei junge Frauen zunächst beleidigt und bedroht und dann die Ältere der beiden geschlagen.

Er schlug seiner ehemaligen Schulkameradin eine Coladose aus deren Hand ins Gesicht und boxte der 23-Jährigen mehrfach vor die Brust, als diese versuchte, ihre 22-Jährige Freundin vor dem Angreifer zu schützen.

Als die Frauen die Flucht ergriffen, versuchte der Angreifer seinen als „Kampfhund“ gelisteten Hund mit dem Kommando „Fass“ auf die Fliehenden zu hetzen. Der Hund drehte jedoch nach wenigen Metern ab. Die Kirchhainer Beweisaufnahme ergab, dass der gut ausgebildete und erzogene Hund, der einen Wesenstest ohne Fehl und Tadel bestanden hatte, das Kommando „Fass“ überhaupt nicht kannte.

Da sich das Berufungsbegehren des Angeklagten allein auf den Rechtsfolgenausspruch beschränkte, musste das Berufungsgericht den Sachverhalt nicht mehr erörtern. So drehte sich die Hauptverhandlung allein um eine Frage: Hat der innerhalb eines Jahres einmal wegen gemeinschaftlich begangener gefährlicher Körperverletzung und zweimal wegen Körperverletzung jeweils zu Freiheitsstrafen verurteilte Angeklagte noch eine allerletzte Chance auf eine Aussetzung der Freiheitsstrafe zur Bewährung verdient?

Zu seinen Gunsten führte der Angeklagte an, dass er seit Februar wieder für zunächst ein Jahr einen Arbeitsplatz als Produktionshelfer habe. Außerdem sei er dabei, seine Schulden zu begleichen. Die noch offene Summe schätzte er auf 3000 bis 4000 Euro. Auf Sicht wolle er sich um sein uneheliches Kind kümmern, für das er noch keinen Unterhalt zahle und sich eine Wohnung suchen. Für seine gewalttätigen Ausraster machte er Frust, gescheiterte Beziehungen und den Alkohol verantwortlich.

Auf Gericht und Staatsanwaltschaft machte dies keinen sonderlichen Eindruck. Es sei normal, zu arbeiten und für die eigenen Schulden aufzukommen, sagte Richter Lange. „Ihnen fällt nichts Besseres ein, als mit ihrem Kampfhund in den Park zu gehen, um zwei Damen aufzumischen. Der Bogen ist überspannt, Sie laufen mit zwei Bewährungen durch die Gegend, folgen den Auflagen nicht und reagieren erst fünf Minuten vor dem Knast“, klagte der Staatsanwalt.

Die Bewährungshelferin bescheinigte dem Angeklagten, sich nach einer chaotischen Phase in den letzten fünf Monaten gefangen zu haben. Dem Gericht reichte das nicht für eine neue Bewährungschance. Hans-Werner Lange gab dem Angeklagten mit auf den Weg, seine guten Vorsätze nicht auf den Müll zu werfen. Die Haftzeit könne er für eine fachliche Qualifizierung sinnvoll nutzen. Außerdem riet er dem Kirchhainer dringend dazu, sich um eine Berufsausbildung zu kümmern. Ein Produktionshelfer-Dasein sei keine Lebensperspektive.

Ob der Angeklagte nach den drohenden Bewährungswiderrufen auch die zuvor verhängten Freiheitsstrafen über sechs und vier Monate verbüßen muss, wird die Kammer gesondert entscheiden.

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Von Redakteur Florian Lerchbacher

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