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Eine Grenze wird passierbar gemacht

Helfer ermöglichen Grenzgang Eine Grenze wird passierbar gemacht

Seit 750 Jahren besitzt Rauschenberg Stadtrecht. Das wird vom 22. bis zum 30. Mai gefeiert. Die OP stellt einige Vorarbeiten zum Jubiläum in einer Artikelreihe vor.

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Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Grenzgang haben zahlreiche Grenzsteine freigeschnitten. Dieses Prachtexemplar an der Gemarkungsgrenze zu Himmelsberg gehört dazu.

Rauschenberg. Es hat tagelang geregnet. Der Waldboden ist völlig durchweicht. Und es regnet weiter beim OP-Ortstermin mit der Arbeitsgemeinschaft Grenzgang, die zum großem Teil aus Mitgliedern der Burschenschaft besteht. Trotz der widrigen Bedingungen ist ein gutes Dutzend Helfer zum Arbeitseinsatz gekommen. AG-Leiter Andreas Moll weiß gar nicht genau, der wievielte Arbeitseinsatz dies ist. Kein Wunder: Die wohl aufwändigsten Vorarbeiten zum Festprogramm begannen schon vor mehr als zwei Jahren. Sicher ist nur, dass die 10 bis 20 Helfer jeweils schon rund 70 Arbeitsstunden geleistet haben.

Die erste Station ist der Hirschgrund. Hier haben die Burschen einen seit 25 Jahren nicht mehr genutzten Forstweg freigeschnitten - und die schönsten noch erhaltenen Grenzsteine an der Gemarkungsgrenze zu Himmelsberg entdeckt. Auch diese waren überwachsen, einige Exemplare fanden die Stein-Scouts erst bei der dritten Nachsuche. Das ist kein Wunder in diesem naturbelassenen Waldstück, das mit reichlich Unterholz aufwartet und die Besucher mit völliger Stille umfängt.

Andreas Moll dämpft dann auch die Stimme, als er von der Unterstützung berichtet, die die Arbeitsgemeinschaft erhalten hat. Er nennt Hessen Forst und das Amt für Bodenmanagement, die Stadt, freiwillige Feuerwehr, die Jagdgenossen und die Rauschenberger Firma Rudi Herrmann. Die beiden Letztgenannten haben mit ihren Maschinen ramponierte Waldwege plan geschoben - auch auf den Wegen, die zum Hirschgrund führen. Die sehen inzwischen wieder schlimm aus, weil Holz gerückt wurde. Und auf einer Länge von rund 200 Metern wird der Grenzverlauf durch einen Berg voll Kronenholz verdeckt.

Andreas Moll ist darüber gar nicht glücklich, zumal vor eineinhalb Jahren verabredet worden sei, dass an dieser Stelle bis zum Grenzgang kein Holz gemacht werden solle. Ob sich der Schaden noch bis zum Grenzgang beheben lässt? Der AG-Leiter zuckt mit den Schultern, ist sich aber sicher, dass diejenigen, die die Wege schon einmal instandgesetzt haben, dies kein zweites Mal tun werden.

Auf der Grenzlinie unterhalb von Burgholz sind die Arbeiten noch nicht so weit vorangeschritten. Die Motorsägen bringen hier dem Gott des Lärms ein fröhliches Opfer dar. Der bergauf führende Fußweg wird Meter für Meter freigeschnitten. Talabwärts ist ein Trupp damit beschäftigt, einen Übergang über einen kleinen Bachlauf zu bauen. Die Mini-Brücke ist schon fertig, es fehlt noch das Geländer.

Andreas Moll macht sich auf den Weg, das Team mit den dazu benötigten Schrauben zu versorgen. Unterwegs erzählt er von der Idee, an den drei Grenzgangstagen die Grenzsteine an Steinpaten zu versteigern. Die Paten sollen sich um ihre Steine später kümmern. Denn der Grenzgang zum Stadtjubiläum solle kein einmaliges Ereignis bleiben. Die Burschenschaft wolle alle vier Jahre eine Teilbegehung der Grenze anbieten. An der Baustelle angekommen, zeigt sich die Brücke stabil, und die Schrauben erweisen sich als zu kurz. Das Projekt Geländer muss auf den nächsten Arbeitseinsatz verschoben werden.

Die Anstrengungen gelten den drei Tagen im Mai, an denen die Rauschenberger Grenze möglichst von vielen Interessierten erwandert werden soll. Los geht es am Sonntag, 22. Mai, um 8 Uhr. Vom Rewe-Parkplatz aus führt die Strecke über die Hardtmühle in Richtung Battenhäuser Mühle. Dann geht es bergauf durch den Himmelsberger Wald zum Frühstücksplatz nach Himmelsberg. Nach der Pause geht es über das Feld, durch den Hirschgrund und Mastall zum Alten Feld, wo der gesellige Ausklang stattfindet.

Die zweite Etappe folgt am Mittwoch, 25. Mai. Start ist um 14 Uhr am Rewe-Parkplatz. Von dort aus geht es zur Hardtmühle, wo die Landesstraße überquert wird. Dann geht es rauf in die Burgholzer Wand. Entlang der Grenze geht es wieder abwärts bis zur Fiddemühle, wo der Grenzgang ausklingt.

Der Abschluss mit dem längsten Teilstück über 15 Kilometer folgt am Samstag, 28. Mai, ab 7 Uhr vom Marktplatz aus. Die Strecke führt über das Alte Feld in Richtung Schwarzenborn und dann in Richtung Schwabendorf. Der Frühstücksplatz wird am Schwabendorfer Sportplatz eingerichtet. Weiter geht es über Wolfskaute, Irrbächer Wäldchen, Weidenscheid und Hasengraben zur Fiddemühle, wo es einen Abschluss gibt.

Musik spielt während der Grenzgänge eine große Rolle. Vor allen Etappen gibt es einen musikalischen Weckruf. Auf den Frühstücksplätzen und an den Endpunkten werden die Grenzgänger nicht nur versorgt, sondern auch musikalisch unterhalten. Dafür sorgen der Posaunenchor Schwabendorf, der Musikverein Rauschenberg, der Spielmannszug Rauschenberg, die Gruppe Rauläbsch und die Böhmischen Kellerwald-Musikanten.

von Matthias Mayer

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