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„Eine Gefahr für die Menschen“

Aus dem Amtsgericht „Eine Gefahr für die Menschen“

Zwei Freundinnen wollten am 6. Juni im Kirchhainer Annapark einen schönen Sommerabend verbringen. Der Abend endete gegen 20.50 Uhr für die jungen Frauen in Angst und Schrecken.

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Hinter der Pforte des Annaparks brachten sich zwei junge Frauen vor einem Kampfhund in Sicherheit. Foto: Matthias Mayer

Kirchhain. Sie saßen bei Dosencola auf einer Parkbank, als sich ihnen zwei junge Männer in Begleitung eines nicht angeleinten so genannten Kampfhundes näherten. Die Männer stießen schon aus der Ferne Beschimpfungen und Beleidigungen gegen die Frauen aus. Damit nicht genug: Der Hundehalter schlug der älteren Frau zunächst eine Coladose aus der Hand ins Gesicht und boxte der Frau mehrfach gegen die Brust. Als die Frauen von ihrer Parkbank flohen, hetzte er seinen Hund mit dem Kommando „Fass“ hinter den Opfern her, die gerade noch rechtzeitig die rettende Park-Pforte erreichten und hinter sich schlossen.

An den Folgen haben die beiden Opfer noch immer zu leiden. Die 23-Jährige wagt sich nicht mehr nach Kirchhain und ihre 22-jährige Freundin hat große Angst vor dem Angreifer und fürchtete sich schon vor der Verhandlung.

Die strafrechtliche Aufarbeitung des Zwischenfalls hatte für den 26-jährigen Hundehalter böse Folgen: Das unter Vorsitz von Strafrichter Joachim Filmer tagende Kirchhainer Amtsgericht verurteilte den einschlägig vorbestraften Bewährungsversager wegen Körperverletzung zu einer fünfmonatigen Freiheitsstrafe ohne Bewährung.

Der Angeklagte gab an, von der 23-Jährigen beleidigt worden zu sein. Daraufhin habe er dieser einen Schubser versetzt und auf Zureden seines Begleiters mit seinem Hund den Park verlassen.

Die 23-Jährige schilderte den Vorfall ganz anders. Sie sei mit üblen Schimpfworten beleidigt worden und habe sich dann mit den Worten „besser eine Schlampe als ein Junkie“ verbal zur Wehr gesetzt. Daraufhin sei der 26-Jährige ausgerastet, habe ihr die Coladose aus der Hand ins Gesicht geschlagen und mit beiden Fäusten auf die Brust geschlagen, gab sie im Zeugenstand an.

Blutrote Augen undgeweitete Pupillen

Ausdrücklich lobte die Frau die Rolle des Begleiters des Angeklagten. Der habe sich offensichtlich von der großen Angst ihrer Freundin beeindrucken lassen und seinen Freund wiederholt gewarnt: „Wenn Du die Mädchen schlägst, dann gehst Du in den Knast“, soll der als Zeuge geladene Mann gesagt haben, der dem Prozess unentschuldigt fernblieb.

Auch sie habe versucht, den nach ihrer Überzeugung unter Drogeneinfluss stehenden Angreifer zu „kontrollieren“ und zu beruhigen. Vergeblich. Ihr ehemaliger Schulkamerad sei wie von Sinnen gewesen, habe blutrote Augen und geweitete Pupillen gehabt. Sie habe eindeutig mehr Angst vor dem Mann, als vor dem Hund gehabt“, sagte die Frau. In einem günstigen Augenblick seien sie und ihre Freundin weggelaufen. Der Angreifer habe mit dem Befehl „Fass“ seinen Hund auf die Flüchtenden gehetzt. Der Hund sei losgelaufen, dann aber abgedreht, berichtete die Zeugin, deren Aussagen inhaltlich von ihrer Freundin bestätigt wurden.

Das freundliche Wesen des Hundes hat die Frauen möglicherweise vor Schlimmeren bewahrt. Der Verteidiger legte dem Gericht einen Wesenstest vor, den das gut erzogene und ausgebildete Tier laut Gutachter bestens bestanden hatte. Das Kommando „Fass“ kenne sein Hund nicht, sagte der Angeklagte, der sich bei seinen Opfern entschuldigte.

Der Verteidiger bat für seinen Mandanten um eine letzte Bewährungschance. Das Verhalten des Angeklagten sei zwar völlig unangemessen, die Körperverletzung bewege sich jedoch am unteren Rand.

Zu diesem Zeitpunkt hatte das Gericht bereits zwei Anklagepunkte nach § 154 der Strafprozessordnung eingestellt. Der Angeklagte soll laut Anklageschrift seine Exfreundin und deren Mutter in zwei Drohanrufen mit dem Tode bedroht haben. Das bestätigte die Exfreundin im Zeugenstand. Inzwischen sei sie mit dem Angeklagten wieder im Reinen, versicherte sie.

Auch diese Fälle belegten das Aggressionspotenzial unter Alkoholeinfluss, dass der Angeklagte nicht in dem Griff bekomme, erklärte Peter Heinisch für die Anklage. Der Amtsanwalt beantragte eine viermonatige Freiheitsstrafe ohne Bewährung.

„Sie sind eine Gefahr für die Menschen, denen sie begegnen. Eine neue Bewährungsstrafe ist undenkbar. Sie gehören aus dem Verkehr gezogen“, redete Joachim Filmer während der Urteilsbegründung Klartext. Und der Richter versicherte dem Angeklagten: „Wenn Sie jetzt nicht begreifen, werden Sie künftig sehr viel länger einsitzen, als die nun anstehenden fünf Monate.“

von Matthias Mayer

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Von Redakteur Florian Lerchbacher

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