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Eine Familie, zwei Europameister

Kleintierzucht Eine Familie, zwei Europameister

Haarscharf schrammte Martin Fries am „Triple“ vorbei. Kurios: Mit seinen Zwergwiddern des Farbschlages weißgrannen-havanna gewann er auf Europaebene, deutschlandweit landete er aber nur auf Rang zwei.

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Martin (links) und Tim Fries zeigen je ein Zwergwidder-Kaninchen aus den Kollektionen, mit denen sie Meister wurden.Fotos: Lerchbacher

Rauschenberg. Ihr Hobby bescherte Tim und Martin Fries im Jahr 2015 nicht nur viel Freude, sondern gleich noch mehrere Erfolge: Zunächst gewannen sie bei der prestigeträchtigen Widderclub-Vergleichsschau in Haltern am See mit ihren Tieren jeweils einen Titel als Rassemeister, danach ließen sie in Metz Siege bei den alle drei Jahre stattfindenden Europameisterschaften folgen. Die Jury kürte eines der Kaninchen von Martin Fries mit 97 Punkten sogar zum „Europachampion“. Nur mit dem Sieg bei den Deutschen Meisterschaften und dem begehrten „Triple“ wurde es nichts.

„Die Preisrichter sehen die Tiere eben unterschiedlich und richten sie dann auch anders“, kommentiert Martin Fries (48), der Zwergwidder weißgrannen-havannafarbig züchtet - und im Jahr 2012 bereits in der Kategorie „hasenfarbig“ Europameister geworden war. Sohn Tim (24) hat sich auf den Farbschlag chinchilla spezialisiert. Die ersten Zwergwidder dieser Art hatte er im Jahr 2003 bekommen. Die Erklärung für seine damalige Wahl ist einfach: „Die Tiere sind schwarz-weiß-grau gesprenkelt. Das gefiel mir.“ Sein Vater wechselte indes immer mal wieder die Zucht: „Ein neuer Farbschlag ist eine neue Herausforderung.“ Allerdings ist er bei weißgrannen-havannafarbig Wiederholungstäter: Schon zu Beginn des Jahrtausends hatte er solche Tiere gezüchtet. Im Jahr 2003 gewann er mit ihnen die Deutsche Meisterschaft - und steckte Tim mit dem Kaninchenzucht-Fieber an: „Als kleiner Hüpfer geht das schnell.“

Martin Fries selber war im Jahr 1988 über den Bruder zu seinem Hobby gekommen. Dieser züchtete zunächst Schlachtkaninchen, trat dem H540 Burgholz bei und „auf einmal hatte er Rassekaninchen“, erinnert sich der Hausmann und ergänzt: „Mir ging es genauso. In unserem Verein wurde ich dann überredet, ebenfalls Rassekaninchen zu züchten. Das war alles nicht so geplant, sondern hat sich irgendwie entwickelt.“

„Die Freundschaft und der Zusammenhalt unter den Züchtern sind riesig“, hat Tim Fries als Besonderes an seinem Hobby ausgemacht. Die Atmosphäre auf Meisterschaften sei schlicht toll, die Züchter würden einander helfen, und es entwickelten sich immer wieder neue Freundschaften. Entsprechend einfach scheint es auch, frisches Blut in die eigene Zucht zu bringen: Er habe beispielsweise jüngst einen Mitstreiter angesprochen und Interesse an einem bestimmten Tier gezeigt, das seine Zucht noch näher an den „Standard“ - also quasi das Optimum - bringen soll, berichtet der Chemielaborant. Der andere Züchter habe es ihm einfach überlassen mit der Bitte, irgendwann selbst den Wunsch nach einem passenden Tier erfüllt zu bekommen.

Sowohl Tim als auch Martin Fries erhielten mit ihren aus jeweils vier Tieren bestehenden „Kollektionen“ in Metz und Haltern das Urteil „vorzüglich“. Während der Sohn auf Europaebene 385 Punkte erzielte, kam der Vater gar auf 386 - was im Durchschnitt pro Kaninchen 96,5 Punkte sind. Bewertet werden Gewicht, Körperform und Bau, das Fell, bei Zwergwiddern das Rassemerkmal Kopf, Behang (das sind die Schlappohren) und Farbe sowie der Pflegezustand.

Ab 97 von 100 möglichen Punkten lautet das Urteil „vorzüglich“. „Das ist etwas ganz Besonderes“, betont Tim und hebt hervor, dass eines der Kaninchen seines Vaters in Metz dieses Traumergebnis erzielte und zum „Europachampion“ gekürt wurde. „Wir wussten ja, dass wir im Vergleich mit anderen Züchtern gut sind - aber so gut, das war schon überraschend“, gibt Martin Fries zu. Ein Geheimrezept gebe es nicht. Wahrscheinlich gehöre schon ein bisschen Glück dazu, aus den eigenen Tieren die auszuwählen, die am nächsten am „Standard“ seien, und diese sich vermehren zu lassen, um die Zucht weiter zu verbessern, sagt Tim - um dann bescheiden hinzuzufügen, dass dabei „Auge und Erfahrung“ durchaus von Nutzen seien.

Als Ziel geben die beiden aus, bei den nächsten europäischen Meisterschaften in drei Jahren ihre Titel zu verteidigen. „Das Triple zu holen wäre die Krönung“, lautet die Hoffnung von Tim. Da die Deutschen Meisterschaften aber nur alle zwei Jahre und die Europameisterschaften nur alle drei Jahre stattfinden, kann dieser Traum frühstens im Jahr 2021 in Erfüllung gehen.

von Florian Lerchbacher

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