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Eine Elite-Division stellt sich neu auf

Bundeswehr Eine Elite-Division stellt sich neu auf

Zum 1. Januar entsteht am Bundeswehrstandort Stadtallendorf die neue Division Schnelle Kräfte. Ihr werden rund 9 000 Soldaten unterstehen, darunter eine Eliteeinheit aus den Niederlanden.

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Quelle: Mark Adel

Stadtallendorf. Was sich bereits ankündigte ist inzwischen entschieden: Etwa 2 100 Fallschirmjäger aus den Niederlanden hören nach dem Jahreswechsel auf Kommandos aus Stadtallendorf. Diese Form der Kommandostruktur ist ein Novum. Brigadegeneral Reinhardt Zudrop, der stellvertretende Kommandeur der Division Spezielle Operationen, spricht von „einer für beide Seiten gewinnbringenden Situation.“ Aus der Division Spezielle Operationen entsteht zum Jahreswechsel die Division Spezielle Kräfte, einer von nur noch drei Bundeswehr-Divisionen in Deutschland. Der neuen Division untersteht dann unter anderem auch die Luftrettung der Bundeswehr, der SAR. Eine endgültige Entscheidung ist zwar noch nicht gefallen. Doch gilt es bei der Bundeswehr in Stadtallendorf als sehr wahrscheinlich, dass die Leitstelle
des SAR von Münster nach Stadtallendorf verlegt wird. Der künftigen Division Spezielle Kräfte unterstehen außerdem sämtliche Heeresflieger-Einheiten der Bundeswehr.
Derzeit ist die Stadtallendorfer Division noch in den Afghanistan-Einsatz eingebunden. 80 Soldaten sind derzeit am Hindukusch stationiert, davon 13 vom Standort Stadtallendorf. Divisionskommandeur Jörg Vollmer ist Regional-Befehlshaber im Norden Afghanistans.

Stellvertreter-Posten für Niederländer geplant

Ab Januar werden zunächst zwischen 60 und 80 Offizieren mit Familien in Stadtallendorf und Umgebung auf Wohnungssuche sein. Viele werden kleine Ein-Zimmer-Apartments favorisieren, weil sie  an Wochenenden pendeln. Die Umgliederung von der Division Spezielle Operationen (DSO) zur Division Schnelle Kräfte (DSK) ist in vollem Gange.
Inzwischen ist endgültig entschieden, dass ab 1. Januar erstmals ein niederländischer Kampfverband einer deutschen Division unterstellt wird. Mit der „11. Luchtmobielen Brigade“, deren Verbände in Schaarsbergen und Assen stationiert sind, „gewinnt die neue Division Schnelle Kräfte erhebliche Fähigkeiten hinzu“, sagt Brigadegeneral Reinhardt Zudrop. Er ist stellvertretender Kommandeur der DSO.
Erste niederländische Soldaten sind bereits in den Stadtallendorfer Divisionsstab integriert, am Ende werden es elf sein. Die Einsatzkonzepte werden derzeit aufeinander abgestimmt. International gilt die niederländische Brigade als Elitekampfverband mit Einsatzerfahrung im Irak und in Afghanistan. Ohne den Zuwachs durch die Niederländer hätten der künftigen DSK deutlich weniger Fallschirmjäger zur Verfügung gestanden als aktuell der DSO. Zudrop hält die Unterstellung der Niederländer für ein „Leuchtturmprojekt“ bei der Zusammenarbeit von Armeen verschiedener Staaten. Ein weiteres Novum: Die neue Division bekommt voraussichtlich einen zweiten stellvertretenden Kommandeur. Der Posten ist für einen niederländischen Offizier vorgesehen.

Eine endgültige Entscheidung über diese Kommandostruktur  soll zu Jahresbeginn fallen.
Klar ist aber auch: Nötige militärische Evakuierungen bleiben allein Aufgabe der deutschen Einheiten der künftigen DSK. Die Division Spezielle Operationen hat bereits einmal einen solchen Evakuierungsauftrag erfolgreich ausgeführt.  Eines wird sich nicht ändern: Die neue DSK übernimmt den bisherigen Leitspruch der DSO: einsatzbereit, jederzeit, weltweit
Ab dem 17. November unterstehen der DSO, dann künftig der DSK, auch sämtliche Heeresfliegerverbände der Bundeswehr mit Transport- und Kampfhubschraubern. Dafür sind ebenfalls Spezialisten im Divisionsstab erforderlich und eingeplant. Das heißt zunächst aber auch, dass die Stadtallendorfer Divisionsführung eng mit dem Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr verbunden bleibt. Denn ihr unterstehen auch die Transport- und Kampfschrauber am Hindukusch. Aller Voraussicht nach bleiben deutsche Heeresflieger bis ins zweite Halbjahr 2014 in Afghanistan.  Die Ausbildung von Soldaten wird sich am Standort Stadtallendorf auf die Fallschirmsprung-Ausbildung beschränken. Sie soll in der Zukunft auf einem Teil des Standortübungsplatzes erfolgen, wenn die Voraussetzungen dafür geschaffen sind.

Zahl der Patenschaften nimmt deutlich ab

Während sich die Divisionsführung auf die neuen Aufgaben einstellt, rückt für andere Einheiten am Standort der Zeitpunkt der Auflösung näher. Das Luftlandefernmeldebataillon DSO „Hessischer Löwe“. Bis 30. September 2014 soll die Einheit vollständig aufgelöst sein.  Damit enden in der Region auch mehrere Patenschaften zwischen Kompanien des Bataillons und Städten. Ein Ersatz ist kaum möglich, da dafür am Standort Stadtallendorf nicht mehr genügend Einheiten stationiert sein werden. „Entscheidungen über neue Patenschaften sind bisher nicht getroffen worden“, erklärt Brigadegeneral Zudrop. Ein Teil der Soldaten des aufzulösenden Luftlandefernmeldebataillons bleibt aber wie angekündigt am Standort und zwar in einer „Fernmeldekompanie DSK“. Was sich bereits bei der Entscheidung über die Bundeswehr-Reform vor zwei Jahren andeutete, wird nun bis Juni 2014 Realität: Der Bundeswehr-Standort Stadtallendorf wird zwar was die Zahl der stationierten Soldaten angeht kleiner. Doch die verbleibenden Mannschaften und Offiziere sind beinahe durchweg Spezialisten in ihren Fachgebieten. Am 12. Juni wird sich die Division Spezielle Kräfte mit einer Veranstaltung der Öffentlichkeit vorstellen.
Die Division Spezielle Operationen nimmt unter der Rufnummer 0 64 28 / 938- 2101 auch Angebote für Pendlerappartements in der Region rund um Stadtallendorf entgegen, um sie an wohnungssuchende Soldaten weiterzugeben.

von Michael Rinde

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