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Eine Dame setzt alle Könige matt

Auszeichnung Eine Dame setzt alle Könige matt

Hohe Auszeichnung für Ursula Lembach: Die Deutsche Schachjugend hat der Lehrerin der Martin-von-Tours-Schule den Titel "Deutsche Schachlehrerin des Jahres" verliehen.

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Ursula Lembach hat maßgeblichen Anteil daran, dass die Martin-von-Tours-Schule ein Alleinstellungsmerkmal hat.Foto: Waldhüter

Neustadt. Am wichtigsten sind die Erfolge der Schüler - das betont Lehrerin Ursula Lembach, bevor das Gespräch in ihrem Zuhause in Emsdorf auf die 58-Jährige selbst kommen kann. Die Freude über den schönen Erfolg der Wettkampfgruppe „Haupt- und Realschule“ der Martin-von-Tours-Schule, die kürzlich den dritten Platz beim Hessischen Schulschachpokal in Schlüchtern belegte, ist ihr anzumerken. Erstmals war bei diesem Turnier auch eine eigene Grundschulmannschaft gestartet und hatte von 27 Mannschaften den 15. Platz erreicht.

Doch nun zu Lembach: An der Verleihung der Auszeichnung „Deutsche Schachlehrerin des Jahres“, die während des Schulschachkongresses in Trier erfolgte, hatte Lembach krankheitsbedingt nicht teilnehmen können. Zwei Kollegen überbrachten ihr die überraschende Nachricht. Zwar habe sich die Schule um den Titel beworben, doch damit, die Auszeichnung „Deutsche Schachlehrerin des Jahres“ wirklich nach Neustadt zu holen, habe keiner gerechnet, da mittlerweile an vielen Schulen Schach angeboten wird.

In einem würdigen Rahmen wurde Lembach der Preis dann durch den Hessischen Schulschachreferenten Simon Martin Claus im Anschluss an das Turnier in Schlüchtern überreicht. Mit der Auszeichnung verbunden ist ein Gutschein über einen kostenlosen Simultanwettkampf mit einem Deutschen Jugendmeister in Neustadt. „Das hat mich mehr gefreut als jeder Blumenstrauß, weil es etwas für die ganze Schule ist“, freut sich Lembach. „Die Auszeichnung ist eine Wertschätzung meiner Arbeit und zeigt, dass in Neustadt gute Arbeit geleistet wird, die mittlerweile von vielen getragen wird“, unterstreicht Lembach, die an der MvT-Schule Mathematik, Religion, Musik und Gesellschaftslehre unterrichtet. Die Auszeichnung bedeute nicht in erster Linie, dass sie gut Schach spielen könne, sondern Schach gut vermitteln könne, klärt die Pädagogin lachend auf und öffnet den bereitstehenden Schachmethodenkoffer, angefüllt mit vielen Schachutensilien, wie Quartetts oder Schachwürfeln.

„Schach zu vermitteln ist spannend, interessant, lustig und macht einfach Spaß“, sagt sie. „Ich merke, dass Schach den Schülern gut tut, das Spiel ist eine Bereicherung für alle - und die Schüler lernen, logisch zu denken“, betont Lembach.

Sie selbst hat die ersten Schachgrundlagen bei ihrem Vater in ihrer Heimat in Flörsheim/Main gelernt. Im Alter von 11 bis 13 Jahren spielte sie im dortigen Schachclub mit. Dann rückte ihr zweites großes Hobby, das Akkordeonspielen, in den Vordergrund. Sie spielte in einem Orchester und übernahm die Leitung eines Jugendorchesters. Erst im Jahre 2009 gewann das Schachspielen für sie wieder an Bedeutung, als der sehbehinderte Schüler Roman Qayumi ihr den Vorschlag macht, in der Pause Schach zu spielen. Daraus resultierte die Gründung einer zweistündigen Schach-AG im Schuljahr 2009/2010. Seither schafft es die äußerst engagierte Pädagogin immer wieder, Schüler für das Spiel der Könige zu begeistern. Zusammen mit dem Schachclub Stadtallendorf organisierte sie ein Turnier in Neustadt, besucht mit ihren AG-Schülern jedes Jahr den Hessischen Schulschach-Pokalwettbewerb, die Hessischen Meisterschaften und mehrmals die Deutsche Meisterschaft. Dort feierte sie 2014 mit ihrer Mannschaft mit Erreichen des dritten Platzes ihren größten Erfolg.

Von einer Turnierfahrt brachte sie dann die Idee mit, das die Neustädter Schule „Deutsche Schachschule“ werden solle - und setzte diese in kürzester Zeit um. Es gelang ihr, das Kollegium für Schach zu begeistern: Weitere Lehrer qualifizierten sich und absolvierten, wie Lembach im Schuljahr 2009/2010, einen Schulschachpatentkurs.

Nun ist die MvT-Schule also Deutsche Schachschule - ein Alleinstellungsmerkmal im Landkreis, auf das sie sehr stolz ist. Seit einem Jahr organisiert Lembach nun den Schachunterricht: Alle Schüler der 1., 2. und 5. Klassen haben eine Stunde Schach regulär im Stundenplan stehen. Zusätzlich werden in der Grundschule und im Bereich der Sekundarstufe I eine AG angeboten.

Die deutschlandweite Auszeichnung sei nicht mehr zu toppen, freut sich Lembach. Für die Zukunft verspricht sie, die Begeisterung aufrecht zu halten und weiterzuführen. Wichtig sei es Nachfolger zu haben. „Diese Schritte sind gemacht“, so die 58-jährige, die verheiratet ist, zwei erwachsene Söhne und ein Enkelkind hat und sich in der katholischen Frauengemeinschaft Emsdorf engagiert. Bis zum Sommer leitete sie den Frauenchor und davor die Mädchenschola.

von Karin Waldhüter

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