Volltextsuche über das Angebot:

15 ° / 13 ° Regen

Navigation:
Eine Bühne für die eigenen Erlebnisse

Flüchtlinge Eine Bühne für die eigenen Erlebnisse

„Fliehkräfte“, so lautet der Titel eines dreitägigen Workshops, der Flüchtlingen aus der Anonymität heraushelfen und sie und ihre individuelle Geschichte erlebbar machen will.

Voriger Artikel
Kinderstar lässt die Augen strahlen
Nächster Artikel
Hilfe für Helfer, Hilfe in Extremsituation

Flüchtlinge brachten mit künstlerischen Mitteln ihre Erfahrungen mit ein.

Quelle: Karin Waldhüter

Stadtallendorf. „Ich bin stolz auf euch“, die Stimme des Komponisten Paul Graham Brown hallt laut durch die menschenleere Aula der Georg-Büchner-Schule. Am frühen Samstagnachmittag proben 16 Mädchen und Jungen intensiv auf der Bühne.

Gemeinsam mit den Musikern Silvia und Thomas Salzbauer hat Paul Graham Brown Flüchtlinge dazu eingeladen, um über künstlerische Mittel, musikalisch, tänzerisch, szenisch und über alle Sprachbarrieren hinweg ihre Erfahrungen auszutauschen.

Junge Menschen nutzen Workshop

In Stadtallendorf sind es im Wesentlichen Kinder und Jugendliche im Alter von zehn bis fünfzehn Jahren, die an dem Workshop teilnehmen. Fast alle besuchen die Intensivklasse der Georg-Büchner-Schule und leben in Neustadt, Wohratal, Rauschenberg, Stadtallendorf und Amöneburg. Zwei ältere Teilnehmer stammen aus Kirchhain.

Nour Alhoda Alhadaan ist erst seit wenigen Wochen in Deutschland und besucht seit zwei Wochen die Georg-Büchner-Schule. Sie ist 15 Jahre alt und lebt derzeit in Neustadt. Deutsch spricht sie noch nicht so gut, dafür aber perfekt Englisch, so dass die Verständigung mit dem Briten Paul Graham Brown keine Schwierigkeiten bereitet. Nour hat ihre schlimmen syrischen Kriegserlebnisse auf selbst gemalten Bildern festgehalten.

Bilder helfen

Die Bilder machen betroffen, zeigen sie doch ihre Freundin, die bei einem Bombenangriff getötet wurde. Aus den Erlebnissen der Schüler heraus sind im Laufe des Workshops Tänze, Szenen und Musik entstanden.

Nour Alhoda Alhadaan erläutert aus ihrer Sicht die Teilnahme am Workshop. Keiner der Teilnehmer spreche die gleiche Sprache, erzählt sie. Einige Wörter habe sie schon im Deutschunterricht gelernt. „Wir wollen den Menschen zeigen, wie wir uns fühlen, wollen Dinge zusammen machen und voneinander lernen“, sagt die 15-Jährige in englischer Sprache.

Wie sich die junge Syrierin fühlt, beschreibt ein Tanz. Dabei wird sie von einer Teilnehmerin in eine Richtung gezogen, während sich langsam ein Kreis aus weiteren Teilnehmern um sie schließt und ihr schließlich jeder Raum genommen ist.

Der Workshop resultiert in einer 20- bis 30-minütigen Aufführung am Sonntagabend vor Publikum und mit einer anschließenden Fragerunde. Die ursprüngliche Idee, Flüchtlinge in die Theaterarbeit einzubinden, stammt von der Intendantin der Biedenkopfer Schlossfestspiele Birgit Simmler.

Großes Engagement

Im Musical „Postraub“, an dem auch Paul Graham Brown, einer der führenden Musical- Komponisten im deutschsprachigen Raum, und die beiden Musiker Silvia Salzbauer und Thomas Salzbauer mitgewirkt hatten, integrierte Simmler bereits Flüchtlinge in das Ensemble. Brown hatte dann die Idee eigene Geschichten der Teilnehmer auf die Bühne zu bringen.

Hamza Alahmed war auch schon bei den Schlossfestspielen dabei. Er steht der Gruppe unterstützend beiseite und hilft zum Beispiel beim Übersetzen. Marlen Schäfer hat mit den Schülern die Choreographie eingeübt.

Integration lebt von Begegnung

„Es ist wichtig, nicht nur über den Sprachunterricht zu integrieren und die Menschen nicht nur mit Anforderungen zu konfrontieren, sondern ihnen auch eine Bühne zu geben, um ihre Erfahrungen und Erlebnisse einzubringen“, hebt Schulleiter Urban Sersch hervor. Die Schüler hätten während des Workshops freiwillig komplette Tage in der Schule verbracht, das zeige, wie hoch die Bereitschaft sei sich einzubringen.

Es sei eine wichtige Erfahrung gemeinsam etwas zu tun, man lerne nicht nur durch die Sprache, sondern auch mit Musik und Gestik Dinge auszudrücken und andere Wege der Kommunikation zu finden.

Der Workshop ist integriert in das „Voice“-Programm des Landkreises. Gemeinsam stellten der Erste Kreisbeigeordnete Marian Zachow und Rainer Flohrschütz vom Büro für Integration das Programm vor. „Integration lebt von Begegnung“, unterstreicht Marian Zachow.

von Karin Waldhüter

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr