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Eine Blaupause gibt es nicht

Sakramente Eine Blaupause gibt es nicht

Viele katholische Christen haben eine Lücke in ihrer kirchlichen Biografie: Das Sakrament der Firmung fehlt. Daran möchte der Amöneburger Pfarrer Marcus Vogler jetzt etwas ändern.

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Pfarrer Marcus Vogler bietet erstmals einen kompakten Firm-Kurs für junge Erwachsene an.

Quelle: Matthias Mayer

Ostkreis. Wenn die katholisch getauften Kinder in die dritte Klasse kommen, gehen sie praktisch geschlossen zum Kommunionkurs, an dessen Ende sie zur Teilnahme an der Feier der Eucharistie zugelassen werden. Letzteres geschieht bei der Feier der Erstkommunion, die am Sonntag nach Ostern erfolgt.

Fünf, sechs oder sieben Jahre später stehen die Firm-Kurse an, bei denen der Automatismus der Teilnahme für die dann zwischen 14 und 16 Jahre alten Jugendlichen nicht mehr greift. Die Reihen der Kursteilnehmer haben sich gelichtet; nicht wenige Jugendliche verzichten auf die Firmung.

Dabei ist die Firmung aus kirchlicher Sicht sehr wichtig, wie Pfarrer Marcus Vogler im Gespräch mit dieser Zeitung sagt: „Die Firmung ist die volle Aufnahme des Gläubigen in die katholische Kirche. Sie bedingt die bewusste Entscheidung, als aktiver Christ zu leben.“

Entscheidung für Jesus kann die Oma nicht treffen

Und diese Entscheidung müssen nach Überzeugung des Pfarrers allein die jungen Leute für sich treffen. Und das in einer Lebensphase, in der Jugendliche gern gegen alles opponieren. In Traugesprächen mit jungen Leuten hat er immer wieder gehört, dass Oma, Opa und die Eltern zur Teilnahme am Firm-Kurs drängten, was die Angesprochenen mit einem „nun gerade nicht“ quittierten. Marcus Vogler findet diese Haltung gar nicht schlimm, weil die bewusste Entscheidung für Jesus nicht die Oma, sondern nur der junge Gläubige selbst treffen könne.

In Gesprächen mit jungen Erwachsenen, die sich nicht haben firmen lassen, hat der Pfarrer häufig den Satz gehört, „wenn ich heute vor der Frage stünde, würde ich mich anders entscheiden“.

Das hat Marcus Vogler nicht ruhen lassen. Der Gedanke, eine Firmung für Erwachsene anzubieten, beschäftigte ihn über einen langen Zeitraum, zumal es ein solches Angebot in der Fläche des Bistums Fulda nicht gibt. Der Seelsorger weiß nur von einem zentralen Firm-Termin für Erwachsene in Fulda. Für die Umsetzung eines dezentralen Firm-Angebots für junge Erwachsene in der Region gibt es jedoch keine Blaupause. Ein Konzept, das auf die begrenzte Zeit erwachsener Firm-Kandidaten Rücksicht nimmt, musste entwickelt werden.

Ein Angebot für alle katholischen Christen

Der Pfarrer gestaltete dies gemeinsam mit der Ginseldorfer Gemeindereferentin Andrea Thomanek. Herausgekommen sind fünf Glaubens- und Gesprächsabende, bei denen die Teilnehmer „nicht mit Wissen überfrachtet, sondern dazu angeregt werden sollen, über sich und ihren Glauben nachzudenken“ - so Pfarrer Marcus Vogler. Diese Abende finden zwischen dem 26. März und dem 29. Mai jeweils um 20 Uhr im Amöneburger Johanneshaus (neben der Stiftskirche) statt. Krönender Abschluss der Vorbereitung auf die Firmung ist am Sonntag, 31. Mai, der Gottesdienst um 10.15 in der Stiftskirche St. Johannes der Täufer in Amöneburg. Dort wird Bischof Heinz Josef Algermissen persönlich das Sakrament der Firmung spenden - ein deutliches Zeichen dafür, dass das Amöneburger Experiment den Segen des Fuldaer Oberhirten hat.

Zu diesem Experiment sind nicht nur Gläubige aus dem Pastoralverbund St. Bonifatius Amöneburg eingeladen, sondern alle katholischen Christen, die gefirmt werden wollen. Begleitet werden die Vorbereitungsabende von Andrea Thomanek und Marcus Vogler, die in kirchlicher Erwachsenenbildung schon mit ihren gemeinsamen Glaubenskursen Erfahrungen gesammelt haben. „Wir müssen die Sprachfähigkeit erlangen, um über unseren Glauben reden zu können. Wenn wir gefragt werden, müssen wir Auskunft geben können über das, was wir als katholische Christen machen. Und das ist am 31. Mai nicht abgeschlossen; es geht weiter. Es lohnt sich, als aktiver Christ zu leben, sich zur Kirche zu bekennen“, formuliert Pfarrer Marcus Vogler Ziele, die noch ein gutes Stück über das vorrangige Ziel der Firmung hinausgehen.

von Matthias Mayer

Das Programm

Donnerstag, 26. März: Nach meinem Abbild - Auseinandersetzung mit dem christlichen Gottesbild und Menschenbild.

Mittwoch, 15. April: Kommt und seht! - Jesus Christus und die Sakramente.

Dienstag, 19. Mai: Gott mit den Menschen auf dem Weg durch die Zeit - meine Kirche und ich.

Freitag, 29. Mai: Abend der Versöhnung in der mit Kerzen illuminierten Stiftskirche mit Beichtgelegenheit und ansprechender Musik.

Samstag, 30. Mai: Vorbereitungstreffen des Festgottesdienstes in der Stiftskirche.

 Sonntag, 31. Mai, 10.15 Uhr: Festgottesdienst.

  •   Anmeldung: Telefon 06422/ 2882 oder per Mail an pfarrer.vogler@pastoral.bistum-fulda.de
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