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Eine "Acht" wird auch mal zur Qual

Mountainbike-Schule Eine "Acht" wird auch mal zur Qual

Den Anfang nahm alles an der Georg-Büchner-Schule. Ihr erfolgreiches Bikeschool-Projekt strahlt längst auf ganz Hessen aus. Die Schüler profitieren nicht nur sportlich.

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Thorsten Lerch gibt einem jungen Mountainbiker Hilfestellung, der mit anderen Teilnehmern gerade vorsichtig eine Treppe heruntergefahren ist.

Quelle: Nadine Weigel

Stadtallendorf. Bremsen muss ein Mountainbiker können. Wer die Räder unnötig blockieren lässt, verliert unter anderem auch mal die Kontrolle, was alles andere als gut ist auf Tour und bei Hindernissen. Auch die Bedeutung der Vorderradbremse ist nicht jedem „Biker“ gleich bewusst. Sie macht 70 Prozent der Gesamtbremswirkung aus. „Meistens greifen Anfänger eher zur Hinterradbremse zuerst“, sagt Thorsten Lerch. Der Lehrer der Georg-Büchner-Schule ist „Vater“ der seinerzeit ersten Bikeschool hessenweit.

2011 begann das Wahlpflichtangebot an der Georg-Büchner-Schule. Die Erfolgsgeschichte nahm ihren Lauf. Die OP besuchte eine Unterrichtseinheit der Bikeschool, aktuell mit Teilnehmern aus den Jahrgangsstufen 9 und 10. Manche von ihnen stehen noch am Anfang ihres Mountainbiker-Daseins.

Auf dem Schulhof gibt es farbige Hütchen

Zwei andere beispielsweise fahren privat schon so lange, dass sie inzwischen die Qualifikation haben, selbst über Gruppen Aufsicht zu führen. Gerade bei den später anstehenden geführten Touren in das Gelände sind solche verantwortungsbewussten Schüler für Lerch sehr wertvoll.

Auf dem Schulhof verteilt Lerch trotz Minusgraden kleine farbige Hütchen. Es gilt, die Geschicklichkeit zu trainieren. Vorsichtig fahren die Mountainbiker die Innenkanten der Quadrate ab. Ein besonders enges Quadrat gilt an diesem Tag als „Königsdisziplin“. Und alle der 13 Teilnehmer an diesem kalten, aber trockenen Unterrichtstag wollen sich daran versuchen.

Henning hat augenscheinlich besonders wenig Probleme mit der „Königsdisziplin“. Er hat aber auch schon besonders viel Routine beim Biken. „Ich bin mit meinem Vater schon als Kind viel gefahren“, sagt der 16-Jährige aus Erksdorf. Für ihn ist die „Bikeschool“ eine große Bereicherung des Unterrichtsangebots. Er erlerne richtiges Verhalten, erkenne die eigenen Fehler und werde im Gelände dadurch immer besser. „Dank Herrn Lerch und seiner Übungen“, betont er.

Kein Ersatz, sondern wertvolle Ergänzung

Dabei ersetzt die Mountainbike-Schule keinesfalls den regulären Sportunterricht. Sie will ergänzen und erweitern. Und das mit Erfolg, wie Thorsten Lerch berichtet. Rund 150 Schüler hat er gemeinsam mit Kollegin Uta Müller in den vergangenen Jahren unterrichtet.

Bei vielen Anfängern hätten sich die Motorik und der Gleichgewichtssinn schnell verbessert. Und Radfahren, gleichgültig ob mit dem Mountainbike, dem Touren- oder Rennrad, gewinne immer mehr gesellschaftliche Relevanz. „Wir bringen den Schülern bei, ein umweltfreundliches Verkehrsmittel wirklich zu beherrschen und auch die dazugehörigen Regeln kennenzulernen“, sagt Lerch.

Nicht jedem jungen Mountainbiker leuchtet jede Übung auf dem Schulhof dabei sofort als sinnvoll ein. „Eigentlich reicht es doch, geradeaus und um die Kurve zu fahren und bremsen zu können“, meint ein 14-Jähriger. Er „quält“ sich gerade damit, eine Acht in einem Quadrat zu fahren. Der Biker sieht aber schnell ein, dass auch diese Übung einen tieferen Sinn hat.

Zu jeder Unterrichtsstunde gehört Sicherheitscheck

Demnächst steht eine größere Tour nach Burgholz an. Den Schülern wird vorher genau vermittelt, was sie im Gelände dürfen und was auf keinen Fall erlaubt ist. „Es geht auch um Verantwortung im Umgang mit der Natur“, betont Thorsten Lerch.

Um Verantwortung geht es auch an anderer Stelle in der Bike­school. Zu jeder Unterrichtsstunde gehört ein Sicherheitscheck. Außerdem hat jeder Schüler nach intensiver Einweisung auch die Verantwortung für die Fahrradpflege.

Nach Unterstützung durch Sponsoren und den Förderverein (die OP berichtete) besitzt die Büchner-Schule mittlerweile über 37 Mountainbikes, besonders gesichert in einem eigenen Gebäude. Die Bikeschool der GBS war beispielgebend. Aus ihr entstand der Bikepool, der Fortbildungen für Mountainbike-Lehrer an anderen hessischen Schulen anbietet. Vorsitzender dieses Vereins ist Thorsten Lerch. Allein im vergangenen Jahr wurden 120 Teilnehmer weiterqualifiziert. In wenigen Wochen beginnt die Bikeschool für fünfte und sechste Klassen, wieder ein wenig Neuland. „Aber darauf freuen wir uns hier schon alle sehr“, sagt Lerch.

von Michael Rinde

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