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Einblicke in die Deponie-Pläne

"Atem"-Projekt Einblicke in die Deponie-Pläne

Der am heutigen Samstag in der Erddeponie stattfindende Tag der offenen Tür soll helfen, Unklarheiten rund um die geplante, zukünftige Nutzung des Gebietes auszuräumen.

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Volker Kais (Zweiter von rechts) hat Michael Richter-Plettenberg (von links), Folke Diederich und Peter Heider mit an seinen Lieblingsplatz auf der Deponie genommen – der bisher noch keine Rolle in den Nachnutzungsplänen spielt.

Quelle: Florian Lerchbacher

Amöneburg. „Wo Informationen fehlen, da kommen Fantasie, Sorgen und Ängste ins Spiel“, sagt Folke Diederich. Der Diplom-Geologe plant für die Stadt Amöneburg, wie diese den ehemaligen Steinbruch am Fuß des Berges in Zukunft für touristische Zwecke nutzbar machen könnte - und sieht sich immer wieder mit Fehlannahmen konfrontiert. Aus diesem Grund entschied sich die Stadt, einen Tag der offenen Tür zu veranstalten, bei dem Bürger die Möglichkeit bekommen, sich über das „Atmen“-Projekt und die Pläne zu informieren.

„Atmen“ steht für die Schlagworte Amöneburg, Tourismus, Mobilität, erneuerbare Energien und Natur- und Landschaftsbild. Die Stadt hofft, all diese Punkte in die Nachnutzung integrieren zu können - wenn es denn gelingt, eine Änderung des Rekultivierungsplanes umzusetzen. Hoffnung darauf dürfen sich die Amöneburger allerdings machen: Behörden und Entscheidungsträger hätten sich offen für die Pläne gezeigt.

Touristische Nachnutzung angedacht

Wenn die Erddeponie ihr Fassungsvermögen erreicht hat, ist es das Ziel, die Fläche touristisch zu nutzen. Angedacht ist unter anderem, dort Geo- und Naturlehrpfade einzurichten, einen Teil als Naturschutzgebiet auszuweisen, ein Gewässer anzulegen - das im Optimalfall auch als Badesee genutzt werden kann -, Übernachtungsmöglichkeiten zu schaffen, regenerative Energieanlagen einzurichten oder eine Anbindung an die Stadt auf dem Berg zu gestalten. Nicht zu vergessen der einst als Halle angepriesene, inzwischen zur „Aktionsfläche“ (mit, je nach Investoren-Interesse, Überdachung) modifizierte Bereich, der für Veranstaltungen genutzt werden könnte. „Das ist ja nur eine Angebotsplanung“, hebt Diederich hervor. Ob diese auch zur Umsetzung komme, stehe noch in den Sternen.

Volker Kais betreibt die Deponie seit einigen Monaten im Auftrag der Stadt, baut angelieferte Erde ein und gestaltet den ehemaligen Steinbruch so, wie es in den Plänen zur touristischen Nachnutzung aufgeführt ist. „Natürlich immer im Rahmen der bestehenden Genehmigungen“, betont Diederich.

Arbeitstitel lautet "Romantikschlucht"

Bisher zu sehen sind angedeutete Fußwege, die durch das mögliche Naturschutzgebiet mit Bio- und Geotopen im östlichen Teil des Gebietes (vom Eingang aus nach links) führen könnten. Arbeitstitel des Bereiches, in dem sich auch Dr. Astrid Wetzel, die Leiterin des Naturschutz-Informationszentrums Amöneburg (Niza) einbringt, ist „Romantikschlucht“ . Etwas weiter oben lässt sich bereits eine mögliche Wasserfläche erahnen, an die eine Liegewiese angrenzen könnte. „Das wäre der perfekte Ort für einen Bergsee. Mit Blick über das Tal - ein Traum“, schwärmt Bürgermeister Michael Richter-Plettenberg.

Eine „Erdnase“, an der auch ein Ausflugslokal oder Lodges für Übernachtungen angrenzen könnten, trennt dieses Gebiet von einem möglichen, unter Umständen mit Fotovoltaikanlagen überdachten Parkplatz ab - so zumindest der Wunsch des Planers.

Gebiet ähnelt einer Mondlandschaft

Wer sich für die Aktionsfläche interessiert, kann sich diese vom höchsten Punkt aus anschauen: Das derzeitige Büro der Erdannahme würde sich nicht ganz in der Mitte des Bereiches befinden, der von einem Erdwall umrandet werden soll. Ob ein möglicher Investor auch noch ein Gebäude errichten würde, in dem ein neues Niza und möglicherweise auch ein Geo-Informationszentrum Platz finden würden, ist ebenfalls noch mehr als unklar: „Das hinge davon ab, ob diese sich integrieren ließen. Ein separates, von der Stadt errichtetes Gebäude halte ich für unrealistisch“, sagt Richter-Plettenberg.

Rund 25000 Kubikmeter Erde wurden in den vergangenen Monaten in der Deponie verbaut. Bis die Kapazität ausgeschöpft ist, können es bis zu 100000 Kubikmeter sein. An einigen Stellen lässt sich zwar erahnen, was dort passieren könnte - allerdings ähnelt das Gebiet vornehmlich einer Mondlandschaft, auf der fleißig Erde angeliefert und befestigt wird. „So bleibt es aber natürlich nicht. Es kommt noch Rekultivierungsboden oben drauf“, erklärt Diederich.

Vierte Messung steht noch an

Der Bürgermeister, Planer Diederich, Geologe Gert Hippenstiel, Bauleitplaner Matthias Wolf, Volker Kais und Peter Heider, der Deponiebeauftragte der Stadt, stehen am heutigen Samstag während des Tages der offenen Tür als Ansprechpartner zur Verfügung. Sie beantworten beispielsweise Fragen zum Projekt, zum Stand der Planungen und Verhandlungen, zu den Motiven, die für eine touristische Nachnutzung sprechen, zu den strengen Kontrollen, die die angelieferte Erde vor dem Einbau durchlaufen muss, aber auch zu naturschutz- und artenschutzrechtlichen Fragen, wie der Kartierung dort angesiedelter Vögel und Amphibien. Und natürlich stehen sie auch für Informationen zum Methangasaustritt zur Verfügung. Nach drei von vier Messungen sieht es so aus, dass die einst als „Hotspots“ angesehenen Stellen bereits ausgegast seien, sagt Diederich. Es stehe aber noch eine vierte Messung an - und er sei sich sicher, dass das Regierungspräsidium im Sommer eine weitere Überprüfung folgen lassen werde.

Der Tag der offenen Tür - zu dem es, wie der Bürgermeister hervorhebt, kein Rahmenprogramm gibt - findet am heutigen Samstag von 14 bis 17 Uhr statt. Es gibt drei Führungen mit den Experten, die für 14.30, 15.30 und 16.30 Uhr vorgesehen sind und jeweils rund 30 Minuten dauern.

von Florian Lerchbacher

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Von Redakteur Florian Lerchbacher

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