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Ein wichtiger Teil der Wertevermittlung

Weihnachten in der EAE Ein wichtiger Teil der Wertevermittlung

Als der Weihnachtsmann die neue Teeküche in der Erstaufnahmeeinrichtung (EAE) für Flüchtlinge betritt, ist die Freude bei Jung und Alt groß - und zwar unabhängig von der Konfession der Menschen.

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Ausgestattet mit einem „offiziellen“ Ausweis des Regierungspräsidiums und unter großem Hallo betrat der Weihnachtsmann die Teestube.Fotos: Florian Lerchbacher

Neustadt. Neustadt. „Natürlich feiern wir mit. Das Fest ist schön und die Kinder sind begeistert“, betont Anida Arifaj. Kurz zuvor hat die Muslimin gemeinsam mit zahlreichen Kindern und Erwachsenen aus verschiedenen Ländern dieser Erde „Oh Tannenbaum“ gesungen und jubelnd den Weihnachtsmann begrüßt. Sie sei sehr glücklich, in Deutschland zu sein und wolle nun natürlich auch das Land und seine Gepflogenheiten kennenlernen. Die jungen Albanerin ergänzt, dass sich die Menschen gegenseitig Respekt erweisen sollten - daher ist es für sie selbstverständlich, Weihnachten mitzufeiern.

Werte und Brauchtum vermitteln: „Das ist ein wichtiger Teil unserer Integrationsarbeit“, stellt Dominik Zutz, der Leiter der Erstaufnahmeeinrichtung, heraus: „Wir machen keine Unterschiede zwischen den Konfessionen. Die Menschen müssen lernen, miteinander zu leben. Religion war hier aber auch noch nie Auslöser eines Streits. Die Bewohner gehen sehr offen miteinander um.“

So auch während der Weihnachtsfeier am Donnerstagnachmittag, die noch dazu optimal war für die Einweihung der Teestube, in der künftig auch größere Gruppen zusammenkommen können - und dabei auch ein Dach über dem Kopf haben. Der neue Treffpunkt war beinahe schon zu klein für das Fest, zu dem nahezu alle der etwas mehr als 200 derzeit in der EAE untergebrachten Flüchtlinge kamen. „So viele Kinder. Herrlich. Das ist Weihnachten“, freut sich Wolfram Ellenberg, der erste Stadtrat, während alle Kinder vom Weihnachtsmann kleine Präsente entgegennahmen. Für eine Familie war Weihnachten sogar noch zwei Tage früher: Die Eltern waren mit ihrem spastisch-gelähmten Kind nach Deutschland geflohen. Eine der wichtigsten ersten Hilfen für die Familie war ein Rollstuhl für den Jungen - den das Sanitätshaus Korn nach einem kurzen Anruf spontan spendete, wie Zutz berichtet.

Er und seine Mitarbeiter hatten Teestube und Speisesaal weihnachtlich geschmückt und mit einem Baum dekoriert. Ähnlich weihnachtlich sieht es in der Spielstube aus, in der Kinder den Schmuck gebastelt hatten. Und für Heiligabend werde sich die „Küche vom üblichen Speiseplan abweichende Gerichte ausdenken, um damit der Besonderheit des Weihnachtsfestes auch entsprechend Rechnung zu tragen“, erklärt Zutz.

Orthodoxe Weihnachten

Eine für sie neue Art des Weihnachtsfestes erlebte übrigens Aleksandra Djordjevic. Die gebürtige Mazedonierin, die mit ihrer Familie von Serbien nach Deutschland geflohen ist, bekennt sich zur Orthodoxie. Sowohl die mazedonische als auch die serbische Kirche richten sich nach dem julianischen Kalender und zelebrieren festliegende Feiertage 13 Tage später als die westlichen Kirchen und die orthodoxen Neukalendarier.

In ihrer Heimat sei es Tradition, vor Heiligabend - dem 6. Januar - drei Tage lang zu fasten beziehungsweise auf Fleisch und Milchprodukte zu verzichten. Abends bereitet die Familie ein Festmahl zu. „Fastenbrechen“ ist dann am Morgen des 7. Januar. „Das jüngste Kind der Familie muss Wasser am Brunnen holen, danach an die Haustür klopfen und fragen, ob jemand zuhause ist“, berichtet Djordjevic. Danach betritt es das Haus und verkündet, dass Jesus geboren sei. Im Anschluss habe ihre Schwiegermutter es immer mit Gerse bestreut, um ihr Gesundheit zu wünschen.

Das Brunnenwasser nutzte die Familie dann, um Brot zu backen, in das ein Maiskorn und ein Geldstück hineinkommen. Wer die Münze beim Brotbrechen - zu dem ein Ei in einer Schüssel gereicht wird - erwischt, dem winkt laut Tradition Glück. Danach geht‘s an den reichgedeckten Tisch, der nach dem Festmahl abgedeckt wird. Drei Tage lang wird weder abgeräumt noch Geschirr gespült. Stattdessen kommen Freunde, Verwandte und Nachbarn zu Besuch, die ebenfalls Speisen mitbringen.

Spezielle Geschenke für bestimmte Personen gebe es keine, stellt Djordjevic heraus. Stattdessen liege unterm Tisch ein Haufen Stroh, in dem Geld, Süßigkeiten und kleine Präsente versteckt werden. Wer im Stroh wühlt, darf behalten, was er findet. Und einen Weihnachtsbaum gibt‘s auch nicht, stattdessen Zweige vom Wacholder. Auf den Baum greifen die Ostkirchen am 14. Januar zurück - dann feiern sie das neue Jahr.

von Florian Lerchbacher

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