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Ein "weißer Fleck" verschwindet

Rettungsdienst-Konzept Ein "weißer Fleck" verschwindet

Ab 1. Juli ändert der Kreis als Verantwortlicher für den Rettungsdienst Standorte von Notarztfahrzeugen und Rettungswagen. Das gilt zunächst probeweise für ein halbes Jahr.

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Ein Notarzt wird mit Blaulicht zu einem Unfall gebracht. Der Kreis will die notärztliche Versorgung verbessern, zunächst „auf Probe“. Foto: Tobias Hirsch

Stadtallendorf. Eine dritte Garage hatte die Stadt Stadtallendorf in den vergangenen Monaten schon angebaut. Ab 1. August parkt dort das Notarzt-Einsatzfahrzeug neben einem 24-Stunden-Rettungswagen. Hinzu kommt ein Fahrzeug des DRK, der schnellen Eingreifgruppe Ostkreis.

Der Notarzt ist bisher in der Kirchhainer Wache stationiert und fährt bei Alarm in die Nachbarstädte. Es muss aber keiner fürchten, dass der Standort Kirchhain abgewertet wird. In der Ohmstadt sind künftig zwei Rettungswagen rund um die Uhr stationiert. Im Ostkreis wird es bei diesem neuen Rettungsdienst-Konzept „auf Probe“ die größten Umstellungen geben. Aber die wichtigste Neuerung in dieser Testphase gibt es in Lahntal-Göttingen. Dort wird ein zusätzliches viertes Notarzt-Einsatzfahrzeug stationiert, wie Kreisbrandinspektor Lars Schäfer und Kreissprecher Stephan Schienbein im Gespräch mit der OP erläutern. Damit schließe der Kreis eine Lücke, die er bei der notärztlichen Versorgung im Nordkreis erkannt habe, sagt Schäfer. Anders als bei der Feuerwehr gibt es beim Notarzt keine feste Hilfsfrist. Anspruch sei es, dass ein Notarzt 15 Minuten nach der Alarmierung am Einsatzort sei, sagt Schienbein. Auch der Rettungsdienst unterliegt neben gesetzlichen Vorgaben einer ständigen Qualitätskontrolle. Dabei hat sich gezeigt, dass es im Nordkreis einen „weißen Fleck“ bei der Notarzt-Versorgung gibt. Der soll jetzt verschwinden. Der Göttinger Notarzt wird während der „Probezeit“ in angemieteten Räumen unterkommen. Eine Dauerlösung soll es nach der Testphase geben.

Im Hinterland gibt es in Biedenkopf eine weitere Änderungen. Dort wird ein zusätzlicher zweiter Rettungswagen stationiert. Neben Marburg sind aktuell noch Notarztfahrzeuge in Kirchhain und Wolfgruben stationiert. Es gibt noch mehr Gründe für die jetzt vorgesehenen Verschiebungen: Bisher überlappen sich einzelne Einsatzgebiete der Notarztfahrzeuge, etwa zwischen Marburg und Kirchhain. Durch die Verlegung des Kirchhainer Fahrzeuges nach Stadallendorf werden jetzt auch Randbereiche wie in Neustadt besser versorgt - auch wenn es dort bisher schon keine „weißen Flecken“ gab. „Doch es kann schon schwierig werden, im Fall der Fälle von Kirchhain in 15 Minuten bis Mengsberg zu kommen“, sagt Lars Schäfer.

Warum läuft jetzt zunächst nur ein Testbetrieb, wenn der Kreis das neue Konzept doch für unbedingt erforderlich hält? Das hängt mit der Finanzierung zusammen.

Im Falle des Rettungsdienstes zahlen die Krankenkassen als Kostenträger. Mit denen musste der Kreis vor allem das vierte Notarztfahrzeug samt Besatzung aushandeln. Die Kassen hätten zunächst eine Erprobungsphase gewünscht, dem habe sich der Kreis nicht entziehen können. Politischen Widerstand gegen die Veränderungen gab es bisher nicht, offenbar fühlt sich keine Kommune benachteiligt. Gleich nach Beschluss des Kreisausschusses Mitte April wurden die Bürgermeister der betroffenen Städte Stadtallendorf und Kirchhain informiert. Rückmeldungen blieben bisher aus. „Wir bekommen jetzt definitiv eine bessere Notarzt-Versorgung im Landkreis“, betont Schäfer.

Neustadt wird genau beobachtet

Einen Punkt konnte der Kreis bei seiner Neuplanung des Rettungsdienst-Konzeptes noch nicht berücksichtigen: die neue Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge in Neustadt. Die Entscheidung, die frühere Kaserne für Flüchtlinge umzubauen fiel erst, als die Verhandlungen mit den Kassen schon abgeschlossen waren.

Doch Schäfer erneuert seine Zusage, dass die Einsatzstatistiken für den Neustädter Rettungswagen sehr genau beobachtet werden. „Und wenn es sich zeigt, dass wir dort Verstärkung brauchen, werden wir sofort handeln“, verspricht er. Bezahlen müsste diese Verstärkung dann allerdings das Land, mit dem der Kreis das dann noch aushandeln müsste.

Ab 1. September werden im Landkreis Marburg-Biedenkopf neben den dann vier Notarztfahrzeugen 16 Rettungswagen, die rund um die Uhr besetzt sind, und weitere 13 Rettungswagen, die tagsüber verfügbar sind, im Einsatz sein.

von Michael Rinde

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