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Ein temporärer Zoo für den Herrenwald

Grafitti-Kunst Ein temporärer Zoo für den Herrenwald

Seit einigen Wochen erfreuen Graffiti auf Folie die Besucher des Herrenwaldes. Diese Zeitung fand die bisher nur Insidern bekannten Künstler, aus deren Spraydose die Werke stammen.

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Derzeit verzieren Dennis Süßner (links) und Emeljan Tews eine Wand der Südschule.

Quelle: Florian Lerchbacher

Stadtallendorf. Ein Eichhörnchen mit zwei Walnüssen in den Pfoten, ein Tiger, zwei Äffchen beim Tennisspielen und der unglaubliche Hulk - all diese Figuren hängen seit einigen Wochen am Märchenpfad zwischen Stadtallendorf und Neustadt. Im Internet haben sich bereits einige Besucher des Herrenwaldes als Fans geoutet und fragen sich nun, wer zwischen Bäumen Folien gespannt und die Bilder aufgesprüht hat. Insider der Stadtallendorfer Graffiti-Szene wissen längst Bescheid, schließlich können sie die Signaturen den Künstlern zuordnen. Nach ausgiebiger Recherche kann die OP nun Licht ins Dunkel bringen: Des Rätsels Lösung: Es sind Emeljan Tews (24) und Dennis Süßner (23), die den Wald als Ausstellungsraum entdeckt haben.

Zwei junge Stadtallendorfer haben sich an einer neuen Graffiti-Methode versucht: Ein Eichhörnchen mit zwei Walnüssen in den Pfoten, ein Tiger, zwei Äffchen beim Tennisspielen und der unglaubliche Hulk – all diese Figuren hängen seit einigen Wochen am Märchenpfad zwischen Stadtallendorf und Neustadt.
Fotos: privat, Sören-Helge Zaschke (myheimat.de), Florian Lerchbacher.

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„Wir wollten einfach mal etwas Neues ausprobieren und nicht immer nur Wände als Leinwand nutzen“, erklärt Tews. Er habe im Internet Videos von Sprayern gesehen, die Industriefolie für ihre Kunstwerke nutzten. „Das wollte ich auch versuchen. Es wirkt, als würden die Motive in der Luft hängen“, sagt er, während Süßner betont: „Die Farben kommen noch einmal ganz anders. Die Effekte sind klasse, und die Bilder sehen einfach cool aus.“ Als Motive wählten sie überwiegend Comictiere aus, weil diese schließlich in den Wald und irgendwie auch zum Märchenpfad passten.

Noch dazu richten die beiden Stadtallendorfer mit ihrer Folienkunst keinen Schaden an, da sie ihre Bilder nach einigen Wochen wieder entfernen: „Es ist doch klar, dass die Folie nicht im Wald liegen bleibt“, sagt Tews. Sie wollten schließlich „nichts Illegales“ machen - was in Stadtallendorf leider immer schwerer sei, da es bisher nur zwei Wände gab, die offiziell für Graffiti freigegeben waren. Eine davon dürfe inzwischen aber auch nicht mehr genutzt werden.

Andererseits können sich die beiden jungen Männer auch über Aufträge nicht beschweren. Derzeit verzieren sie in offiziellem Auftrag die Südschule, oftmals würden sie aber auch von Eltern angeheuert, um Kinderzimmer zu verschönern: „Meist mit Namen, Figuren, Tieren - je nachdem, worauf die Kinder halt so abfahren“, berichtet Tews und ergänzt: „Wenn Farbe da ist, geht alles.“ Wobei er manchmal etwas launisch sei und die Arbeit etwas schleifen lasse, gibt der 24-Jährige zu. Ähnlich habe es in der Schulzeit mit seinem Willen zuzuhören ausgesehen: „Ich zeichnete lieber“, erinnert er sich. Insofern habe er die von seinem Vater geerbte Kunstfertigkeit bereits als Jugendlicher verbessert.

Kunst soll bald mehr Öffentlichkeit erfahren

„Ich habe schon als Kind gern und viel gezeichnet“, sagt Süßner. Anfangs sei es schwierig gewesen, kleine Motive von Papier auf Wände - oder jetzt eben Folien - zu übertragen: „Aber Dranbleiben hilft. Übung macht eben den Meister.“

Zwischen 20 Minuten und drei Stunden benötigten sie, um die Tiere im Wald auf die Folie zu bringen. Zahlreiche Waldbesucher hätten sie angesprochen - das Feedback sei durch die Bank positiv gewesen. Im sozialen Netzwerk Facebook sieht es ähnlich aus. Ein User bedauert allerdings, dass die Bilder nur im Wald hingen und nicht genügend Aufmerksamkeit bekämen. Doch auch er darf hoffen: Süßner und Tews hatten bereits Kontakt zur Stadt und planen nun, früher oder später ihre Folienkunst im Heinz-Lang-Park zu zeigen. Und auch das Gelände des Jugendzentrums sei als weiterer Ausstellungsort in der Diskussion.

von Florian Lerchbacher

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Von Redakteur Florian Lerchbacher

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