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Ein schwarzes Loch und kein Ausweg

Finanzen Ein schwarzes Loch und kein Ausweg

Wenn es ums Geld geht, ist das Haus der Begegnung wie ein schwarzes Loch: Nun verschwinden aller Voraussicht nach die nächsten 20000 Euro darin - diesmal für ein Brandschutzgutachten.

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Ein Bild mit Symbolcharakter: Das Straßenschild nahe des Hauses der Begegnung ist in ähnlich gutem Zustand wie das Gebäude – von den Spinnweben ganz zu schweigen.Foto: Florian Lerchbacher

Neustadt. Es wirkt, als verbrenne die Stadt Neustadt mit dem Haus der Begegnung jede Menge Geld - doch es bleibt ihr auch nichts anderes übrig, als immer wieder zu investieren, um den einzigen für Großereignisse in der Kernstadt geeigneten Veranstaltungsort nutzbar zu halten. 51 Veranstaltungen gab es dort im vergangenen Jahr - allein für die sieben Karnevalssitzungen, zwei Theateraufführungen oder als Start- und Zielort für hunderte Teilnehmer bei zwei Wandertagen hätte es keine Alternative gegeben.

Eine Komplettsanierung für rund 3,5 Millionen Euro kommt nicht in Frage - da sind sich die Kommunalpolitiker einig. Einen Neubau nach Art der Antrifthalle Merzhausen für 2,5 Millionen Euro kann die Stadt aufgrund ihrer finanziell mauen Lage auch nicht stemmen - unabhängig von dem Aspekt, dass zusätzliche Kosten für den Abriss des Gebäudes hinzukämen und die Kommunalaufsicht eine solche freiwillige Leistung wohl nicht genehmigen würden. Und einen Neubau der Sporthalle an der Waldschule als Mehrzweckhalle hat der Kreis als Träger abgelehnt - selbst eine Sanierung sei im mittelfristigen Finanzplan nicht vorgesehen, berichtet Bürgermeister Thomas Groll. Und selbst wenn: Derzeit finden in der Sporthalle nur rund 230 Besucher an Tischen Platz. Noch dazu würde es vornehmlich in Januar und Februar zu zahlreichen Terminkollisionen kommen. Die Sporthalle der Martin-von-Tours-Schule in der Querallee ist derweil nicht als Versammlungsstätte zugelassen und müsste umgebaut werden.

Und so strebt die Stadt auch auf Wunsch der Stadtverordneten an, „zumindest mittelfristig“ das Nötigste zu tun, um den Veranstaltungsort, in dem bis zu 500 Gäste Platz finden, am Leben zu erhalten. „Die künftige Nutzung und damit die Sanierungstätigkeit sollte sich auf den Kernbereich - großer Saal, Bühne, Theke im Saal und Küche - beschränken“, heißt es in einem „Gedankenpapier“ des Bürgermeisters. Eine umfangreiche energetische Sanierung solle nicht erfolgen - was aber auch kein Wunder ist, da sich die Stadtverordneten einst einstimmig dagegen entschieden und auch Fördermittel in Höhe von rund 350000 Euro ablehnten, da der städtische Anteil für Neustadt nicht tragbar gewesen wäre.

Rund 40000 Euro muss die Stadt noch bis zum Jahr 2042 jährlich an die Bundesrepublik Deutschland zahlen, um den Kauf des Gebäudes abzustottern - was insgesamt 1,5 Millionen Euro sind. Die Nebenkosten belaufen sich jährlich auf rund 40000 Euro - allein in diesem Jahr verursacht das Haus der Begegnung ein Minus von rund 120000 Euro.

Nun ließen sich alle Entscheidungsträger ausführlich und aus erster Hand über den komplexen Sachverhalt informierten. Zwei Diplom-Ingenieure gaben einen Überblick über notwendige Untersuchungen zum vorbeugenden und konstruktiven Brandschutz. Schon im Vorhinein ließ sich aufgrund von Vorgesprächen und Ortsbegehungen mit Experten erahnen, dass die Stadt um ein Brandschutzgutachten nicht herumkommen würde. Schon vor der Magistratssitzung scheint dies für Groll unausweichlich: „Ich gehe davon aus, dass der Magistrat die Mittel in Höhe von rund 20000 Euro für das Gutachten absegnet.“

Wohnhausverkauf ist Thema

Doch damit nicht genug: Zwei weitere Experten widmeten sich den Thema „Bestandsaufnahme und Planungen“ und stellten heraus, dass es aufgrund des Gebäudealters von 35 Jahren weitere Problemstellen gebe: Gerade das Flachdach mache Sorgen.

Wie viel Geld nun in weitere Gutachten oder Sanierungsschritte gesteckt wird, müssen die Stadtverordneten entscheiden, die nach dem interfraktionellen Zusammenkommen vor Ort in den Fraktionen beraten wollen. Groll kündigte für die Sitzung der Stadtverordnetenversammlung am 28. Oktober eine erste Vorlage über das weitere Vorgehen an.

Zumindest ein Hoffnungsschimmer ist in Grolls „Gedankenpapier“ zu lesen. Darin heißt es: „Seitens des Magistrates werden aktuell Gespräche zur Veräußerung von Wohnhaus und Fremdenzimmertrakt geführt.“ Beim „Deutschen Haus“ führten solche Gespräche dazu, dass ein Sorgenkind der Stadt heute der Vergangenheit angehört.

von Florian Lerchbacher

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Von Redakteur Florian Lerchbacher

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