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Ein neues Familienmitglied aus Syrien

Hilfe Ein neues Familienmitglied aus Syrien

Mit dem Patenschaftsprojekt "Helfair" möchte der Verein Jumpers Flüchtlingen bei der Integration helfen. Knapp zehn Paten sind bereits gefunden, weitere werden aber ­händeringend gesucht.

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Arm in Arm: Flüchtling Said (von rechts) mit seinem Paten Armin Weitzel und dessen Sohn Artur. Foto: Yanik Schick

Stadtallendorf. Als würden sie sich schon jahrelang kennen, sitzen Armin Weitzel und der Syrer Said gemeinsam am Tisch. Vertraut, fast brüderlich unterhalten sich die beiden miteinander. „Wir reden viel. Mein Deutsch wird immer besser“, erzählt Said, der sich aber noch verbessern will. Manchmal dauert es einen Moment, bis ihm die richtige Vokabel einfällt. Doch dafür, dass der syrische Flüchtling erst seit knapp einem Jahr in Deutschland ist, spricht er die Sprache schon erstaunlich gut. Saids Asylantrag ist bereits bewilligt. Derzeit wohnt er in der Posener Straße und sucht nach einem Job.

Der Stadtallendorfer Armin Weitzel möchte den 25-Jährigen speziell dabei, aber auch bei der Integration insgesamt, unterstützen. Ungefähr dreimal pro Woche ist Said seit September bei ihm zu Hause. Die beiden waren schon im Museum und im Schwimmbad. Oft reden sie aber auch nur einfach miteinander oder spielen Karten. „Ich habe zwei Kinder. Da war am Anfang die große Frage, wie sie sich mit Said verstehen würden“, erinnert sich Weitzel, „aber die Kleinen und er sind ein Herz und eine Seele.“ Mittlerweile sei der Syrer ein fest integriertes Familienmitglied. Der Stadtallendorfer beschreibt ihn als vertrauenswürdig, zuvorkommend und hilfsbereit.

Das Verhältnis von Armin Weitzel und Said ist ein Paradebeispiel für das „Helfair“-Projekt des gemeinnützigen Vereins Jumpers. Seit September sind dort knapp zehn Patenschaften entstanden. Das Grundprinzip: Einheimische aus Stadtallendorf oder der näheren Umgebung kümmern sich um anerkannte Flüchtlinge aus Syrien, Somalia, dem Iran oder Albanien. Sie helfen ihnen dabei, in einem neuen Leben Fuß zu fassen. Helene Wolff betreut das Projekt. „Man merkt, dass sich die Menschen auf eine ganz wertschätzende Art und Weise begegnen“, berichtet sie von ihren bisherigen Erfahrungen, „Barrieren werden abgebaut und die Flüchtlinge kommen in eine Gemeinschaft. Es bereichert beide Seiten.“

Pate Armin Weitzel suchte sich im Herbst bei einem ersten Treffen ohne lange Überlegungen Said aus. Warum seine Wahl gerade auf ihn fiel, weiß Weitzel nicht. „Es war Schicksal“, sagt er. Für die Flüchtlinge und ihre Paten gibt es im Begegnungs­café der ehemaligen Herrenwaldkirche einmal wöchentlich die Möglichkeit, sich zu treffen und auszutauschen. Inwiefern sie darüber hinaus etwas gemeinsam unternehmen, bleibt beiden Seiten selbst überlassen. Rund 30 weitere Flüchtlinge, die hauptsächlich in der Posener Straße untergebracht sind, hoffen noch darauf, einen Paten zu finden. „Wir suchen ganz dringend“, betont Helene Wolff. Jumpers-Sozialarbeiter Tobias Czarski ergänzt: „Die Flüchtlinge brauchen persönliche Beziehungen, um die neue Kultur kennenzulernen.“

Das nächste Treffen findet am 8. Januar um 17 Uhr statt. Kontakt: Helene Wolff 0157/56348132 oder E-Mail: helene.wolff@jumpers-netz.de.

von Yanik Schick

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