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Ein "neues Bad" für 8,6 Millionen Euro

Stadtallendorf Ein "neues Bad" für 8,6 Millionen Euro

8,6 Millionen Euro plus Mehrwertsteuer soll die Sanierung des Stadtallendorfer Hallenbades kosten. Die Steuer können sich die Stadtwerke dabei aber wohl Zug um Zug „zurückholen“.

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Das Becken des Hallenbades bekommt bei einer Sanierung neue Fliesen. Foto: Florian Lerchbacher

Stadtallendorf. Dreieinhalb Stunden dauerte die Sondersitzung des Ausschusses für Grundsatzangelegenheiten und Finanzen am Mittwochabend. An der Sitzung nahmen bis auf wenige Ausnahmen alle Stadtverordneten teil. Die Verwaltung hatte einiges Zahlenmaterial vorbereitet. Doch im Mittelpunkt der Sitzung standen weniger die Finanzen als die eigentlichen Planungen für das Bad. Dem rund 40 Jahre alten Stadtallendorfer Hallenbad stellte Architekt Andreas Schmidt vom Büro Bremer+Bremer aus Wetzlar zunächst ein ordentliches Zeugnis gemessen am Alter aus: „ Wir denken, dass es ein sanierungswürdiges Bad ist“, sagte Schmidt während seiner Präsentation. Er sagte aber auch, dass es nach Abschluss der auf 16 Monate veranschlagten Sanierung „ein neues Bad“ sein werde.

Doch zunächst zu den jetzt veranschlagten Baukosten, die erstmals auch die Posten Ausstattung und Außenanlagen aufweisen. Bis dato stand die Zahl von 7,6 Millionen Euro im Raum. Diese Zahl stammt aus einer Studie aus dem Jahr 2011. Hinzu kommt die Mehrwertsteuer - doch die können sich die Stadtwerke nach Aussage von Giselher Pontow während der Sitzung ähnlich wie ein Unternehmen vom Finanzamt wohl zurückholen. Unter dem Strich steht bei der Kostenberechnung jetzt die Summe von 8,6 Millionen Euro. Einen herausragenden Zuschuss von 1,3 Millionen Euro bekommt die Stadt dabei aus dem Förderprogramm HAI des Landes, das explizit für Hallenbäder und für die Unterstützung des Schul- und Vereinssports aufgelegt wurde.

Beginnt die Sanierung wie jetzt geplant im Mai nächsten Jahres, dann bleibt vom Hallenbad im Prinzip nur die Grundkonstruktion stehen. Neu war am Mittwochabend, dass das Bad durch Erweiterungen am Fassadenrand sogar noch etwas in die Breite wachsen kann - wenn das Stadtparlament das Gesamtpaket am nächsten Dienstag in einer Sondersitzung genehmigt. Die Erweiterungen in Richtung der Parkplätze ermöglichen Liegeflächen, ließen sich aber auch für Zuschauerplätze bei Veranstaltungen wie Schwimmwettkämpfen nutzen.

Kern des Millionenprojektes bleibt die energetische Sanierung des rund 40 Jahre alten Bades. Das Dach wird erneuert, wobei die Binder erhalten bleiben können. An den Füßen der Tragstützen sind allerdings Sanierungen nötig.

Auch das eigentliche Becken bekommt eine Runderneuerung, sämtliche Fliesen werden ausgetauscht, Ablaufrinne und Armaturen erneuert. Die ­komplette Schwimmbadtechnik wird modernisiert. Die Stadtverordneten nutzten nach den Vorträgen intensiv ihre Fragemöglichkeiten zu den Planungen, die Finanzierung stand dabei etwas im Hintergrund. Fragen gab es beispielsweise nach Barrierefreiheit, den geplanten Umkleiden oder dem Umstand, dass keine Rutsche mehr vorgesehen ist. Das begründete Andreas Schmidt mit der Machbarkeit. „Die mögliche Größe einer Rutsche brächte keinen Mehrwert“, sagte Schmidt. Mehrwert sollen andere geplante Attraktionen bringen. So sind ein Whirlpool und eine Dampfsauna vorgesehen.

Alle Ausstattungsposten sind aber noch nicht eingeplant. Auf eine entsprechende Frage von Frank Hille (CDU) erläuterte Stadtwerke-Chef Pontow, dass beispielsweise die Kosten für eine Zeitmessanlage für Wettkämpfe nicht vorgesehen sind. Diese Zahlen sollen nun zur Stadtverordnetenversammlung vorgelegt werden.

Klar ist, dass die laufenden jährlichen Kosten für das Bad nach der Sanierung bedingt durch Abschreibungen, Zinsen und Kredittilgungen steigen werden. Das ergab eine Nachfrage von Winand Koch (FDP). Die Stadtwerke rechnen laut Pontow grob mit Summen von 750000 und 850000 Euro ­jährlich

Und noch etwas anderes machte Giselher Pontow deutlich: „Wenn wir das Hallenbad sanieren, dürfte klar sein, dass der Eintrittspreis so nicht bleiben kann.“ Konkrete Vorstellungen gibt es noch nicht, aber Pontow stellte auch die Frage in den Raum, ob es weiterhin eine unbegrenzte Badezeit geben sollte.

Die Gesamtbewertung vertagten die Fraktionen auf die Stadtparlamentssitzung. Nur Werner Hesse (SPD) bezog eine erste Position. „Das ist ein toller Gesamtvorschlag für die Sanierung des Bades.“

von Michael Rinde

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