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Ein minderschwerer Fall

Drogen an 14-Jährige verkauft Ein minderschwerer Fall

Weil er mit Drogen handelte und an eine Minderjährige verkaufte, verurteilte das Amtsgericht einen Stadtallendorfer zu einer eineinhalbjährigen Bewährungsstrafe. Die Berufungsinstanz wandelte das Strafmaß in eine Geldstrafe um.

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Die Berufungskammer am Marburger Landgericht wandelte eine vom Kirchhainer Amtsgericht ausgeurteilte Freiheitsstrafe zur
Bewährung in eine Geldstrafe um. Archivfoto: Thorsten Richter

Quelle: Thorsten Richter

Marburg/Stadtallendorf.. Anstelle einer langen Freiheitsstrafe auf Bewährung erstritt der scheinbar geläuterte Drogenhändler am vergangenen Montag vor dem Marburger Landgericht ein milderes Urteil und kam mit einer saftigen Geldstrafe in Höhe von 5250 Euro davon.

Angeklagt wurde der heute 34-Jährige wegen unerlaubten Handeltreibens, unerlaubten Besitzes sowie unerlaubter Abgabe von Betäubungsmitteln an Minderjährige, jeweils in mehreren Fällen.

Im November vergangenen Jahres sah das Amtsgericht in erster Instanz sämtliche Anklagepunkte in vollem Umfang bestätigt und verurteilte den damals noch nicht vorbestraften Dealer zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten, die zur Bewährung ausgesetzt wurde. Dagegen zog der Stadtallendorfer vor die Berufungskammer des Marburger Landgerichts.

Die Verteidigung beschränkte die Berufung auf den Anklagepunkt, wonach der 34-Jährige einem zur Tatzeit 14 Jahre alten Mädchen in drei Fällen Drogen verkauft haben soll. Die übrigen Anklagepunkte wurden nicht bestritten.

Der Minderjährigen hatte der Dealer Anfang 2013 mehrfach geringe Mengen an Marihuana oder Haschisch im Gegenwert von jeweils zehn Euro verkauft. Das Alter der Kundin sei ihm dabei bewusst gewesen, nahm er „billigend in Kauf“, heißt es in der Urteilsbegründung der ersten Instanz. Eben dies sei nicht der Fall gewesen, „er wusste nichts von der Minderjährigkeit“, erklärte Verteidiger Fahim Qayumi den Berufungsgrund.

Dealer war Teil einer florierenden Drogenszene

Zum Tatzeitpunkt war der Angeklagte Teil einer florierenden Drogenszene, hielt sich häufiger im Kreis eines Drogen-Netzwerks aus Hehlern, Kurieren und Dealern auf. Etwa zwei Monate hatte er für diese Betäubungsmittel verkauft. Der Drogenring wurde Mitte 2013 von der Polizei zerschlagen, der Kopf der Bande ausgewiesen, andere Beteiligte sind bereits verurteilt und zum Teil inhaftiert.

Auch die Minderjährige hielt sich zu dieser Zeit häufig im Dunstkreis der Dealer auf. Das junge Mädchen verschwieg dabei bewusst sein Alter, gab sich als 18-Jährige aus. Sie wirkte ob ihres Aussehens und Verhaltens offenbar älter. „Ich habe nie gedacht, dass sie minderjährig ist“, erklärte der Angeklagte.

So ganz nahm das Gericht ihm dies nicht ab. Mehrfach wurden während der Verhandlung zeitnahe Fotos der zierlichen Jugendlichen ausgewertet. „Man sieht, dass das Persönchen auf dem Foto minderjährig ist“, befand der Vorsitzende Richter Dr. Frank Oehm. Dies hätte dem Angeklagten auffallen, ihn zum Nachfragen bewegen müssen. „Man hätte sie nicht mit einer Erwachsenen verwechseln können, alle wussten wie alt sie war“, betonte auch ein Kriminalbeamter, der an den damaligen Ermittlungen beteiligt war.

Die Version des Beschuldigten bestätigte die heute 17-jährige Jugendliche vor Gericht, die von den Prozessbeteiligten sehr genau in Augenschein genommen wurde.

Zeugin: „Er wusste nicht,wie alt ich tatsächlich war“

„Er wusste nicht, wie alt ich tatsächlich war“, so die Zeugin. Um einfacher an Drogen zu gelangen, sei sie damals als Erwachsene aufgetreten. Der Angeklagte sei darauf reingefallen oder habe sich nicht darum geschert. „Ich wusste es nicht und habe einen Fehler gemacht“, entschuldigte sich der 34-Jährige vor Gericht: Zum Tatzeitpunkt habe er „in unklaren Verhältnissen gelebt“, sich heute gebessert, seitdem nie wieder gedealt und ein geregeltes Leben aufgebaut.

Dass sich sein Mandant über das Alter im Klaren war und vorsätzlich handelte, konnte nicht nachgewiesen werden, betonte der Verteidiger und sprach sich für eine Geldstrafe für den nicht vorbestraften Mann aus. Staatsanwältin Annemarie Petri sah hingegen „eine junge Frau, die man nur schwerlich für 18 halten konnte“. Die Abgabe der Drogen an eine Minderjährige habe der Dealer „billigend in Kauf genommen“, betonte Petri. Jedoch gehe die Anklage auch von einem minderschweren Fall aus, das Strafmaß des Amtsgerichts sei „nicht mehr tat- und schuldangemessen“.

Dem stimmte die Berufungskammer ebenfalls zu, hob das Urteil der ersten Instanz auf und verurteilte den 34-Jährigen zu einer Geldstrafe von 210 Tagessätzen à 25 Euro. Zwar hätte sich der Dealer über das junge Alter der Kundin bewusst sein müssen, jedoch habe er immerhin nur Kleinstmengen abgegeben, erklärte Richter Oehm die Entscheidung der Kammer. „Wenn man es nicht weiß und Drogen verticken will - dann fragt man nach oder lässt am besten gleich die Finger davon“, mahnte der Vorsitzende eindringlich.

von Ina Tannert

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