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Ein kühner Plan endet mit einem Gerichtsprozess

Gesundheitszentrum Ein kühner Plan endet mit einem Gerichtsprozess

Die Pläne für ein Facharztzentrum an der Niederkleiner Straße fanden vor einem Jahr ein Ende. Am Freitag sahen sich Vertreter der Herrenwald Wohnbau GmbH und ein Marburger Mediziner vor Gericht wieder.

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Eine Etage im Gebäude des Gesundheitszentrums steht nach wie vor weitgehend leer. Foto: Rinde

Stadtallendorf. Es geht um eine Mietschuld von 45000 Euro für die Zeit von Oktober bis Dezember, die die Herrenwald Wohnbau von dem Marburger Arzt und einstigem Partner einfordert. Am Freitagmorgen fand der Gütetermin am Landgericht Marburg statt - am Ende ohne Ergebnis. Richterin Sigrid Dehmelt wird eine Entscheidung im Januar verkünden.

Einst gingen der Arzt und die Herrenwald Wohnbau eine Partnerschaft ein, das war im Frühjahr 2012. Die GmbH, eine hundertprozentige Tochtergesellschaft der Siedlungsgenossenschaft Herrenwald, baute das Haus in der Niederkleiner Straße 7. Sie berücksichtigte dabei, dass in der zweiten Etage ein Magnetresonanz-Tomograph (MRT) und ein Computertomograph (CT) stehen sollten, bautechnisch erfordert das einigen Aufwand. Etwa 1000 Quadratmeter groß ist diese Etage, in der gegenwärtig eine Arztpraxis vorhanden ist.

Vor Gericht kam am Freitag heraus, dass die Herrenwald dem Mediziner schließlich im Dezember 2014 die fristlose Kündigung des Mietvertrages schickte, zugestellt vom Gerichtsvollzieher. Miete war bis zu diesem Zeitpunkt keine bei der Stadtallendorfer GmbH eingegangen. Wie der Rechtsanwalt des Marburgers vor Gericht erklärte, ist die Höhe der Mietzahlungen nicht strittig, allerdings die Fälligkeit. Was diesen Punkt angeht, gibt es ganz unterschiedliche Sichtweisen von einstigem Mieter und Herrenwald. Geschlossen wurde eben jener Mietvertrag am 1. Juli 2014, beginnend zum 1. Mai 2014. Einen Beginn des Praxisbetriebs erwartete die Herrenwald offenbar nach der Einweihung im September. Man habe sich darauf geeinigt, dass es im Oktober mit den Mietzahlungen losgehen solle, so die Darstellung vor Richterin Dehmelt. Doch der Arzt argumentierte mit einer anderen Übereinkunft aufgrund eines Gesprächs der Beteiligten, für das er auch Zeugen benannte. Demnach soll die GmbH bereit gewesen sein, ihm fünf Jahre die Miete zu stunden, auch vor dem Hintergrund, dass der Betrieb erst anlaufen müsse.

Friedhelm Steidl, einer der beiden Geschäftsführer der Herrenwald Wohnbau, bestritt diese Darstellung vehement. Allerdings gibt es ein Schreiben, aus dem November 2014, aus dem hervorgeht, dass das Unternehmen bereit war, die Miete zunächst zu halbieren. Diese Bereitschaft räumte Friedhelm Steidl vor Gericht auch ein. Konrad Busch, der andere Geschäftsführer, und ihm sei es darum gegangen, dass es „endlich losgeht. Wir wollten guten Willen zeigen“. Doch stattdessen kam es zum Zerwürfnis beim Gespräch, das beide Parteien als ausgesprochen hitzig bezeichnen. Richterin Dehmelt lotete die Bereitschaft zu einem Vergleich aus. Den wird es nicht geben. Der Anwalt des Arztes signalisierte zwar grundsätzliche Bereitschaft, wenn die Zahlungsmodalitäten entsprechend geklärt seien. Steidl und der Rechtsanwalt der Herrenwald lehnten das aber ab. Wie dieses Verfahren ausgeht, ließ sich am Freitag nicht prognostizieren, zumal die Richterin der Wohnungsbaugesellschaft auch noch nahelegte, „gescheite Fälligkeiten in ihre Mietverträge zu schreiben“.

Sie sandte aber auch ein Signal in Richtung des beklagten Arztes. Ob sie nämlich noch Zeugen für die erwähnten Gespräche hören wird, ließ sie offen. Sie will die Relevanz prüfen. Am 18. Januar wird Dehmelt eine Entscheidung verkünden.

Das Gesundheitszentrum im ursprünglichen Sinne war eine Vision. Davon hat sich Konrad Busch von der Herrenwald Wohnbau nicht verabschiedet. Im Gebäude ist nach wie vor alles für das Aufstellen von MRT und CT vorbereitet. Diese radiologische Praxis hätte schließlich das Herzstück der Facharztzentrale werden sollen. Im Gespräch mit dieser Zeitung macht Busch keinen Hehl daraus, wie sehr ihn die gesamte Entwicklung über den Ausgang der Zusammenarbeit mit dem Arzt enttäuscht hat.

Aufgeben will Busch aber nicht: „Ich habe immer noch die Überzeugung, dass wir diese Etage im ursprünglichen medizinischen Sinne gestalten können“. Das strebt er für das nächste Jahr an. Der übrige Teil des Neubaues ist komplett vermietet. Unter anderem haben sich dort neben einem Eiscafé ein Fitness-Zentrum und ein Gesundheitsmarkt angesiedelt.

von Michael Rinde

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