Volltextsuche über das Angebot:

7 ° / 3 ° Regenschauer

Navigation:
Ein kleines Dorf zeigt Sinn für Gemeinschaft

Neue Serie Ein kleines Dorf zeigt Sinn für Gemeinschaft

Der 25. Juni ist in Mengsberg einmal mehr der große Tag des Jahres: An diesem Datum kam im vergangenen Jahr die Landeskommission ins Dorf, diesmal ist die Bundeskommission zu Gast.

Voriger Artikel
Ein Terminal informiert Gäste jederzeit
Nächster Artikel
Stadtmitte hat ein eigenes Forum

Gute Tradition sind bei den Besuchen der Kommission inzwischen auch die Auftritte des Harmonikaclubs.

Quelle: Florian Lerchbacher

Mengsberg. Erfolg lässt sich nicht planen. Oder doch? „Wenn wir etwas machen, dann machen wir es richtig“, erinnert sich Ortsvorsteher Karlheinz Kurz an das Motto zurück, das die Mengsberger im Jahr 2008 ausgaben. Damals trafen die Mitglieder des Ortsbeirates die Entscheidung, am Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ teilzunehmen. Aber nicht etwa im darauffolgenden Jahr - da wollten sie erst einmal mit den Vorbereitungen anfangen. „Wir wollten nicht einfach mitmachen und schauen, was passiert. In unseren Projekten sollte Nachhaltigkeit stecken. Ziel war es, unser Dorf für die Zukunft fitzumachen“, betont er.

Entsprechend besuchten die Mengsberger Dörfer, die an dem Wettbewerb teilnahmen, ließen sich über Projekte informieren und entwickelten Ideen, was für ihren Heimatort passend sei. Stück für Stück entstanden daraus Spielplatz, der Kinderwald, das Baum-des-Jahres-Gatter und die Streuobstwiesen, um nur einige Beispiele zu nennen- selbstverständlich in Eigenleistung, was in Mengsberg gute Tradition ist. Mit dem Erfolg in den Jahren 2011 und 2012 bei Regional- und Landesentscheid wuchs die Begeisterung der Bürger und die Identifikation mit dem Wettbewerb stieg kontinuierlich.

Dorfbewohner planen ihr Meisterstück

Am 25. Juni steht von 11 bis 14 Uhr nunmehr der absolute Höhepunkt an: der Besuch der Bundeskommission. Für diesen Tag planen die Mengsberger ihr Meisterstück, denn sie wollen nicht nur bereits umgesetzte Projekte präsentieren sondern auch ein Vorhaben, das den Zusammenhalt der Dorfgemeinschaft endgültig unter Beweis stellt: Der etwas mehr als 900 Einwohner zählende Neustädter Stadtteil möchte eine Biogasanlage bauen und ein Nahwärmenetz errichten. 13 Bürger engagieren sich speziell für das „Bioenergiedorf“ in der Arbeitsgruppe „Das Dorf in der Landschaft“, die bis Juni ein Konzept erstellen will und bereits Informationen über das Heizverhalten der einzelnen Haushalte eingeholt hat. Erzwingen wollen die Mengsberger aber nichts: „Sollte ein Ingenieurbüro in einer Machbarkeitsstudie feststellen, dass ein Nahwärmenetz nichts für Mengsberg ist, dann lassen wir es sein“, betont Kurz mit Verweis auf die Nachhaltigkeit.

Doch nicht nur diese Arbeitsgruppe ist mit Planungen beschäftigt. Das Gleiche gilt für die Gruppen „Leitbild und Entwicklungskonzepte“, „Wirtschaftliche Entwicklung und Initiativen“, „Soziale und kulturelle Aktivitäten“, „Baugestaltung und Entwicklung“ sowie „Grüngestaltung und Entwicklung“, deren Leiter sich alle 14 Tage in dem federführenden Arbeitskreis absprechen und koordinieren. Immer mit dabei ist Karlheinz Kurz, der momentan bis zu vier Sitzungen pro Woche besucht und an Wochenenden mit seinen Mitstreitern auch schon andere Bioenergiedörfer in Augenschein genommen hat.

Anregungen sind wertvoll

„Jeder Ort braucht eine Triebfeder. Und Mengsberg hat eine sehr gute“, lobt Bürgermeister Thomas Groll den Ortsvorsteher, der in seiner ihm typischen Bescheidenheit sofort das Engagement seiner Mitmenschen aber auch den positiven Einfluss von Margot Schneider vom Fachbereich Ländlicher Raum des Landkreises hervorhebt: „Sie kommt zu unseren Sitzungen, betrachtet viele Dinge aus einer anderen Blickrichtung und gibt Tipps. Das ist gut, da man nach einer Zeit stallblind ist.“ Besonders wertvoll seien diese Anregungen, da Schneider selbst noch die Kommission angeführt hatte, die während des Regionalentscheides nach Mengsberg gekommen war, und so genaue wisse, auf was ein solches Gremium bei seinem Besuch achte.

Doch so leicht lässt Groll den Ortsvorsteher nicht davonkommen und lobt ihn ein weiteres Mal: „Karlheinz Kurz entwickelt nicht nur Ideen und motiviert die Bürger. Er lebt das Engagement vor und ist der Erste und der Letzte, der bei Einsätzen vor Ort ist.“ Ihm und der Bereitschaft der Bürger, sich einzubringen, sei zu verdanken, dass mit einer relativ geringen finanziellen Unterstützung große Schritte in der Entwicklung des Dorfes gemacht wurden: „Die Stadt hat rund 30000 Euro investiert, aber ein Vielfaches dafür bekommen. Mit wenig Geld wurde viel erreicht.“

Engagement der Vereine ist sehr ausgeprägt

„Das Feuer, das angesteckt wurde, brennt weiter und breitet sich aus“, erinnert der Bürgermeister an das erste große Projekt, die Neugestaltung des Spielplatzes. „Da haben wir das erste Mal gemerkt, dass der Ort dahinter steht“, ergänzt Kurz. Eltern brachten sich damals bei der Auswahl der Spielgeräte ein und seine „Rüstige-Rentner-Gruppe“ kümmerte sich nach etwa einem Jahr der Planung mit Hilfe des Bauhofs um den Aufbau der Geräte. „Das Besondere an Mengsberg ist die Bereitschaft, sich für die Gemeinschaft einzubringen - und die hat zugenommen. Das Engagement für die Vereine ist traditionell sehr ausgeprägt. Das gilt nun aber auch für das Engagement für den Ort“, fasst Groll zusammen und freut sich über den Domino-Effekt: Der erste Stein, der fiel, sei der Ortsvorsteher gewesen - und dem folgte eine ganze Reihe.

Kurz und Groll hoffen nun, dass der 25. Juni eine Art Volksfest für die ganze Stadt werde und nicht nur möglichst viele Mengsberger die Bundeskommission auf ihrem dreistündigen Weg durch den Ort begleiten. „So kann man das Dorf mit anderen Augen kennenlernen und sieht das Schöne - oft weiß man ja auch nicht, was die Heimat zu bieten hat“, sagt Groll. Gefeiert wird auf jeden Fall, und zwar im Anschluss an den Kommissionsbesuch an der Grillhütte.

Ob es im Wettkampf mit bundesweit 23 anderen Dörfern wieder für Platz eins reicht, wird sich dann einige Wochen später zeigen. „Es gehört viel Fleiß dazu - aber auch ein bisschen Glück“, erklärt Kurz den Schlüssel zum (bisherigen) Erfolg. Ein Ziel für den Bundeswettbewerb will er nicht ausgeben, und so ganz ist er sich noch nicht sicher, auf was er hofft: „Es zählt nicht nur der Leistungsgedanke - aber nur dabei sein ist irgendwie auch zu wenig.“

  •  Mit diesem Auftaktbericht startet die Oberhessische Presse eine Serie, in der sie Projekte, Personen, Initiativen und Einrichtungen vorstellt, die maßgeblichen Anteil am bisherigen Erfolg Mengsbergs auf dem Weg zum Bundeswettbewerb haben.

von Florian Lerchbacher

Die Geschichte im Überblick

1294: Erstmalige Erwähnung von Mengsberg. Die ältesten Zeitzeugen sind die großen Linden oberhalb des Teiches (alter Kirmesplatz).

1360/67: Im Ziegenhainer Urbar wird erstmals eine Kirche zu Mengsberg erwähnt.

1475: Erste urkundliche Erwähnung einer evangelischen Pfarrkirche in Mengsberg. Beim großen Feuer am 15. September 1875 brennt sie nieder. 70 Häuser fallen den Flammen, deren Ursache unbekannt ist, zum Opfer. Während der Katastrophe erblicken zwei Kinder das Licht der Welt.

1879: Grundsteinlegung für die heutige Kirche.

1883: Einweihung.

1974: Durch die Gebietsreform wird die ehemals selbständige Gemeinde Mengsberg ein Stadtteil von Neustadt. Nach Auflösung des Kreises Ziegenhain gehört Mengsberg heute zum Kreis Marburg-Biedenkopf.

2011: Mengsberg gewinnt den Regionalentscheid von „Unser Dorf hat Zukunft“.

2012: Mengsberg gewinnt den Landesentscheid.

2013: Beim Bundesentscheid landet Mengsberg auf Rang ???

Quelle: www.mengsberg.de

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Von Redakteur Florian Lerchbacher

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr