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Ein kleiner Fleck ist notfalls hinnehmbar

Serie: Ich sammle... Ein kleiner Fleck ist notfalls hinnehmbar

Stoffservietten "geben die Leute nicht so gerne her" - deswegen entschloss sich Hannelore Jennemann vor fast 50 Jahren, mit dem Sammeln von Einmal-Servietten zu beginnen.

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Hannelore Jennemann sammelt Servietten: Sie besitzt 2 532 Stück, die sie in 68 Kartons und 8 Ordnern aufbewahrt.Foto: Lerchbacher

Himmelsberg. „Sie hat zu viele und verliert den Überblick“, sagt Reinhold Jennemann (69), legt seiner Frau Hannelore liebevoll den Arm um die Schulter und lächelt sie an. Die 62-Jährige erwidert sein Lächeln und widerlegt ihren Mann - nicht mit Worten sondern mit Taten: „Die hier stammt vom 65. Geburtstag meines Vaters. Das war 1985“, erklärt sie, legt eine Serviette mit Marienkäfern zur Seite und greift nach einer mit dem Motiv Herbstlaub: „Die ist vom 50. Geburtstag meines Mannes im Jahr 1993.“ Eine kleine blaue Serviette mit Blumenmuster stammt von der Konfirmation ihres Bruders in Bracht im Jahr 1963: Eine Tante habe sie extra aus Darmstadt mitgebracht, berichtet Hannelore Jennemann - die sehr wohl mit jeder Serviette noch eine Geschichte verbinden oder sie zuordnen kann. Na ja, zumindest fast, was aber auch verständlich ist, da Freunde und Verwandte die Himmelsbergerin bei ihrem Hobby unterstützen und ihr manchmal kistenweise Servietten mitbringen.

In 68 wohlsortierten Kartons und 8 Ordnern hat Hannelore Jennemann inzwischen 2532 Stück angesammelt. In die Ordner kommen Servietten mit Schriftzügen, zum Beispiel ein Lätzchen aus einem Brauhaus in Willingen oder eine „Küss mich“-Serviette aus dem Hotel Sacher in Wien. In Kisten wiederum lagern Sammelobjekte, die sich nach Farben oder Motiven thematisch einordnen lassen. Eine blaue Serviette ist für Hannelore Jennemann schließlich nicht einfach nur eine blaue Serviette: Es kommt auf den Blauton an, das Muster oder auch den Rand oder die Größe - um nur einige Beispiele zu nennen. Und es gibt Unterschiede zwischen Seidenservietten und Servietten aus Papier oder Vlies.

Besonders am Herzen liegt der 62-Jährigen die Kiste mit der Beschreibung „Meine ersten: 1958 bis 1965“, in der sich entsprechend auch der älteste Schatz befindet: eine Serviette mit Lampions aus dem Jahr 1958.

Die „schönen bunten Bildchen“ hätten sie als Kind begeistert, erklärt sie die Anfänge ihrer Sammlung. Als sie dann erwachsen war und selbst Servietten für Feiern und andere Gelegenheiten kaufte, habe sie immer ein Exemplar aufbewahrt. Erst später sei sie dazu übergegangen, auch von Feiern, Veranstaltungen oder aus Gaststätten und Cafés eine Serviette mitzunehmen, berichtet die Himmelsbergerin. Benutzt sein sollten sie übrigens nicht: Ein kleiner Fleck sei „in der Not“ noch hinnehmbar, „sonst lasse ich sie liegen“.

Entsprechend hat Hannelore Jennemann inzwischen ein Ritual: „Wenn wir an unseren Platz kommen, dann wird erst mal eine Serviette gesichert“, sagt ihr Mann, der seine Serviette dann mit ihr teilt. „Inzwischen stecke ich immer sofort eine ein“, fügt sie hinzu und erinnert sich an ein dunkles Kapitel ihrer Sammelleidenschaft: Als sie einst eine Feier im Lindenhof in Rauschenberg besuchte, habe sie sich so angeregt unterhalten, dass sie tatsächlich vergaß, eine der „tollen blauen Vliesservietten“ einzustecken. Doch ein Gutes hatte dies für sich: So ein Fehler werde ihr nie wieder unterlaufen, ist sich Hannelore Jennemann sicher.

von Florian Lerchbacher

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Von Redakteur Florian Lerchbacher

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