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Ein großes und ein kleines Baudenkmal

Denkmalschutzpreis Ein großes und ein kleines Baudenkmal

Zwei der drei Denkmalschutzpreise des Landkreises wurden am Montagabend an Baudenkmäler im Ostkreis vergeben. Die beiden ausgezeichneten Objekte könnten nicht unterschiedlicher sein.

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Der Schwabendorfer Museumsschmied Kurt Rohde nutzte die Überreichung des Denkmalschutzpreises an den Arbeitskreis Hugenotten- und Waldensergeschichte, um den Ersten Kreisbeigeordneten Marian Zachow in der preisgekrönten Schmiede den Umgang mit dem Schmiedehammer zu lehren.

Quelle: Matthias Mayer

Schwabendorf / Sindersfeld. Im Rauschenberger Stadtteil Schwabendorf hat die vom Denkmalschutzbeirat des Landkreises gebildete Jury die Alte Schmiede aus dem Jahr 1912 für preiswürdig erachtet. Diese ist ein unscheinbares und verhältnismäßig kleines Backsteingebäude. Das Häuschen offenbart seinen Wert erst im Inneren. Dort befinden sich unzählige Werkzeuge und Gerätschaften, wie sie Schmiede schon vor Jahrhunderten benutzten. Und die Schmiede ist heute noch voll funktionsfähig.

Der Gegenentwurf zur Schmiede ist der prächtige und ortsbildprägende Vierseiten-Hof in Sindersfeld, den die Eheleute Claudia und Professor Raimund Rhiel restauriert und einer neuen Nutzung für Wohnzwecke und als Veranstaltungsort für das Dorf zugeführt haben. Zur stilsicheren Restaurierung des imposanten Fachwerk-Ensembles kommt ein neuer Verbindungsbau mit Lift und Dach­terrasse zwischen Wohnhaus und den einst landwirtschaftlich genutzten Gebäuden, der seine moderne Architektur nicht verleugnet, ohne den Gesamteindruck zu stören.

Gebäude hätte 2009 abgerissen werden sollen

Die Alte Schmiede hätte es heute nicht mehr geben sollen, denn 2009 wurde ein Abrissantrag für das Gebäude gestellt. Daran erinnerte Bernhard Böttge, der Vorsitzende des Arbeitskreises (AK), während der Preisübergabe. Alarmiert durch das hessische Amt für Denkmalpflege sei der AK unter seinem damaligen Vorsitzenden Gerhard Badouin aktiv geworden. Ziel des AK sei es von Anfang an gewesen, die von Jean Dörbecker gegründete und von der Stadt Rauschenberg gekaufte Schmiede nicht nur in Eigenleistung zu restaurieren, sondern sie auch in das beim Dorfmuseum im Daniel-Martin-Haus bewährte Museumskonzept zu integrieren. Es gehe darum, den Besuchern lebendige Geschichte zum Anfassen und Erleben zu bieten. Das gewährleiste Museumsschmied Kurt Rohde, sagte der ehemalige Schwabendorfer Pfarrer.

Geschichte zum Anfassen und Erleben

Der Erste Kreisbeigeordnete Marian Zachow übergab die Denkmalschutzpreise diesmal im Rahmen einer Rundreise vor Ort. Dabei wurde er von zahl­reichen Repräsentanten des Kreises und des Denkmalschutzes begleitet. Die Anstrengungen des AK Schwabendorf seien ein gutes Beispiel für aktiven Denkmalschutz durch Vereine. Er würdigte besonders die Präsentation des Schmiedehandwerk durch Kurt Rohde, der insbesondere jungen Leuten zeige, wie ein Schmied gearbeitet habe. „Das ist auch Bildung, die gut tut“, sagte Zachow.

Rauschenbergs Bürgermeister Michael Emmerich bewertete die Wiederherstellung der Schmiede als Fortsetzung der Schwabendorfer Erfolgsgeschichte, die vor drei Jahrzehnten mit dem Aufbau des Museums begonnen habe. Schwabendorfs Ortsvorsteher Günther Aillaud dankte den vielen ehrenamtlichen Helfern, die den Erhalt der Schmiede ermöglicht hätten.

Gerhard Badouin erinnerte an die einst große Bedeutung des Schmiede- und Schlosser-Handwerks für die Hugenotten- und Waldenser-Kolonie Schwabendorf. Der Ort sei ein Zentrum der Strumpfwirkerei gewesen. Für die Fertigung und Unterhaltung des Strumpfwirkstühle seien diese Berufsstände unverzichtbar gewesen.

Und dann musste Marian Zachow in der Schmiede ran. Schon das Anpassen der funkelnagelneuen Lederschürze wurde zu einer Gaudi, da deren Gurt etwas knapp bemessen war. Dabei bewies Schmied Kurt Rohde wahre Entertainer-Qualitäten. Und dann ging es an das Schmieden glühenden Eisens, was mit dem 1300 Grad heißen Esse-Feuer im Rücken eine schweißtreibende Angelegenheit war.

Ausklang im Baudenkmal mit Gemeinschaftsraum

Weniger heiß ging es am Ende der Rundreise in Sindersfeld zu, auch wenn die Eheleute Rhiel als Gastgeber der Abschlussfeier den großen Holzofen in dem 120 Quadratmeter großem Gemeinschaftsraum auf ihrem Anwesen gut eingeheizt hatten.

Professor Raimund Rhiel nutzte die Preisübergabe, um die Geschichte des Hofes und dessen Restaurierung darzustellen (siehe OP vom 19. Januar). Marian Zachow bezeichnete das fertige Ergebnis als ausgezeichnetes Beispiel für die heutige Nutzung nicht mehr benötigter landwirtschaftlicher Gebäude. Als besonders faszinierend bezeichnete er die Tatsache, dass auf dem Hof die einzelnen Gebäude die Geschichte ihrer Epochen mit eigener Architektursprache erzählten.

von Matthias Mayer

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