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Ein geförderter Anschluss ist noch frei

Energiewende Ein geförderter Anschluss ist noch frei

Ganz Erfurtshausen ist eine Baustelle. Ganz Erfurtshausen? Nein, aber fast! Die Verlegung des Nahwärmenetzes ist in vollem Gange, zudem lässt die Stadt Teile des Kanals erneuern.

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Erfurtshausen. „Es ist top, hier zu arbeiten“, freut sich Florian Hansen, während er in der Rosenstraße einen Hausanschluss verlegt. Die Bürger seien sehr nett zu ihm und seinen Kollegen und die Zahl der Beschwerden sei extrem gering - und das, obwohl sich eine Baustelle an die nächste reiht. „Zu mehr als 99 Prozent läuft alles bestens“, bestätigt Bernd Riehl vom Vorstand der Energiegenossenschaft die Aussage des Bauarbeiters. Die Stimmung im Dorf sei trotz der Belastung gut. Dass es gelegentlich doch Kritik gebe, sei mehr als verständlich. Insgesamt würden die Erfurtshäuser die Arbeiter jedoch gut aufnehmen: „Eigentlich täglich werden die Männer zu Kaffee eingeladen, oft zu Kuchen, gelegentlich auch zu Gegrilltem.“

114 von 180 Gebäuden lassen sich an das Nahwärmenetz der Energiegenossenschaft anschließen. Fast sechs Kilometer lang wird die Trasse, die unter der Erde verschwindet - ein grob geschätztes Viertel ist bereits erledigt. Vorteil für alle, die einen Anschluss bekommen: Neben der Nahwärme kommt auch schnelles Internet ins Haus, denn die Bioenergiegenossen lassen in Kooperation mit den Stadtwerken Marburg auch Glasfaserkabel verlegen.

Auch Nichtgenossen können sich in Zusammenarbeit mit der Genossenschaft einen Breitbandanschluss legen lassen. Im Rahmen der Planung ist bereits jetzt für jedes Haus ein Leerrohr vorgesehen - zwei Erfurtshäuser, die sich nicht ans Nahwärmenetz anschließen lassen, haben das Angebot bereits in Anspruch genommen und bekommen auch einen Glasfaseranschluss.

Ein geförderter Anschluss ans Nahwärmenetz ist derweil noch zu vergeben: „Ab der Haarhäuser Straße kann man noch aufspringen“, betont Riehl. Das heißt, die Bewohner von Ringstraße, Dorfwiesenweg und Im Weimar können sich noch kurzfristig für die Teilnahme an dem Regenerative-Energie-Projekt entscheiden.

Die Arbeiten sind allerdings vier Wochen im Verzug. Schuld daran seien der lange Winter und der verregnete Frühling, erläutert Riehl. Derzeit laufe die Ausschreibung für Installationen in der Nahwärmezentrale, die in einer alten Maschinenhalle im Feld entsteht. „Die Maschinen sind bestellt, aber die Lieferfirma ist nicht für die Installation zuständig“, berichtet er. Sie werde wohl die doppelte Kesselanlage als auch die Zufuhrtechnik für die Holzhackschnitzel-Anlage in Betrieb nehmen. „Allerdings muss sich eine Heizungsfirma darum kümmern, die erzeugte Energie in die Heizungsanlage einzubinden“, erklärt Riehl und berichtet, die Lieferung der Öfen sei für die 37. Kalenderwoche geplant.

Ebenfalls in vollem Gange ist die Sanierung des Kanals Ring- und Hauptstraße. Eigentlich sei laut Empfehlung des Planungsbüros mehr Kanal zu sanieren, sagt Riehl. Die Stadt lasse ihn jedoch erst einmal so weit erneuern, wie die Fördergelder reichen. Für den zweiten Bauabschnitt ist dann auch vorerst nur ein Stück einer Stichstraße im Dorfwiesenweg vorgesehen.

Dass die Erneuerung des Kanals und die Verlegung des Nawärmenetzes nicht in einem Aufwasch erledigt wird, liegt daran, dass der Kanal tiefer liegt als das Nahwärmenetz.

Die Bioenergiegenossen planen die Einweihung ihrer Anlage für den Oktober. Dann sollen die ersten Häuser mit Nahwärme beheizt werden. Rund 2,8 Millionen Euro kostet ihr Projekt. Sie kalkulieren mit rund einer Million Euro an Fördermitteln - ein Bescheid über eine Förderung in Höhe von 200000 Euro von der WI-Bank ging in diesen Tagen in Erfurtshausen ein.

Nun hoffen die Genossen, dass auch in Mardorf das Nahwärmeprojekt zur Umsetzung kommt - die Gründung einer Bioenergiegenossenschaft ist für Dienstag, 19.30 Uhr im dortigen Bürgerhaus geplant. „Wir würden uns freuen, wenn die Mardorfer Erfolg haben - zum einen aus grundsätzlichen Erwägungen, zum anderen, weil wir auf Synergien hoffen, zum Beispiel beim Einkauf von Holzhackschnitzeln“, so Riehl. Die Machbarkeitsstudie zeigt in Mardorf zumindest grünes Licht.

von Florian Lerchbacher

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Von Redakteur Florian Lerchbacher

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